NET 05/2025

28 www.net-im-web.de 05/25 Digitales Bürgerhaus für Smart Cities Betriebssysteme angedockt werden kön- nen. Technisch handelt es sich dabei um ein „Application Programming Interface“ (API), das alle marktüblichen Schnittstellen umfasst. „Wir unterstützen unzählige Kon- nektoren zu Sensoren, Funknetzen, Daten- banksystemen sowie Drittanbietersoftware und OpenData-Portalen“, sagt Dr. Daniel Trauth. Er versichert zugleich: „Eventuelle Spezialwünsche einer Kommune oder auch eines Bundeslandes werden im Rahmen eines Smart-City-Projekts von uns gerne erfüllt“. Für die Funkanbindung der Senso- ren setzt dataMatters auf sogenannte „Long RangeWide Area Networks“ (LoRaWAN). Diese ermöglichen die Datenübermitt- lung über lange Strecken mit minimalem Energieaufwand. Der Funkstandard LoRa wurde speziell für das „Internet der Dinge“ (Internet of Things, IoT) entwickelt, wozu die in Smart Cities eingesetzten Sensoren aller Art gehören. Schätzungen zufolge sind weit über zehn Milliarden IoT-Geräte weltweit im Einsatz. Insgesamt befindet sich urbanOS nach Angaben von dataMatters in über 20 Städten in einer frühen Startphase, nicht nur in Deutschland, sondern auch in Belgien, Frankreich und den Niederlanden. „Die meisten Kommunen wollen verständlicher- weise aber erst an die Öffentlichkeit treten, wenn die Projekte deutlich weiter fort- geschritten sind“, sagt Dr. Daniel Trauth. Unter www.urbanos.datamatters.io will dataMatters künftig über den Ausbau des neuen Betriebssystems für Smart Cities informieren. Dort sind auch erste smarte Anwendungen im Stil eines Videospiels an- schaulich dargestellt („Smart City Heroes“) mit „Data Dan“ in der Hauptrolle. Nicht nur Vernetzung der Verwaltung Trauth grenzt urbanOS von der bloßen Computervernetzung in der Öffentlichen Verwaltung ab, wie sie heute schon mit herkömmlichen Betriebssystemen wieWin- dows oder Linux erfolgt. „Bei der Smarti- sierung geht es nicht bloß umVerwaltungs- vorgänge, sondern um die Verbindung mit der realenWelt, in der die Bürgerinnen und Bürger tagtäglich unterwegs sind.“ Laut Schätzungen ist der Durch- schnittsbürger in Deutschland drei- bis zehnmal im Jahr in Kontakt mit einem Amt. „Aber auf der Straße ist er täglich unterwegs, die Müllabfuhr kommt mehr- mals pro Woche, die Energieversorgung läuft hoffentlich unterbrechungsfrei“, stellt Daniel Trauth klar. Daher reicht die „Smar- tisierung“ der Kommunen weit über die Öffentliche Verwaltung hinaus. Konzentration in Ballungsräumen Die Dringlichkeit, unsere Städte „smarter“ zu machen, lässt sich anhand von Zahlen belegen. So leben nach Angaben der Ver- einten Nationen seit 2008 erstmals in der Geschichte derMenschheit mehrMenschen in Ballungsräumen als auf dem Land. Laut Schätzungen werden 2030 über 60 Prozent der Weltbevölkerung in Städten leben, bis 2050 sollen es etwa zwei Drittel werden. „Die mit dieser Konzentration verbun- denen Herausforderungen sind gewaltig und werden nur durch Smart Cities zu bewältigen sein“, erklärt der Geschäftsführer von dataMatters, warum die Entwicklung eines eigens dafür optimierten urbanen Betriebssystems überfällig war. Schon heute sind Städte für etwa 70 Prozent des weltweiten Energie- verbrauchs verantwortlich, obwohl diese nur fünf Prozent der Landmasse der Erde einnehmen. Damit verbunden ist ein stetig wachsender städtischer Bedarf an Wasser, Land, Baumaterialien, Nahversorgung, Luftreinhaltung und Abfallmanagement. Die Städte stehen unter ständigemDruck, bessere Dienstleistungen anzubieten, die Effizienz zu steigern, Kosten zu senken, die Effektivität und Produktivität zu erhöhen und der Überlastung der Infrastruktur und der Umweltbelastung entgegenzuwirken. „Diese Herausforderungen können nur mit Smart-City-Konzepten bewältigt werden“, ist Dr. Daniel Trauth überzeugt. Basis intelligente Infrastrukturen Die zu den Vereinten Nationen gehörende International Telecommunication Union (ITU) hat aus über 100 verschiedenen De- finitionen zu Smart City die folgende Fest- legung getroffen: „Eine smarte nachhaltige Stadt ist innovativ und nutzt Informations- undTelekommunikationstechnologien und Weiteres, um die Lebensqualität, Effizienz der städtischen Betriebe und Services sowie die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern und dadurch die Anforderungen der heutigen und künftiger Generationen in Bezug auf Wirtschaft, Soziales und Umweltbelastung zu erfüllen.“ „Der Begriff Smart City be- schreibt also ein umfassendes Konzept für eine Stadt, in der Daten in Form von smarten – ‚intelligenten‘ – Infrastrukturen eine Schlüsselrolle spielen. Dazu gehören folgende Bereiche: Gebäude, Mobilität, Energie, Wasser, Entsorgung, Gesund- heitswesen und digitale Infrastrukturen“, erklärt Dr. Daniel Trauth und ergänzt: „All diese Bereiche werden von urbanOS abgedeckt.“ www.datamatters.io Dr. Daniel Traut Der deutsche Smart-Cities-Markt wird derzeit auf rund 8 Milliarden Euro geschätzt und soll bis 2030 auf bis zu 47 Milliarden Euro anwachsen Das Poten- zial für Smart Cities ist immens

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