NET 3/2025
25 03/25 SCHWERPUNK T GL AS FAS ER IT-Trends 2025 nach dem KI-Hype Optimismus und gesteigertes Kostenbewusstsein Bernhard Reimann ist Chefredakteur der NET Bernhard Reimann In einem Exklusiv-Interview mit der NET erklärt Katrin Giza, Community-Managerin der GTIA in Deutschland, Österreich und Schweiz sowie den Benelux-Län- dern, wichtige Trends in der IT- Welt in diesem Jahr. Und was nach dem KI-Hype kommt. NET: Vor einigenWochen hat IhrVerband, dieGTIA, eine Studie zuTrends in der IT-Industrie in diesem Jahr herausgebracht. Welche Themen stechen denn ins Auge? Katrin Giza: „Der Bericht untersucht zehn Trends, die die IT-Branche und die Menschen, die in der Technologiebranche arbeiten, in diesem Jahr beschäftigen. Ganz allgemein überwiegt demnach Optimismus die Sorgen und Unsicherheit bei IT-Fach- kräften und IT-Unternehmen. Spannend finde ich persönlich, dass wieder mehr auf Messbarkeit und Kostenkontrolle Wert ge- legt wird. Und zwar nicht nur hierzulande, wo die wirtschaftliche Lage dies nahelegt, sondern weltweit. Unternehmen legen die Messlatte für die digitale Transformation höher und beginnen, die Kosten von KI zu berechnen." NET: Was heißt das konkret? Gibt es einen DeepSeek-Effekt? Das chinesische Start-up hat eine leistungsfähige KI entwickelt, die sehr viel günstiger als US-amerikanische Pendants ist. Das hat zu einemKurssturz bei einigen auf KI spezialisierten Aktien geführt und sicherlich auch zum Nachdenken über die Höhe der Investitionen in KI beigetragen. K. Giza: „Es ist eher so, dass nach dem gut zweijährigen KI-Hype die Zeit der Realisten begonnen hat. Die prüfen genau, ob die IT-Investitionen auch zu den gewünschten Ergebnissen führen. Und Unternehmen wollen denn auch einenmaßvollerenUmgang beim Einsatz von KI verfolgen." NET: Gibt es denn für den deutschsprachigen RaumBesonderheiten oder ist hier alles doch recht ähnlich zum weltweiten Geschehen? K. Giza: „Deutsche sind bei der Einführung neuerTechnologien grundsätzlich zurückhal- tender. Diese Vorsicht spiegelt sich besonders auch bei KI wider, wie der eingangs zitierte GTIA IT IndustryOutlook zeigt. Auchwenn weltweit die Zurückhaltung imTrend liegt, wollen doch 26 Prozent der kleinen und 30 Prozent der großen Unternehmen offensiver neue Technologie einführen. Hierzulande sind es nur 11 Prozent. Und 50 Prozent der befragten Manager und Managerinnen aus Deutschland bevorzugen ein maßvolles Vorgehen bei der Einführung von Techno- logie, 30 Prozent wollen sogar das Tempo verlangsamen." NET: All das spricht ja nicht gerade für Optimismus.Was gibt dennoch Anlass dazu? K. Giza: „Der Studie zufolge liegt das ganz klar an einer positiven Grundhaltung gegen- über der Bedeutung der IT. Demnach speist sich der Optimismus aus einer hohen Nach- frage nach technischen Fähigkeiten, der Wahrnehmung, dass Technologie der Ge- sellschaft nützt, und der Chance, durch IT eine gute Work-Life-Balance zu erreichen. IT-Unternehmen wiederum sind optimis- tisch, dass sie neue Kundensegmente er- schließen und ihre internen Abläufe sowie ihre Vertriebs- und Marketingaktivitäten verbessern können. Bei allem Verständnis für diesen Optimismus bleibt eine doppelte Heraus- forderung:Wir müssenQualifikationslücken durchWeiterbildung verkleinern und so gut es geht bei der Einführung von KI unter- stützen. So gibt es im deutschsprachigen Raum in jedem Bereich Qualifikationslü- cken bei IT-Fachkräften, in Disziplinen wie der Cybersicherheit, dem IT-Support und der Infrastruktur. Wissen ist auch dringend nötig, wenn KI zielgerichtet zum Einsatz kommen soll. Unternehmen müssen Cyber- sicherheits- und Privacy-Bedenken wider- legen, Anwendungsfälle definieren und die Arbeitsverteilung zwischen Mensch und KI organisieren. Es gibt auf jeden Fall viel zu tun." Frau Giza, wir bedanken uns für dieses Ge- spräch. www.gtai.de Katrin Giza Wir müssen Qualifikationslücken durch Weiterbil- dung verkleinern und so gut es geht bei der Einfüh- rung von KI unterstützen. Wissen ist dringend nötig, wenn KI zielgerichtet zum Einsatz kommen soll
Made with FlippingBook
RkJQdWJsaXNoZXIy MjE2Mzk=