NET 3/2025
27 www.net-im-web.de 03/25 Herausforderungen beim Glasfaserausbau macht es keinen Unterschied, ob es sich um eine Verlegung von hundert Metern oder mehreren Kilometern handelt. Um die aktuelle Situation zu verbessern, sollten behördliche Strukturen optimiert und die Gebietsfreigaben neu geregelt werden. Die Freigabe ganzer Aus- baugebiete statt einzelner Trassen würde den Genehmigungsaufwand verringern. Kleine Projekte könnten von Genehmi- gungsverfahren freigestellt werden. Die Klassifizierung des Glasfaserausbaus als „überragendes öffentliches Interesse“ könn- te den Ausbau weiter beschleunigen. Einige dieser Lösungsansätze waren im Entwurf desTelekommunikations-Netzausbau-Be- schleunigungs-Gesetzes (TK-NABEG) adressiert. Es weist jedoch laut Branchen- experten noch einige Schwachstellen auf. Es fehlen spezifische Maßnahmen zur Beschleunigung des Ausbaus, und die ungleiche Behandlung von Festnetz- und Mobilfunkausbau wird kritisiert. Planungssicherheit in Gefahr Weiterhin stellt die Zusammenarbeit mit Bau- und Generalunternehmen sowie der Fachkräftemangel Probleme für die Tele- kommunikationsanbieter dar. Kurzfristige Einzelverträge erschweren den Aufbau langfristiger Beziehungen und eine zu- verlässige Planung. In vielen Fällen ist die Qualität der Umsetzung unzureichend. Aufwendige und kostspielige Nachbes- serungsarbeiten sind die Folge. Manche Marktteilnehmer haben bereits eigene Teams zur Bauüberwachung aufgebaut, beteiligen sich an Tiefbauunternehmen oder haben sogar eigene gegründet. Die Qualität der Planung und Bauleitung hat maßgeblichen Einfluss auf den reibungslosen Verlauf eines Glas- faserprojekts. Hier herrscht ein eklatanter Mangel an qualifizierten Fachkräften. Um den Bedarf anMitarbeitenden zu decken, entwickeln die Unternehmen unter ande- rem eigene Ausbildungsprogramme und kooperieren mit Bildungseinrichtungen. Im Bereich der Planung wird zudem ver- mehrt künstliche Intelligenz eingesetzt. Schneller und energieeffizienter Die Infrastruktur ist hierzulande durch zwei alte Netze geprägt: (V)DSL und HFC. Die DSL-Abdeckung, die auf dem kupferbasiertenTelefonnetz aufbaut, liegt derzeit bei 95 Prozent. Die Abdeckung mit dem „Kabelinternet“ HFC beträgt 60 Prozent. Für Anwendungen des alltägli- chen Bedarfs sind die Geschwindigkeiten der aktuellen Netze in den meisten Fällen noch ausreichend hoch. Dieser Umstand erschwert den Vertrieb neuer, zukunfts- weisender Glasfaseranschlüsse. „Glasfaser hat in Deutschland ein Imageproblem. Dabei ist die Infrastruktur mittelfristig unverzichtbar, und die Telekommuni- kationsanbieter haben gute Argumente für ihren Vertrieb – die Hausanschlüsse sind in der Regel kostenlos, die Netze sind stabiler, haben geringere Latenzen und höhere Upload-Geschwindigkeit. Es bedarf einer gemeinsamen Anstrengung der Telekommunikationsbranche, um ihre Wahrnehmung in der Bevölkerung zu verbessern und die Vorteile klar und verständlich zu kommunizieren“, erläutert Michael Driemeyer, Director bei PwC Deutschland. www.pwc.com/structure
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