NET 3/2025
38 www.net-im-web.de 03/25 Systemumstellungen sind kein Selbstläufer zwei Verstärkern über Gabelschaltungen, um beide Übertragungsrichtungen gleich- zeitig zu ermöglichen. Für den bidirektio- nalen Betrieb musste also jeder Verstärker durch vorstehend beschriebene Version ersetzt werden, was allerdings auch eine Steigerung des Energiebedarfs im Netz bewirkte. Da Breitbandkabelnetze nur für TV-Übertragung konzipiert waren, wurde für die Nutzung des Internet ein spezielles Protokoll benötigt, umdie damit verbunde- ne Datenübertragung realisieren zu können. Es wird als DOCSIS [data over cable inter- face specification] bezeichnet und erfordert auf der einspeisenden Seite (Anbieterseite) eine als CMTS [cable modem termination system] bezeichnete Funktionseinheit und auf der empfangenden Seite (Nutzerseite) ein Kabelmodem. Dabei sei angemerkt, dass die CMTS und das Kabelmodem elektrische Energie benötigen, also nicht zur Nachhaltigkeit beitragen. Mit der aktuellen Version DOC- SIS 3.1 sind im Hinkanal [downstream (DS)] Datenraten bis 10 Gbit/s und im Rückkanal [upstream (US)] bis 1 Gbit/s er- reichbar. Der Unterschied zwischen beiden Werten ist durch die anfängliche Internet- nutzung begründet. Mit kurzen Abfragen über den Upstream sollten nämlich mög- lichst umfangreiche Antworten über den Downstream bewirkt werden. Netzebenen als Strukturmerkmale Um die Bedingungen für die Migration der Glasfaser in die koaxialen Breitbandkabel- netze besser beurteilen zu können, sei deren Struktur genauer betrachtet. Ihr Aufbau erfolgte nämlich hierarchisch gegliedert in folgenden Netzebenen (NE): NE 1 Überregionale Netze (Eingang: Pro- duktionsstudios) NE 2 Regionale Netze (Eingang: Kopf- stellen) NE 3 Örtliche Netze (Eingang: Straßen- verteiler) NE 4 Hausnetze (Eingang: Hausübergabe- punkt (HÜP)) NE5 Wohnungsnetze (Eingang:Wohnungs- übergabepunkt (WÜP)) Die Netzebenen 1 bis 3 wurden damals im Rahmen ihres Monopols von der Deutschen Bundespost errichtet. Bedingt durch die inzwischen erfolgte Privatisie- rung wird diese Infrastruktur nun von imWettbewerb stehenden Unternehmen (zum Beispiel Vodafone) betrieben. Für die Hausnetze sind dagegen die Haus- eigentümer,Wohnungsgesellschaften oder Genossenschaften zuständig, während es sich bei den Wohnungsnetzen um die Wohnungseigentümer oder von diesen autorisierte Mieter handelt. Für die Netz- ebenen gelten inzwischen folgende Be- zeichnungen (Grafik 1): • NE 3 Zugangsnetze [access network] • NE 4 Hausnetze [inhouse network] • NE 5 Wohnungsnetze [home network] Bei allen Netzebenen gilt als Zielsetzung die Ablösung der Koaxtechnologie durch die Glasfasertechnologie, also der Wechsel von elektrischen Leitungen zu optischen Leitungen. Bei der dafür erforderlichen Umrüstung der Infrastruktur spielen wirt- schaftliche und organisatorische Aspekte eine wesentliche Rolle, wobei der technische Aufwand für die einzelnen Netzebenen unterschiedlich ist. Es lassen sich folgende Ausbaustufen unterscheiden: • FTTC [fibre to the curb] Glasfaser bis zum Straßenverteiler • FTTB [fibre to the building] Glasfaser bis zum HÜP im Gebäude • FTTH [fibre to the home]Glasfaser bis zum WÜP in der Wohnung • FTTD [fibre to the device] Glasfaser bis zu Endgeräten, die mit einem An- schluss für Glasfaser ausgestattet sind Es ist zu berücksichtigen, dass bei jedem Übergang zwischen Koax und Glasfaser Wandler [converter] erforderlich sind. Diese stellen einen Medienbruch dar, reduzieren die Signalqualität und verursachen Kosten. Passive optische Netze (PON) Zur Realisierung der Glasfasermigration werden in der Praxis passive optische Netze (PON) für die Übertragung verwendet. Diese ermöglichen individuelle Datenkom- munikation zwischen der Anbieter- und der Nutzerseite, wenn folgende Funktionsein- heiten zur Verfügung stehen: • Glasfaserabschlusseinheit [optical line terminal (OLT)] auf der Anbieterseite • Glasfaseranschlusseinheit [optical network terminal (ONT)] auf der Nutzerseite Mit PONs sind Datenraten für den Down- stream (DS) undUpstream (US) im zweistel- Grafik 2: Hier ist der Einsatz von zwei Glasfasern mit gleicher Wellenlänge für DS und US dargestellt. Optische Splitter teilen dabei das zugeführte Signal für die ONTs auf (Grafik: Freyer)
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