www.net-im-web.de 33 10/25 RECHEN- UND DATENCENTER Cybersicherheit und Drohnenabwehr Neue Herausforderungen für krisensichere Rechenzentren Bernhard Reimann Rechenzentren sind das Rückgrat der digitalen Ökonomie – und damit zwangsläufig ein Magnet für Angriffe aus dem Netz wie aus der Luft. Wer in Deutschland Datacenter betreibt, muss zwei Bedrohungsachsen im Blick haben. Das ist einerseits die hochprofessionalisierte Cyberkriminalität, die immer häufiger direkt auf Infrastruktur- und Cloud-Ebenen zielt. Hinzu kommt die wachsende Gefahr durch zivile und halbmilitärische Drohnen, die physische Sicherheitskonzepte herausfordern. Erschwerend kommt hinzu, dass beide Bereiche ineinandergreifen. Drohnen können als Vektor für digitale Angriffe dienen, etwa durch eingeschleuste Funkmodule oder präzise platzierte IMSI-Catcher in Fensternähe. Umgekehrt eröffnen Cyberangriffe den Tätern physische Angriffe, wenn Zutritts- oder Videoanlagen kompromittiert sind. Bernhard Reimann ist Chefredakteur der NET Auf der digitalen Seite ist die Lage so angespannt wie nie. Das Bundeskriminalamt beziffert für das Jahr 2024 allein 950 „schwere“ Ransomware-Fälle, also Vorfälle mit erheblicher Schadenswirkung. Aber das ist nur die Spitze des Eisbergs, denn ein Großteil der Erpressungen wird gar nicht angezeigt. Diese Zahl beschreibt leider den neuen Normalzustand eines Marktes, in dem Ransomware-asa-Service mit spezialisierten Zugangsbörsen und Datenhehlerei verschmilzt. Gleichzeitig steigt die technische Schlagzahl. Der BSI-Lagebericht 2024 dokumentiert im Schnitt 309.000 neue Malware-Varianten pro Tag und eine deutliche Professionalisierung bei der Ausnutzung von Perimeter-Schwachstellen. Besonders kritisch dabei sind erfolgreiche Ransomware-Angriffe auf Public-Cloud-Dienste, die Verfügbarkeit und Datenintegrität von Mandanten beeinträchtigten. Damit rückt die Frage der sogenannten „Blast Radius“-Begrenzung – also der Architekturgrenzen, die verhindern, dass ein einzelner Exploit ganze Plattformsegmente kompromittiert – ins Zentrum der Datacenter-Sicherheitsstrategie. Deutschland im Fokus Mittlerweile ist Deutschland in 2025 in mehreren unabhängigen Analysen eines der am stärksten angegriffenen Länder Europas, sowohl in Bezug auf gezielte Erpressungen wie auch bei DDoS-Trends, die seit dem letzten Jahr in Frequenz und Spitzenleistung zulegen. Die internationale Telemetrie zeigt, dass HTTP-DDoS-Angriffe gegenüber dem Vorjahr teils dreistellig gewachsen sind. All das übersetzt sich in reale volkswirtschaftliche Schäden. Der Branchenverband Bitkom taxiert für 2025 die Kosten der Cyberkriminalität in Deutschland auf rund 202,4 Milliarden Euro – ein Plus von etwa 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Für Betreiber heißt das: Nicht nur Vertraulichkeit und Verfügbarkeit sind Mittlerweile ist Deutschland in 2025 in mehreren unabhängigen Analysen eines der am stärksten angegriffenen Länder Europas, sowohl in Bezug auf gezielte Erpressungen wie auch bei DDoS-Trends (Foto: Cliff Hang, Pixabay)
RkJQdWJsaXNoZXIy MjE2Mzk=