NET 3/2025

34 www.net-im-web.de 03/25 Fika trifft auf Fiber lag dabei auf öffentlichen Einrichtungen und großen Unternehmen. Gleichzeitig stellte Stokab anderen Netzbetreibern Glasfaser- leitungen zur Verfügung, um die steigende Datennutzung der Bürger zu bewältigen. Da deren Ansprüche sowie die Breitbandnachfrage vor allem von KMU immens stieg, nahm diese Aufgabe immer mehr Raum ein, weshalb Stokab ab 2007 proaktivGlasfaserleitungen bis in die Gebäude und zum Teil auch schon zu Rechenzentren vor den Toren Stockholms verlegte. Ziel war die Anbindung aller Mehrfamilienhäuser und Gewerbeobjekte in der Stadt. Die Strategie wurde auf denWholesale-Vertrieb für passive Infrastruktur mit unbeschalteter Glasfaser (Dark Fiber) ausgerichtet. Flexibel und zukunftssicher Heute können Unternehmen auf rund 400 Zugangsknoten ihre aktiveTechnik aufsetzen sowie Anwendungen undDienste entwickeln. Mehr als 100 ISP bieten ihre Produkte über das Stokab-Netz an, wozu neben Massenan- bietern für Endkundendienste auch Anbieter gewerblicher Kommunikationslösungen und Mobilfunkbetreiber zählen. Zusätzlich nutzen etwa 800UnternehmenDark Fiber direkt von Stokab, um darauf ihre eigenen Netzwerke zu betreiben. Jeder der Zugangsknoten kann bis zu 40 Gebäude mit Glasfaser versorgen, was in Stockholm ungefähr 2.000 Wohnungen entspricht. Diese Zugangsknoten werden in größere Gebietsknoten zusammengeführt. Von hier aus gelangt der Traffic in die Netze angeschlossener Netzbetreiber oder zu Re- chenzentren. An die Zugangsknoten werden sowohl mobile Basisstationen angeschlossen als auch Smart-City-Lösungen für Bushalte- stellen oder Ampeln betrieben. Wie zukunftsorientiert der Aufbau des Stokab betrieben wurde, zeigt sich in der Gebäudeanbindung. Jedes Stockholmer Gebäude, Privatwohnungen genauso wie gewerblich genutzte Immobilien, erhalten zwei P2P-Anschlussleitungen. Als Reserve wurden für jedes Gebäude acht zusätzliche Glasfasern eingeplant. Darüber hinaus ver- legten die Schweden spezielle Lehrrohre, um später weitere Glasfasern einblasen zu können. Keine Straßenbaustelle in Stockholm und Umgebung, bei der nicht zwei parallele Leerrohre verlegt werden, die jeweils bis zu vier Kabel mit 90 bis 1.700 Glasfasern auf- nehmen können. Bei der Gründung von Stokab im Jahr 1994 konnten über Glasfaser zwischen 10 und 20 Gbit/s übertragen werden. Heute sind bereits 400 Gbit/s möglich. Niedrige Preise dank Wettbewerb Der Zugang zu Stokabs Dark-Fiber-Infra- struktur wird diskriminierungsfrei angeboten. Rabatte sind abhängig von Abnahmemengen undVertragslaufzeiten. Die unterschiedlichen Service Level eignen sich sowohl für Privat- als auch für Geschäftskunden. Studien belegen, dass Stokab ver- gleichsweise niedrige Preise verlangt. So hat dasWissenschaftliche Institut für Infrastruktur und Kommunikationsdienste (WIK) imRah- men einer Studie aus dem Jahr 2023 über das Stokab mehrere Interviews geführt, in denen die Wettbewerbsfähigkeit der Stokab-Preise hervorgehoben wurde. Das Beratungsunter- nehmen United Minds verglich 2015 die Kosten für B2B-Anschlüsse auf Basis von 100-Mbit/s- und 1-Gbit/s-Glasfaserverbin- dungen sowie die durchschnittlichen Preise für Dark Fiber in den Städten Amsterdam, Paris, London, Berlin und Stockholm. Die Schweden schnitten als günstigste Metropole ab. Berlin war übrigens das teuerste Pflaster – und bot als einzige keine Dark Fiber an. Innovation und Wirtschaftskraft Für den Nutzen des Stokab-Netzes existieren etliche Beispiele. Bereits 2017 stellte dasWIK in einer weiteren Studie fest, dass Stockholm im Vergleich zu London, Paris, Madrid und Hamburg die höchsten mobilen Internet- geschwindigkeiten bietet. Die alternativen Anbieter sind hierbei fast gleichauf mit Telia. In Städten ohne Dark-Fiber-Zugang ist hier- bei normalerweise der ehemalige Monopolist immer noch führend. Seit 2021 läuft in der schwedischen Hauptstadt ein Pilotprojekt, in dem Videos aus Krankenwagen über 5G in Echtzeit in Notaufnahmen übertragen werden, sodass Ärzte bereits vor der Ankunft des Kranken- wagens Vorkehrungen treffen können. Des Weiteren laufen Tests, in denen Kameras Autokennzeichen erkennen, um zu überprü- fen, ob Verkehrsregeln und Umweltauflagen eingehalten werden. Wenn in Stockholm Bürgersteige oder Straßen geöffnet werden müssen, werden immer zwei parallele Leerrohre verlegt, die jeweils bis zu vier Kabel mit 90 bis 1.700 Glasfasern aufnehmen können (Foto: Stokab/Peter Phillips)

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