Köln, 7. Oktober 2010 - VATM und Dialog Consult haben heute die 12. gemeinsame TK-Marktanalyse 2010 vorgestellt. Beim Verband der Anbieter von TK- und Mehrwertdiensten ist die Presseveranstaltung anlässlich der Präsentation der Ausarbeitung online verfügbar.
Demnach werden die Umsätze mit Telekommunikationsdiensten in
Deutschland 2010 voraussichtlich auf rund 61 Mrd. EUR
leicht sinken. Das entspricht im Vergleich zum Vorjahr einem Rückgang
um 1,3 % (2009: 61,8 Mrd. EUR). Im Festnetzbereich können
alternative Anbieter (+0,5 Mrd. EUR) und Kabelnetzbetreiber
(+0,2 Mrd. EUR) zulegen. Nach vier Jahren mit sinkenden Umsätzen
verbucht der Mobilfunk insgesamt in diesem Jahr erstmals wieder ein
leichtes Plus (+0,8 % auf 24,3 Mrd. EUR).
Nachdem die Investitionen in Sachanlagen 2009 etwas
gesunken waren, steigen sie in der TK-Branche dieses Jahr wieder auf
rund 6,3 Mrd. EUR (2009: 6,1 Mrd. EUR). Die Wettbewerber
tragen nach Angaben der Autoren der Stusie mit 59 % erneut mehr als die Hälfte des Investments. Seit der Marktliberalisierung
haben die alternativen Anbieter rund 48,5 Mrd. EUR investiert.
Während die Zahl der Mitarbeiter bei den Wettbewerbsunternehmen zum
siebten Mal in Folge leicht steige (+1.000 auf 55.500), versuche die
Deutsche Telekom, ihre Effizienz durch einen weiteren Abbau bei den
Beschäftigten (-2.400) in Deutschland zu steigern.
„Die Relevanz des Kommunikationssektors als Motor
für die Gesamtwirtschaft ist ungebrochen. Im kommenden Jahr wird es für
Unternehmen und Kunden unter anderem durch die Erweiterung des mobilen
Internets per LTE-Technologie und Fortschritte beim Glasfaserausbau
neuen Schwung geben“, sagt VATM-Präsident Gerd Eickers: „Gestiegene
Umsätze, der stetige Zuwachs an Arbeitsplätzen und die starke Rolle bei
der Schließung von weißen Flecken in der Breitbandversorgung
unterstreichen die zunehmende Bedeutung der TK-Wettbewerbsunternehmen
in Deutschland.“
„Die Marktstudie verdeutlicht aber zugleich, dass
der Wettbewerb weiterhin einer effizienten Regulierung bedarf“, sagt
Eickers. Auch 13 Jahre nach der vollständigen Liberalisierung werde die
Telekom im Festnetzbereich trotz Umsatzeinbußen fast genauso viel
umsetzen (rund 18,1 Mrd. EUR) wie sämtliche Wettbewerber
inklusive Kabelanbieter zusammen, so Prof. Dr. Torsten J. Gerpott, der
die TK-Marktstudie wie in den Vorjahren mit der Dialog Consult GmbH im
Auftrag des VATM erstellt hat.
Der Neukundenanteil betrage in dem für die Frage
der Marktbeherrschung besonders relevanten DSL-Markt rund zwei Drittel,
so der TK-Experte. Weiterhin bestehen bleibe zudem die Abhängigkeit der
Wettbewerber von den Vorprodukten des Ex-Monopolisten. Im laufenden
Jahr müssten die Wettbewerber mit eigener Infrastruktur etwa 65 Cent
pro Euro Umsatz an die Telekom durchreichen. „Damit bleiben die an das
ehemalige Staatsunternehmen zu zahlenden Vorleistungsentgelte praktisch
unverändert hoch – und wir tragen dadurch erheblich zum Umsatz der
Telekom in diesem Bereich bei“, unterstreicht Eickers.
„Dass wir weiterhin einen `Schiedsrichter´ in
Gestalt des Regulierers auf dem Platz brauchen, zeigte sich in diesem
Jahr unter anderem bei den Themen VDSL, Schaltverteiler und Qualität
bei Wechselprozessen“, so der VATM-Präsident: „Nur durch deutliche
Eingriffe der Bundesnetzagentur konnten beim VDSL-Netz der Telekom
Zugangsregelungen und Preise für die Wettbewerber festgelegt werden,
bei der Nutzung von Schaltverteilern für den Breitbandausbau
Fortschritte und bei der Prozessqualität Verbesserungen erreicht
werden.“
Mit Blick auf die konkrete Marktentwicklung gehen
Prof. Gerpott und Verbands-Präsident Eickers davon aus, dass sich der
Gesamtmarkt 2011 stabilisieren wird: „Wir schätzen, dass der Markt
höchstens um bis zu zwei Prozent zurückgehen wird.“ Ein zunehmender
Mobilfunkumsatz werde jedoch nicht für ein Gesamtwachstum der
TK-Dienste im kommenden Jahr reichen. „2010 werden unter anderem mobile
Internetdienste, IP-TV und weiterhin der Bandbreitenwettbewerb wichtige
Rollen spielen“, so Prof. Gerpott. „Mit Blick auf die Verbraucher gehen
wir davon aus, dass die bereits niedrigen Mobilfunk-Endkundenpreise im
nächsten Jahr nochmals um bis zu drei Prozent sinken werden", schätzt
Eickers.
Auf der Agenda für TK-Branche, Regulierer, Politik
und Gesetzgeber werden aus Sicht des VATM 2011 vor allem drei
Themenbereiche stehen: der diskriminierungsfreie Zugang (Open Access)
zu den Glasfasernetzen, Netzneutralität und die Verbesserung der
Qualität - und damit die Novelle des Telekommunikationsgesetzes (TKG).
„Beim teils hitzig diskutierten Thema Netzneutralität muss mit
Sachlichkeit und ohne Hektik geschaut werden, welche Regeln überhaupt
benötigt werden. Wenn wir auf andere Länder schauen, fällt auf, dass
die Netzneutralität dort am gesichertsten ist, wo am meisten Wettbewerb
herrscht - und nicht dort, wo es am meisten Vorschriften gibt“, betont
der VATM-Präsident.
Beim Thema Open Access gelte es, 2011 zu
marktgerechten und wettbewerbsfördernden Regelungen zu kommen – auch
damit der Verbraucher und etwa Unternehmen mit Filialnetzen zukünftig
angesichts zahlreicher sich entwickelnder regionaler Glasfasernetze von
Wettbewerb und Auswahlmöglichkeiten profitieren können. Die
EU-Kommission habe in ihrer kürzlich veröffentlichten NGA-Empfehlung
klargestellt, dass die Förderung von Investitionen nicht zu Lasten des
Wettbewerbs gehen darf. Eickers: „Das muss auch für die aktuelle
Novellierung des Telekommunikationsgesetzes gelten.“ Die Grundtendenz
des gerade vorgelegten Referentenentwurfs stimme. „Besonders die
Umsetzung der neuen EU-Qualitätsvorgaben in der TKG-Novelle begrüßen
wir“, so der VATM-Präsident. Der VATM hatte in seiner Stellungnahme zu
den Eckpunkten des Gesetzes vor allem auf deutliche Verbesserungen und
Klarstellungen bei Anschaltprozessen, Anbieterwechseln und Entstörungen
gedrungen.
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