NET 05/2025
37 www.net-im-web.de 05/25 Breitbandbranche 2025 in ländlichen Gebieten (weniger als 150 Einwohner pro km²) versorgt waren. Dennoch war Deutschland in den letzten Jahren einer der am schnellsten wachsenden FTTH/B-Märkte. Einer neuen EY-Studie vom Januar 2025 zufolge ist die Zahl der an Glasfasernetze angeschlos- senen Haushalte von 2021 bis 2024 um durchschnittlich 33 % pro Jahr gestiegen. Die Studie prognostiziert außerdem, dass Deutschland sein Ziel der 50-prozentigen Glasfaserabdeckung bis Ende 2025 er- reichen und sogar übertreffen wird. Mit einem Zuwachs von 3,79 Millionen neu angeschlossenen Haushalten gegenüber 2023 wurde Deutschland auch vomFTTH Council Europe als der zweitdynamischste Markt in Europa eingestuft. Dieser anhal- tende Anstieg ist ein Zeichen dafür, dass Deutschland den Breitbandausbau nun als integralen Bestandteil seines Wirtschafts- wachstums anerkennt. Im vergangenen Jahr strich die Bundesregierung die Gigabitförderung um eine Milliarde Euro zusammen, statt drei Milliarden standen für 2024 nur noch zwei Milliarden Euro zur Verfügung. 2025 soll die Förderung wieder steigen – insgesamt 2,93 Milliarden Euro sind im Bundes- haushalt für den Breitbandausbau vor- gesehen. Medienberichten zufolge hat der Breitbandausbau Eingang in die laufenden Koalitionsverhandlungen gefunden. Der Entwurf des Koalitionsvertrags soll einen Plan zur Bereitstellung von 3,5 Milliarden Euro für den Ausbau der Glasfaserinfra- struktur in ganz Deutschland enthalten. Zukunftssichere Netzwerke Mit dem Voranschreiten der KI-Entwick- lung vonTrainingsmodellen zu praktischen Anwendungen wird sich die Nachfrage nach Rechenleistung verändern und die Datenverarbeitungskapazitäten näher an die Endnutzer bringen. Als Reaktion darauf müssen sich die Weitverkehrsnetze weiter- entwickeln und an Leistungsfähigkeit und Flexibilität gewinnen, um diesen neuen Anforderungen gerecht zu werden. Über ein Jahrhundert lang wur- den Daten und Sprache über Kupferkabel übertragen, doch die veraltete Infrastruk- tur verursacht hohe Wartungskosten und ist anfällig für Ausfälle. Glasfaser bietet höhere Bandbreite, Zuverlässigkeit und Sicherheit, während sie die Betriebskosten und den Energieverbrauch imVergleich zu Kupfernetzwerken um bis zu 54 % senkt. ImGegensatz zu Kupferkabeln ist Glasfaser unempfindlicher gegenüber Wetter und elektromagnetischen Störungen (EMI), was denWartungsaufwand verringert.Trotz regulatorischer Hürden überwiegen die Vorteile von Glasfaser, da sie langfristig die bessere Investition ist. Berichten zufolge hat die neue Koalition vor, denGlasfaserausbau als „überragendes öffentliches Interesse“ gesetzlich zu verankern und den Austausch von Kupferkabeln durch Glasfaser umzu- setzen. Investitionstreiber KI-Rechenzentren Da die Breitbandbranche sich darauf kon- zentriert, die digitale Kluft zu überbrü- cken, verlagert sich der Schwerpunkt von Fibre-to-the-Premises-Lösungen auf die Weitverkehrs- oder auch „Kernnetz“-Ver- bindungen zwischen Städten. Der rasante Zuwachs an Rechenzentren ist ein wichtiger Faktor für diese Verlagerung, ebenso wie die steigende Nachfrage nach Netzabdeckung in Einrichtungen wie Universitäten und kleinen bis mittelgroßen Unternehmen mit mehreren Standorten. In der optischen Kommuni- kation bezieht sich das Konzept des „Shannon-Limits“ auf die theoretische maximale Datenübertragungsrate, be- vor eine Signalverschlechterung auftritt. Angesichts der steigenden Bandbreiten- nachfrage und des wachsenden Daten- volumens, das über Glasfaser in Weit- verkehrsnetzen übertragen wird, nähert sich die Branche dem Shannon-Limit, sodass eine Erweiterung der Glasfaser im Backbone-Netz erforderlich ist. Fazit Mit dem fortschreitenden digitalen Wandel wird der Ausbau leistungsfähi- ger Glasfaserinfrastrukturen zu einem zentralen Faktor für die internationale Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands. Im Jahr 2025 markiert der politischeWechsel in Berlin einen entscheidenden Moment: Die Digitalisierung wird zu einem der zentralenThemen, was sich auch in der von der Regierungskoalition eingerichteten, eigenständigen Digitalministeriums auf Bundesebene niederschlägt. Beim Blick in die Zukunft der Breitbandbranche wird klar, dass die Netz- planung über den aktuellen Bedarf hinaus- gehen und sich auf die Vorbereitung auf zukünftige Anforderungen konzentrieren muss. Die zunehmende Digitalisierung in verschiedenen Branchen treibt die Nachfra- ge nach robusten, skalierbaren Netzwerken mit sehr hoher Kapazität an. Glasfaser bleibt die treibende Kraft dieses Wandels und sorgt dafür, dass der aktuelle Band- breitenbedarf gedeckt und der zukünftige bestmöglich antizipiert wird. Unternehmen, die innovative Glasfaserlösungen anbieten, spielen weiterhin eine entscheidende Rolle bei der Gestaltung einer zukunftssicheren digitalen Infrastruktur. 2025 wird aufgrund der dyna- mischen Marktentwicklung und des Fort- schritts disruptiver Technologien wie KI bedeutende Chancen mit sich bringen. Netzbetreiber müssen sich auf die Anpas- sung an dieseVeränderungen konzentrieren, wobei Glasfaser eine zentrale Rolle bei der Bereitstellung von Highspeed-Breit- bandverbindungen für Privathaushalte und Unternehmen spielen wird. Mit nachhal- tigen Investitionen in Infrastruktur und Innovation ist die Branche gut aufgestellt, um die kommenden Herausforderungen zu meistern.
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