Home
Anmelden
 
 
Modifizierter Universaldienstansatz
Bad Honnef, 15. Dezember 2010 - Mit einem bemerkenswerten Vorschlag trat heute Dr. Karl-Heinz Neumann, Geschäftsführer des Wissenschaftlichen Instituts für Infrastruktur und Kommunikationsdienste (WIK) an die Öffentlichkeit. Neumann schlug vor, jeden Festnetz- und Mobilfunkanschluss mit einer monatlichen Abgabe in Höhe von einem Euro zu belasten. Die in einen Fond einzuzahlende Pauschale solle zur Schaffung einer flächendeckenden Glasfaserinfrastruktur verwendet werden. Neumann geht davon aus, dass mit dieser moderaten Pauschale im Verlauf von fünf Jahren Investitionen in Höhe von 40 Mrd. EUR angestoßen werden können. Den ausformulierten Vorschlag im Original gibt es hier . Der Vorschlag ist in vielerlei Hinsicht bemerkenswert. Er lässt zunächst den Umkehrschluss zu, dass der Leiter des nach eigenen Angaben "bedeutendsten Forschungs- und Beratungsinstitut für Kommunikationsdienste in Deutschland" davon überzeugt ist, dass es die Marktteilnehmer absehbar nicht schaffen werden, aus dem Wettbewerb heraus eine landesweite moderne Glasfaserinfrastruktur aufzubauen und die ambitionierten Ziele der Digitalen Agenda der EU zu erreichen. Neumann legt zudem nahe, mit einem modifizierten Universaldienstansatz, wie er es nennt, "heutige Lethargie und Investitionszurückhaltung der Marktakteure" zu überwinden und stellt sich damit pointiert gegen die offizielle TK-Politik des Bundes, wonach - von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen - vor allem der TK-Wettberwerb für Innovation und Fortschritt bei der Breitbandinfrastruktur sorgt. Neumann sieht in seinem Vorschlag "die eine oder andere Parallele" zur Umlagefinanzierung bei den erneuerbaren Energien, dei der alle Stromverbraucher den Ausbau der erneuerbaren Energien fördern.
In der Tat fällt die im Vorschlag ganannte durchschnittliche monatliche Belastung von vier Euro je Haushalt moderat aus, gemessen an der Aussicht, damit nach Ansicht des WIK-Chefs eines der akutesten Zukunftsprobleme der Branche lösen zu können.  Viele Fragen bleiben aber unbeantwortet. Wer soll den Fond - wenn er denn zustande kommen sollte - verwalten, ohne eine mit der GEZ vergleichbare Bürokratie aufzubauen? Warum sollte, so die gängige Meinung der TK-Politik, der Universaldienstansatz dazu führen, dass der Infrastrukturausbau dabei besonders teuer wird, nicht jedoch dieser modifizierte Universaldienstansatz?  Es darf bezweifelt werden, dass Neumanns Ansatz z.Z. politisch mehrheitsfähig ist. Trotzdem verdient er eine breite öffentliche Diskussion. (bac)
 
< zurück   weiter >
 
 

Aktuelle Ausgabe

NET ist Mediapartner von

Wechselbanner_TEC54.gif
EW_Banner_Innovation.png

NET ist Kooperationspartner von

Breko_neu_2016