Bonn/Berlin, 8. September 2011 - Zur
Wiederaufnahme der parlamentarischen Beratungen nach der Sommerpause appelliert
der Bundesverband Breitbandkommunikation e. V. (Breko ) an die Abgeordneten des
Deutschen Bundestages auf die Einführung eines Breitband-Universaldienstes zu
verzichten.
„Es wäre für das Vertrauen in den Investitionsstandort Deutschland
nachhaltig schädlich, den seit 1998 eingeschlagenen Weg einer wettbewerblichen
Erschließung des Telekommunikationssektors zu verlassen und mit dem
Breitband-Universaldienst einen staatlich verordneten Monopolausbau zu
reanimieren“, warnt Breko-Präsident Ralf Kleint. „Auch und gerade der ländliche
Raum profitiert erheblich von den Vorzügen des Wettbewerbs. So haben sich
zahlreiche lokale und regionale Anbieter etabliert, die die Kunden mit einer
hochwertigen Infrastruktur und innovativen Diensten versorgen“, führt Kleint
aus.
Der Breko-Präsident verweist darauf, dass von allen Marktteilnehmern in den gut
dreizehn Jahren seit der Liberalisierung rund 93,2 Mrd. Euro in den Aufbau
einer leistungsfähigen Telekommunikationsinfrastruktur investiert wurden, davon
mehr als die Hälfte durch alternative Anbieter: „Ein vergleichbares Investitionsvolumen
wäre im Monopol ebenso wenig erreicht worden wie das gegenüber 1998 deutlich
niedrigere Endkundenpreisniveau und die hohe Innovationsdynamik“, so Kleint
weiter. „Ohne den Druck des Wettbewerbs wäre heute in Deutschland noch kein
einziger Glasfaseranschluss geschaltet, weil für den Monopolisten immer der
Anreiz besteht, die Technologiezyklen solange wie möglich auszureizen.“
„Die
Forderung nach einem Breitband-Universaldienst erscheint nur auf den ersten
Blick als populär“, warnt auch Breko-Geschäftsführer Dr. Stephan Albers. „Alle
Untersuchungen zu den Kosten eines flächendeckenden Glasfaserausbaus gehen von
einer Deckungslücke in zweistelliger Milliardenhöhe aus. Wenn die Politik die
Telekommunikationswirtschaft zwingt, diese Deckungslücke zu schließen, werden
die Unternehmen, die daraufhin überhaupt noch im Markt verbleiben, gar keine
andere Wahl haben, als die Kosten an die Endkunden weiterzugeben. Dies betrifft
dann die Anschlusspreise insgesamt, also auch solche Kunden, die zurzeit noch gar
keinen Glasfaseranschluss wünschen.“ Albers sieht die Alternative in einem
marktgetriebenen und an der tatsächlichen Nachfrageentwicklung orientierten
Ausbau: “Die sehr ehrgeizigen Ziele der Breitbandstrategie des Bundes, die bis
2014 eine Versorgung von 75 Prozent der Haushalte mit mindestens 50 MBit/s
vorsieht, werden mit hoher Wahrscheinlichkeit durch den Markt erreicht werden.
Bereits Ende 2010 konnten nach den Feststellungen der Bundesnetzagentur gut 40
Prozent der Haushalte über einen solchen Highspeed-Anschluss verfügen.“
Laut
jüngsten Zahlen des Bundeswirtschaftsministeriums war Ende 2010 eine
Breitbandversorgung von mindestens 1 Mbit/s für 98,3 % aller deutschen
Haushalte verfügbar. „Das bedeutet im Umkehrschluss, dass etwa 500.000
Haushalte nicht versorgt waren. Diese sehr überschaubare Zahl ist mit
dezidierten, der jeweiligen Situation angepassten Maßnahmen weitaus besser ans
Hochleistungsnetz zu bringen als mit einem ‚planwirtschaftlichen‘
Universaldienst, wobei LTE-Lösungen eine besondere Rolle spielen werden. Ein
Universaldienst würde keineswegs schneller und besser und schon gar nicht
kostengünstiger zum flächendeckenden Breitband führen, wohl aber die bisherige
Ordnungspolitik nachhaltig auf den Kopf stellen. Diesen Schritt sollte sich die
Politik sehr genau überlegen.“, gibt Albers zu bedenken.
Die
Politik könne durch die Schaffung eines investitionsfreundlichen Umfeldes zu
einem schnelleren Breitbandausbau beitragen. „Dies betrifft vor allen Dingen
die Verbesserung der Konditionen für die Aufnahme von Fremdkapital. Wegen der
Langfristigkeit der Investitionen und des hohen Fremdkapitalanteils kann
bereits ein Zinsunterschied von einem Prozent über die Wirtschaftlichkeit eines
Glasfaserprojektes entscheiden. Vor diesem Hintergrund wäre ein
KfW-Glasfaserprogramm sehr hilfreich“, führt Albers aus.
Notwendig
sei zudem endlich eine korrekte Festlegung des Entgeltes, das die Wettbewerber
der Telekom für die Nutzung der „letzten Meile“ (TAL) zahlen müssen. „Würde die
Bundesnetzagentur das alte Kupfernetz der Telekom durch die Bezugnahme auf
aktuelle Wiederbeschaffungskosten nicht fortgesetzt überbewerten, so würden
durch die ersparten TAL-Kosten bei den Wettbewerbern jährliche
Investitionsmittel in dreistelliger Millionenhöhe frei“, kritisiert der Breko-Chef. (Quelle: Breko)
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