NET 3/2025
www.net-im-web.de 33 03/25 SCHWERPUNK T GL AS FAS ER Fika trifft auf Fiber Wie Stockholm dank Glasfaser europäischer Innovationsführer wurde Marc Hankmann ist freier Journalist in Sendenhorst Marc Hankmann Wenn der Stockholmer zur traditi- onellen schwedischen Kaffeepause namens Fika sein Smartphone her- ausholt, kann er mit über einem halben Gigabit im Internet surfen. Er könnte für sein Unternehmen auch eine Glasfaseranbindung mit 100 Gbit/s anmieten – sym- metrisch – und hätte sie in zehn Tagen zur Verfügung. Dass unter solchen Voraussetzungen Innova- tionen und Digitalisierung blühen, versteht sich von selbst. Die Basis hat die Stadt Stockholm vor über 30 Jahren gelegt – mit Stokab. Stockholm gehört laut EU- Innovationsanzeiger zu den führenden Innovationsre- gionen in der Union. Die Stockholmer Bürger könnenmit den schnellsten 5G-Verbindungen in ganz Nordeuropa ins Netz gehen. Internet Service Provider (ISP) wie Layer & Mesh können für mehr als 90 Prozent der Haushalte in nur zehn Tagen symmetrische Breitband- verbindungen bis 100 Gbit/s errichten – mit Latenzzeiten von 0,1Millisekunden. In Sachen Patentanmeldungen, R&D-Investitionen von Unternehmen sowie bei den Innovations- ausgaben pro Mitarbeiter in kleinen und mittelständischenUnternehmen (KMU) liegt Stockholm vor Berlin, Zürich, Karlsruhe oder London. Die Grundlage dafür liefert Stokab. Das vollständig imBesitz der Stadt Stockholm befindliche Unternehmen (Stockholm + AB, die Abkürzung für „Aktiebolag“, schwedisch für Aktiengesellschaft) wurde 1994 gegrün- det, als man in Deutschland noch auf ISDN setzte und die Politik demTCP/IP-Protokoll eher wenig Aufmerksamkeit schenkte. In den vergangenen 30 Jahren hat Stokab eine IT-In- frastruktur, bestehend aus 1,9 Milliarden km Glasfaser, geschaffen, verpackt in 9.900 km optische Kabel. Das Netz erstreckt sich auf 26 Kommunen um Stockholm und erreicht eine Million Stockholmer Haushalte, was etwa 90 Prozent aller Haushalte in der 2,2 Millionen Einwohner umfassenden Stadt entspricht. Die Versorgung von Gewerbeimmobilien ist mit 99 Prozent praktisch flächendeckend. Selbst einige Inseln der berühmten Schärengärten sind angeschlossen. Reaktion auf steigende Nachfrage Natürlich ist das Stokab-Netz nicht von heute auf morgen entstanden. Bis ungefähr 2007 hat das kommunale Unternehmen nur auf Nachfrage Gebäude angebunden. Der Fokus Das Dark-Fiber-Netz von Stokab erstreckt sich über 26 Kommunen um Stockholm und erreicht 90 Prozent der Haushalte sowie 99 Prozent der Gewerbeobjekte (Grafik: Stokab)
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