3 www.net-im-web.de EDITORIAL Das Thema Künstliche Intelligenz ist in aller Munde, berührt tatsächlich auch so gut wie alle wirtschaftlichen Sparten sowie die meisten Bereiche des täglichen Lebens. Und zweifellos sprechen sowohl Unternehmen, Hersteller, Industrie und Politik dem Einsatz von KI großen Nutzen zu. Selbstverständlich geregelt, kontrolliert und durch gesetzliche Rahmen gelenkt. So weit so gut. Doch in dieses Stimmungsbild grätschen jetzt prominente Personen aus dem öffentlichen Leben und der Wissenschaft. Darunter unter anderem KI-Pionier Stuart Russell, der KI-Visionär Yoshua Bengio, Steve Wozniak oder Prinz Harry. In einem kürzlich in den USA veröffentlichten offenen Brief warnen sie davor, die Entwicklungen künstlicher Intelligenz in der jetzigen Form und in dem aktuellen Tempo weiterzuentwickeln. Dabei richtet sich der Aufruf nicht gegen die Entwicklung künstlicher Intelligenz an sich, sondern gegen den aktuellen Trend der Ingenieure, eine Superintelligenz zu schaffen, die zahlreiche Aufgaben übernehmen kann, sich eigenständig Wissen aneignet und damit in letzter Konsequenz selbstständig Entscheidungen trifft, die unter anderem auch nationale Sicherheiten gefährden könnte. In einer solchen sieht man Risiken, die bis hin zur Bedrohung der menschlichen Existenz führen könnte. Dennoch betonen die Unterzeichner, dass sie mit ihrem offenen Brief keine Panikmache betreiben oder Beschwörungstheorien befeuern wollen, sondern lediglich angemessene Sicherheitsvorkehrungen fordern, bevor derartige Technologien so weit ausgereift sind, dass sie bedrohlich, in welcher Form auch immer, werden könnten. Ein anderes, nicht minder brisantes Thema ist einmal wieder die Abhängigkeit von China. Dieses Mal geht es nicht um die Pharma-Industrie, sondern Halbleiter. Die Automobilindustrie sorgt sich um die Aufrechterhaltung der Produktion, da Chips und Prozessoren aus Taiwan fehlen. Auslöser sind erneute Drohungen Chinas gegen Taiwan. Aktuell vertrauen laut Bitkom nur noch 37 Prozent der Unternehmen, die Halbleiter verwenden, den USA hinsichtlich der weiteren Versorgung mit Halbleitern. Das Problem: Die meisten Hersteller beziehen ihre Chips von Unternehmen, die ihren Hauptsitz in den USA (72 Prozent) und in China haben (63 Prozent). Angesichts dessen stellt sich die Frage, wann Politik und Unternehmen klug werden. Jedes Mal, wenn es zu einer solchen Krise kommt, ist der Ruf nach europäischen Standorten und mehr Unabhängigkeit von Asien laut. Tatsächlich geschieht in dieser Hinsicht wenig. Ihr Bernhard Reimann Die Geister, die ich rief... 10/25
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