43 www.net-im-web.de 12/25 Level-4-Netzwerk-Autonomie Entscheidungen ebnen. Veraltete Architekturen Um Level 2 erfolgreich zu überwinden, müssen einige zentrale Hürden übersprungen werden. Dazu zählen beispielsweise veraltete und starre Operations-Support-Systems (OSS)- sowie Business-Support-Systems (BSS)-Architekturen, die monolithisch aufgebaut und unflexibel sind. Zudem liegt vielerorts eine hohe Anzahl an fragmentierten Datenquellen vor, sodass es an einer durchgängigen Abstimmung zwischen Inventory-, Service-Assurance- und Orchestrierungssystemen fehlt. Auch mangelt es häufig an einer Echtzeit-Transparenz, die den Betrieb des Netzwerks über hybride Infrastrukturen hinweg visualisiert. Und nicht zuletzt besteht ein weiteres Hindernis auf dem Weg zu Level 4 in einem organisatorischen Widerstand im Unternehmen. Hinzu kommen oft frappierende Mängel bei der Automatisierungssteuerung. Für Level 4 bedarf es einer umfassenden OSS-Transformation sowie einer tiefgreifenden Systemintegration. Zu beachten ist dabei: Autonome Netze stützen sich auf geschlossene Regelkreise (Closed-Loop-Automation). Diese folgen einem vorgegebenen Ablauf aus Wahrnehmen, Analysieren und Handeln. KI, auch in der Form von Agentic AI Layern, also dem Zusammenspiel aus mehreren KI-Agenten, fungiert dabei als Katalysator, der diesen Kreislauf optimiert und beschleunigt. So ermöglicht die Integration von KI und prädiktiver Analytik auf Level 4, dass das Netzwerk nicht mehr nur auf statische Regeln reagiert. Vielmehr kann es auf Basis von Vorhersagen proaktiv Prozesse optimieren und Fehler beheben. Dabei nutzt KI beispielsweise Machine Learning (ML) und historische Verkehrsmuster, um zukünftige Lastspitzen vorherzusagen. Basierend auf diesen Prognosen kann das Netzwerk Kapazitäten im Voraus zuweisen oder anpassen, um Engpässe zu reduzieren. Zudem unterstützen und automatisieren KI-Assistenten Routine- und komplexe Aufgaben wie die Fehleranalyse, die Folgenabschätzung oder die Netzwerkplanung. Darüber hinaus gilt: Prädiktive Modelle und Automatisierungsroutinen sind nur so gut wie die Daten, auf die sie zugreifen. Das Inventory-System muss daher als Single Source of Truth saubere, verifizierte und semantisch reiche Daten für fundierte Entscheidungen liefern. Kernsysteme perfekt integrieren Die kritische Lücke zwischen Level 3 und 4 lässt sich also nur durch die Integration der drei Kernsysteme Inventory, Service-Orchestrierung und Service-Assurance schließen. Dabei muss ein Unified Inventory Layer physische, logische und virtuelle Assets in einer einzigen, integrierten Datenbank erfassen. Das Assurance-System hingegen überwacht das Netzwerk auf Fehler und PerformanceProbleme. Bei der Analyse werden Alarme und Ereignisse korreliert und durch die genauen Topologie- und Abhängigkeitsdaten aus dem Inventory angereichert. So kann das System die Fehlerursache schnell identifizieren, anstatt nur auf Symptome zu reagieren. Die Service-Orchestrierung schließlich nutzt die Erkenntnisse des AssuranceSystems sowie die Verfügbarkeitsdaten des Inventory-Systems. Sie kann automatisierte Maßnahmen wie etwa Neukonfigurationen, Skalierungen oder ein Re-Routing auslösen. Das Inventory stellt auch sicher, dass Ressourcen genau zugewiesen und freigegeben werden. Die Integration dieser Systeme ermöglicht eine grundlegende Transformation des Netzwerkbetriebs. So ebnet Level-4-Autonomie den Weg für proaktives und präventives Handeln. Selbstheilendes Netzwerk Wichtig ist dabei die End-to-End-Transparenz über alle physischen, logischen und virtuellen Asset-Schichten hinweg. Sie ermöglicht eine sofortige Service-Impact-Analyse bei einer Störung. Das Operations-Team kann den Servicepfad vom virtuellen Dienst bis zum fehlerhaften physischen Kabel in Echtzeit verfolgen und so eine schnelle Lösung liefern. Ein primäres Merkmal von Level 4 ist auch die Fähigkeit zur automatischen Behebung von Netzwerkproblemen (Self-Healing). Bei einem physischen Fehler, beispielsweise einem Glasfaserbruch, erkennt das Assurance-System die korrelierten Alarme. Mithilfe des Inventory-Systems versteht es den genauen Umfang der betroffenen Dienste. Das Orchestrierungssystem kann dann sofort den kritischen Verkehr über einen verfügbaren Backup-Pfad automatisiert umleiten, sodass ein Ausfall vermieden wird. Und nicht zuletzt können dank prädiktiver Fähigkeiten SLA-Verletzungen vermieden werden, bevor Kunden diese bemerken. Das Assurance-System überwacht Leistungskennzahlen und erkennt frühe Anzeichen einer Störung wie etwa eine Latenzverschlechterung. Durch Anreicherung mit Informationen aus dem Inventory-System lässt sich die Fehlerursache wie beispielsweise ein überlasteter Switch zielsicher identifizieren. Dann greift der Orchestrator ein und löst richtlinienbasierte Anpassungen aus. Dazu zählen etwa die Umleitung des Datenverkehrs oder die dynamische Anpassung von QoS-Profilen, noch bevor die vertraglich vereinbarten Schwellenwerte erreicht sind. www.fntsoftware.com Daria Batrakova Die kritische Lücke zwischen Level 3 und 4 lässt sich nur durch die tiefe Integration der drei Kernsysteme Inventory, Service-Orchestrierung und Service-Assurance schließen
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