NET 05/2025

14 www.net-im-web.de 05/25 Das Mobilfunknetz wird intelligent Immersivere Erlebnisse Abzuwarten bleibt, ob sich dann tatsächlich alle geplanten 6G-Funktionen auf dieseWeise umsetzen lassen oder ob stellenweise nicht doch ein Hardware-Austausch notwendig ist. Schließlich soll die nächste Mobilfunk- generation weitere Frequenzbänder, vor allem im oberen Bereich des Frequenzspektrums, nutzen, um erneut Verbesserungen beim Datendurchsatz und der Latenz zu bringen. Diese ermöglichen dann unter anderem hö- here Videoauflösungen, was AR-, VR- und XR-Anwendungen zugutekommt, die noch immersivere Erlebnisse bieten werden. Die Projektion von Hologrammen würde die Interaktion mit Personen und Objekten auf ein neues Level heben, während Gamer mit Videobrillen noch tiefer in Spielwelten ein- tauchen könnten, als das heute mit Handys, Gaming-PCs oder der Spielkonsole am Fern- seher möglich ist. Darüber hinaus soll 6G spezielle Funktionen zur Erfassung und Nutzung von Sensordaten in Verbindung mit Kommuni- kationsservices bieten, um die Ortungs- und Positionierungsgenauigkeit im Raum zu er- höhen. Diese Fähigkeit wird bei autonomen Fahrzeugen und anderen unbemannten Sys- temen helfen und zur Gestaltung von Smart Cities, in denen unzählige IoT-Geräte mit- einander in Verbindung stehen, beitragen. Dabei kommen auch die niedrigere Latenz und die erwartete höhere Energieeffizienz von 6G zum Tragen, die eine zuverlässige und wirtschaftliche Bereitstellung vonMobilfunk- services amEdge erlauben. Die Industrie wird sich wahrscheinlich zunächst auf jene neuen Funktionen und 6G-Services konzentrieren, die sich schnell monetarisieren lassen. Integrierte KI KI wird integraler Bestandteil von 6G sein – sowohl in Form intelligenter Dienste und Anwendungen als auch bei der Verwaltung und Optimierung des Netzes selbst. Den Grundstein dafür legt bereits 5G Advanced, das als Zwischenschritt auf dem Weg zu 6G und einem KI-nativen Mobilfunknetz dient. 5G Advanced nutzt KI unter anderem, um die komplexen Arrays mit kleinenMobilfunk- antennen zu organisieren, die dabei helfen, Mobilfunknutzer gezielt anzusteuern. Auf diese Weise lässt sich mehr Leistung aus dem Funkzugangsnetz herausholen und dessen Energiebedarf reduzieren. Zu einer Herausforderung könnte indes das Bestreben vonMobilfunkanbietern in einigen Regionen werden, den Zwischen- schritt über 5G Advanced auszulassen und stattdessen direkt von 5G auf 6G umzustei- gen. Hier müssen die an der Entwicklung des neuen Mobilfunkstandards beteiligten Unternehmen und Organisationen noch einenWeg finden, um einerseits denWunsch nach möglichst wenigen Änderungen am Netz und damit geringeren Investitionen und andererseits die Umsetzung vieler Funktio- nen mit der Möglichkeit zur Generierung neuer Service-Einnahmen in Einklang zu bringen. Letztendlich ist eine native KI- Unterstützung unerlässlich, um die Kontrolle über die Ressourcennutzung und -auslastung in den Funkzugangs- und Kernnetzen zu ver- bessern. Das Ziel ist ein autonomes Netzwerk, das intelligente Entscheidungen trifft und sich ohne manuelle Eingriffe dynamisch anpasst und optimiert. Dass KI derzeit noch energie- hungrig ist, muss kein Hindernis sein. Die Technologie entwickelt sich schnell weiter und es gibt noch viel Raum für Verbesserungen. So sind beispielsweise kleine Sprachmodelle (Small LanguageModels, SLMs) für zahlreiche Anwendungsfälle besser geeignet als große Sprachmodelle (Large Language Models, LLMs), da sie über mehr Spezialwissen in einemBereich verfügen und weniger Rechen- ressourcen und Energie verbrauchen. Auch Agentic AI und virtuelle Large Language Models (vLLM) sind für dieTelekommunika- tionsbranche interessante Entwicklungen. Ein vLLMkann beispielsweise denGPU-Speicher auf einem Inferenzserver sehr effizient nutzen, umBerechnungen schnell und energiesparend durchzuführen – und so zu einem nachhal- tigen Einsatz von KI in Mobilfunknetzen beitragen. Mehr Open Source Bereits mit dem Cloud-nativen Ansatz von 5G ist Open Source zu einem wichtigen Bestandteil vieler Mobilfunknetze geworden – mit 6G und dem stärkeren Fokus auf KI wird die Bedeutung quelloffener Lösungen wachsen. Denn Open Source ist ein Innova- tionstreiber, gerade im KI-Bereich, in dem Modelle, die auf den Beiträgen einer großen Community basieren, viele Vorteile bieten: von geringen Kosten über hohe Flexibilität und Anpassbarkeit bis hin zu Sicherheit und Transparenz. Auch bei der Konzeption inno- vativer 6G-Services kann der Community- Gedanke helfen. Wenn sich Unternehmen und Organisationen aus unterschiedlichen Branchen zusammentun, können sie dafür sorgen, dass der nächste Mobilfunkstandard ein breites Anforderungsspektrumerfüllt und ein großes Ökosystem an Diensten entsteht. Schon jetzt zeichnet sich einTrend zu mehr Offenheit und Zusammenarbeit ab, auch bei TK-Unternehmen. Die Branche muss diesen Weg weitergehen, um sicherzustellen, dass 6G zu einer leistungsstarken, nachhaltigen Technologie wird, bei der die Bedürfnisse der Menschen an erster Stelle stehen. Rimma Iontel Durch den Aufbau auf vorhandener Hardware kann der Wechsel von 5G zu 6G über ein Software-Up- grade realisiert werden, wodurch die erforderlichen Investitionen gesenkt werden

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