NET Oktober 2025

36 www.net-im-web.de 10/25 RECHEN- UND DATENCENTER Datennetze mit Anspruch Ausbau funktioniert nur mit Weitblick Jürgen Müller Datennetze sind weit mehr als die Summe ihrer Komponenten. Sie transportieren nicht nur Daten, sondern ermöglichen Prozesse, sichern Kommunikation, verbinden Standorte und bilden die Grundlage für digitale Wertschöpfung. In der Praxis zeigt sich jedoch immer wieder, dass der Ausbau von Netzinfrastrukturen selten als strategisches Thema behandelt wird. Genau das führt zu Verbindungsengpässen, unnötigen Kosten und Strukturen, die dem tatsächlichen Bedarf nicht gewachsen sind. Jürgen Müller ist AU Leiter Datennetze bei Axians Der Anspruch im Bereich Telekommunikations- Infrastrukturen liegt deshalb darin, Datennetze nicht als Produkt, sondern als strategische Ressource zu denken. Ausgangspunkt ist dabei immer die Frage, was ein Netz leisten muss – heute, in naher Zukunft und unter verschärften Bedingungen. Diese Perspektive führt weg von kurzfristiger Technikbetrachtung hin zu langfristig tragfähigen Architekturen. Anforderungen genau erfassen Ein professioneller Netzausbau beginnt mit fundierter Analyse, nicht mit der Produktauswahl. Die technischen Rahmenbedingungen vor Ort – Gebäudestruktur, IT-Topologie, Nutzerverhalten, Umgebungsinterferenzen – bilden dabei nur eine Ebene. Mindestens genauso wichtig sind die organisatorischen Anforderungen: Welche Dienste müssen priorisiert werden? Wo entstehen Engpässe? Welche Redundanzen sind zwingend für eine störungsfreie Verbindung? Welche Reserve ist realistisch, und wirtschaftlich vertretbar? Nur wenn diese Faktoren systematisch erfasst werden, entsteht eine Infrastruktur, die nicht nur im Planungsstadium überzeugt, sondern im Betrieb dauerhaft stabil läuft. Der Ausbau eines Netzes ist kein linearer Prozess, sondern eine Entscheidungskette, die durchdacht getroffen werden muss. Maßgeschneiderte Architektur Jedes Projekt bringt eigene Anforderungen mit sich. Es macht einen Unterschied, ob in einem Kliniknetz medizinische Geräte abgesichert werden, ob ein Industrieareal mit mehreren Hallen erschlossen wird oder ob eine öffentliche Einrichtung in einem Bestandsgebäude arbeitet. Standardrezepte reichen hier nicht aus. Sie überfordern entweder durch Überdimensionierung oder gefährden die Stabilität durch unpassende Planung. Ausbau bedeutet daher immer: Architektur, nicht Technik. Die PlanungsAusbau bedeutet immer: Architektur, nicht Technik. Die Planungstiefe entscheidet über die Qualität. Dazu gehört nicht nur die Segmentierung des Netzes, sondern auch die saubere Trennung der Versorgungsebenen

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