NET 05/2025

36 www.net-im-web.de 05/25 Breitbandbranche 2025 bevorzugt. Der Trend zur Konsolidierung, der durch viele Fusionen und Übernahmen gekennzeichnet ist, zeigt sich nun in ganz Europa, einschließlich des Vereinigten Kö- nigreichs.Wie AlixPartners 2024 feststellte, könnenKäufer durch gezielte Akquisitionen profitieren, indem sie das Wachstum ihrer Netzwerkinfrastruktur forcieren, ohne die hohen Kosten für den Aufbau selbst tragen zu müssen. Kooperation beim Breitbandausbau Mit dem fortschreitenden Breitbandausbau in Deutschland gewinnt das Open-Access- Modell zunehmend an Bedeutung. Open Access bezeichnet ein Modell, bei dem die verlegte Glasfaserinfrastruktur mehreren Diensteanbietern zur Verfügung steht. Anstatt einem einzigen Anbieter exklusive Zugangsrechte zu gewähren, ermöglicht das Modell mehreren Telekommunikations- unternehmen, ihre Dienste über dassel- be Netz anzubieten. Dies führt zu mehr Wettbewerb, einer breiteren Auswahl an Diensten und attraktiveren Preisen für End- kunden. Auch imRahmen von staatlichen Förderprojekten werden die Glasfasernetze grundsätzlich im Open Access-Modell ausgebaut. Netzbetreiber können in nicht subventionierten Gebieten Open Access anbieten, um ihre Netze besser auszulasten und zusätzliche Einnahmen zu generie- ren. Da dieses Instrument auf Anbieter- seite freiwillig ist, ist eine Standardisierung schwierig, obwohl die Bundesnetzagentur entsprechende Versuche unternommen hat. Seit dem 1. Dezember 2021 ist der offene Netzzugang für Wettbewerber durch den neu kodifizierten gesetzlichen Anspruch in § 155 TKG gesichert. Die Entwicklung des Open-Ac- cess-Modells wird nun in erster Linie von denMarktbedingungen getrieben. Da An- bieter eine Expansion jenseits ihrer aktuellen Servicegebiete anstreben, bietet Open Ac- cess eine einfachere und kosteneffizientere Möglichkeit, ihren Abonnentenstamm zu vergrößern. Das Open-Access-Modell ist vom sogenannten Glasfaser-Doppelausbau zu unterscheiden. Von einem Doppelausbau spricht man, wenn ein Unternehmen zu- sätzlich zu einem bestehenden Netz eines Wettbewerbers ein neues Glasfasernetz aufbaut. Diese Praxis ist Gegenstand an- haltender Debatten im öffentlichen Dis- kurs. Während der Parallelausbau mehrerer Netzwerke in dicht besiedelten Gebieten wirtschaftlich sinnvoll sein kann, bestehen Bedenken hinsichtlich möglicher negativer Auswirkungen auf den Wettbewerb. Auf- grund der unterschiedlichen Positionen der beteiligten Interessengruppen ist es derzeit schwierig, eine endgültige Schlussfolgerung zu ziehen. Gigabit-Strategie für Deutschland ImKoalitionsvertrag der Regierungsparteien von 2021 wurde die digitale Infrastruktur als eine der nationalen Prioritäten festge- legt. 2022 veröffentlichte der Bund seine Gigabitstrategie der Bundesregierung, in der Pläne zur Anbindung aller Haushalte und Unternehmen an Glasfaser bis 2030 vorgestellt wurden. Die Bundesregierung stellt 17 Milliarden Euro für den Ausbau der Breitbandversorgung bereit. Der erste große Meilenstein der Strategie besteht darin, die Zahl der Glasfaseranschlüsse bis Ende 2025 zu verdreifachen und da- mit sicherzustellen, dass die Hälfte aller Haushalte und Unternehmen im Land mit Glasfaseranschlüssen versorgt sind. Mit dem aktuellen öffentlichen Förderprogramm Gigabitförderung 2.0 will das Bundesmi- nisterium für Digitales und Verkehr den Ausbau von Glasfasernetzen in Gebieten vorantreiben, wo ein privatwirtschaftlicher Ausbau nicht möglich ist. In der neuesten Ausgabe des FTTH/B Market Panorama 2025 hat der FTTHCouncil Europe Deutschland neben Griechenland und Belgien als eines der Län- der mit dem größten Nachholbedarf beim Breitbandausbau identifiziert. Während die Nachbarländer wie die Niederlande (93 % Abdeckung), Frankreich (90 %), Dänemark (87 %) und Polen (70 %) beim FTTH/B-Ausbau deutlich vorangekommen sind, hat Deutschland beim Ausbau der digitalen Infrastruktur nochNachholbedarf. Im September 2024 waren 42,48 % aller deutschen Haushalte an FTTH/B ange- schlossen, wobei nur 35 % der Haushalte Open Access gewinnt an Bedeutung und eröffnet neue wirtschaftliche Chancen für Netzbetreiber und Dienstanbieter. Auch bei staatlich geförderten Glasfaserprojekten spielt dieses Modell eine wichtige Rolle (Fotos: Corning Optical Communications)

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