NET 3/2025
26 www.net-im-web.de 03/25 SCHWERPUNK T GL AS FAS ER Herausforderungen beim Glasfaserausbau Kundennachfrage ist immer noch gering Bernhard Reimann ist Chefredakteur der NET Bernhard Reimann Der Glasfaserausbau in Deutschland kommt nur schleppend voran. Bei Betrachtung der verschiedenen Aus- baustufen war Mitte 2024 lediglich bei 43 Prozent der Haushalte ein Glasfaseranschluss an der Grund- stücksgrenze verlegt (sogenannte Homes Passed), 23 Prozent der Haushalte waren an Glasfasernetze angeschlossen (Homes Connected), und nur elf Prozent hatten einen Anschluss aktiviert (Homes Activa- ted). Woran das liegt und welche Lösungsansätze es gibt, untersucht eine aktuelle Analyse des Wirt- schaftsprüfungs- und Beratungs- unternehmens PwC Deutschland. Die größte Herausfor- derung liegt demnach in komplexen und langwie- rigen Genehmigungsverfahren. Weiter- hin werden fehlende Fachkräfte, hohe Ausbaukosten, der Wettbewerb um die Gebiete sowie Schwierigkeiten in der Zusammenarbeit mit Bau- und General- unternehmen als relevante Herausforde- rungen betrachtet. Im internationalen Vergleich hängt Deutschland im Glasfaserausbau hinterher. So lag im September 2023 die durchschnittliche Ausbauquote von Homes Passed in der EU und dem Ver- einigten Königreich bei 64,5 Prozent der Haushalte, während diese Quote in Deutschland bei 40 Prozent lag. Der langsame Glasfaserausbau kann für den Wirtschaftsstandort Deutschland zu ei- nem ernsthaften Problem werden. Eine moderne, digitale Infrastruktur ist ein entscheidender Wettbewerbsfaktor. Mit dem kontinuierlich wachsenden Daten- verbrauch wird sich dieses Problem in den kommenden Jahren noch verstärken. „Wir müssen heute den Glasfaserausbau beschleunigen, ummorgen nicht in Eng- pässe zu laufen. Aktuell decken alte Netze häufig noch den Bedarf. Der Datenver- brauch wird sich aber in Zukunft alle drei Jahre verdoppeln, und der Bau von physischer Infrastruktur benötigt viel Zeit und damit einen entsprechenden Vor- lauf“, sagt Michael Driemeyer, Director bei PwC Deutschland. Kürzere Genehmigungsverfahren Als größte Herausforderung sehen Tele- kommunikationsunternehmen aktuell die Komplexität und Dauer von Geneh- migungsverfahren für Glasfaserprojekte. Die Anträge landen in überarbeiteten Abteilungen. Die Regelungen unter- scheiden sich nicht nur zwischen den Bundesländern, sondern teilweise auch zwischen benachbarten Kreisen. Selbst für einzelne Straßenzüge sind kleinteilige Genehmigungen erforderlich. Und dabei Schreitet der Zuwachs an Homes Passed sowie Homes Connected wie in den letzten Jahren voran, wird erst im Jahr 2032 eine flächendeckende Versorgung erreicht (Grafik: BREKO, PwC-Analyse)
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