NET 05/2025
40 www.net-im-web.de 05/25 Glasfasermärkte aus der Sicht europäischer Carrier Dazu kommt der Anspruch an Resilienz, die schon imKontext KRITIS und maximierter Ausfallsicherheit in den letzten Jahren hohe Anforderungen an Netzinfra- strukturen stellte. Infrastrukturanbieter wie GasLINE und Carrier, als Betreiber kritischer Infrastrukturen, berücksichtigen redundante Strecken bei der Netzplanung im strategischen Breitbandausbau und imEinsatz redundanter Strecken für Geschäftskunden, wenn es um deren unternehmenskritische Daten und Anwendungen geht. Dies ist jedoch eine Entscheidung der Unternehmen, wie sie ihr Sicherheitskonzept umsetzen und als Back-up redundante Verbindungen betreiben, die im Störfall als Ersatz eingesetzt werden können. Hyperscaler als Partner Bei der Frage nach den relevanten Entwick- lungen aus denUSAwarenHigh Performance Computing (HPC) und die US-Hyperscaler als globale Schwergewichte der Cloud-Infra- struktur das Hauptthema. Unternehmen wie AmazonWeb Services (AWS),Microsoft Azure und Google Cloud dominieren diesenMarkt, indem sie Rechenleistung, Speicherplatz und Netzwerkressourcen global bereitstellen. Hyperscaler positionieren sich längst nicht mehr vorwiegend als Anbieter von IaaS (Infrastructure-as-a-Service). Ihr Portfolio umfasst auch PaaS (Platform-as-a-Service)- und SaaS (Software-as-a-Service)-Angebote, Künstliche Intelligenz, Datenanalyseplatt- formen und branchenspezifische Lösungen. Damit greifen sie tief inWertschöpfungsketten ein und binden Unternehmen langfristig an ihre Ökosysteme. Eine strategische Rolle spielt dabei der Aufbau eigener Glasfasernetze und der Eigenbetrieb von Rechenzentren in relevanten Regionen. Diese verteilte physische Infrastruktur ist entscheidend für kurze La- tenz und Redundanz. Ob diese Hyperscaler dadurch auch eine Gefahr für die klassischen Carrier und einen Infrastrukturlieferanten wie GasLINE seien, wurde von Sabine Zimmer- mann als Frage anWolframRinner adressiert: „Nein, sicherlich haben die Hyperscaler die nötigen finanziellen Mittel, um eigene Glas- fasernetze aufzubauen. Doch die Vermietung von Glasfasern und das Anbieten von gema- nagten Bandbreiten an Dritte ist nicht deren Kerngeschäft. Wir arbeiten mit Hyperscalern als deren langfristiger Infrastrukturpartner zusammen, die unsere Glasfasern anmieten, um sie für ihre Netze zu nutzen.“ Energiebedarf HPC-Rechenzentren Der Energiebedarf moderner Rechenzentren spielt eine zentrale Rolle, da bestand Einig- keit auf dem Panel. Es geht nicht primär um die Verfügbarkeit von Konnektivität in Rechenzentren, sondern um eine gesicherte hohe Energieversorgung, idealerweise mit grünem Strom, im Interesse der Nachhaltig- keit. „Die erste Frage bei der Planung für die Errichtung eines neuen Rechenzentrums ist mittlerweile die Verfügbarkeit von Strom in der Nähe des geplanten Standortes“, betont Wolfram Rinner. GasLINE hat Kunden im Rechenzentrumsmarkt und bindet deren Colocation-Kunden an die Internetknoten, vorrangig an den DE-CIX, an. Colt Technology Services sieht die Aufgabe auch darin, neue Standorte mit Glas- faser zu erschließen. Bei deren Auswahl sei für die Betreiber nicht mehr entscheidungs- relevant, ob dort schon genügend Glasfaser vorhanden ist. Ein Standort kann jederzeit mit Netzen erschlossen werden, auch durch mehrere Anbieter für multiple Konnektivität zur Auswahl für die Kunden sowie für redun- dante Netzstrukturen. Talat Sahin bestätigte diese Situation auch für die Niederlande. Die Stromverfügbarkeit sei auch imNachbarland die Restriktion oder die Grundvoraussetzung für die Auswahl neuer Standorte für Rechen- zentren. Der Betrieb KI-getriebener An- wendungen ist stromintensiv – nicht nur in Rechenzentren, sondern auch im Netzwerk- betrieb. Je größer die Datenmengen, desto höher der Energiebedarf der Netzwerkinfra- struktur. Dies zwingt Carrier und Betreiber zum Umdenken. Nachhaltigkeit wird in der Branche zu einem weiterenWettbewerbsfak- tor, was wiederum die Modernisierung von Glasfaserinfrastruktur mit energieeffizienteren Komponenten beschleunigt. Die Resonanz auf dieses erste “Inter- national Carrier Panel“ war sehr positiv, und die Themen mit europäischem Fokus trafen den Zeitgeist der Telekommunikationsbran- che. Die Entwicklung der KI wird die An- forderungen an die TK-Branche, Internet Service Provider, Netzbetreiber, Infrastruk- tur- und Rechenzentrumsbetreiber deutlich verändern.Das gilt in Deutschland, Europa und in den USA, die hier in der führenden Position sind, wie die von Colman Deegan wiedergegebene Verteilung der Investments in KI im Vergleich der USA (90%) zu den Engagements in anderen internationalen Märkten deutlich aufzeigt. DerWettbewerbs- anspruch der großenUS-Hyperscaler und von der neuen Regierung, das erklärte persönliche Ziel, „Achieving the AI leadershipworldwide“, lassen keine Zweifel, wer in dem digitalen KI-Bereich dominieren wird. Für alle Länder gilt das Gleiche: Die Infrastruktur muss sichmit entwickeln, damit künstliche Intelligenz in allen Anwendungen zuverlässig verfügbar und unterbrechungsfrei funktioniert undmit einemQualitätsanspruch der KI-Entwicklungen zukünftig Schritt hal- ten kann. Wolfram Rinner Die erste Frage bei der Planung für die Errichtung eines neuen Rechenzentrums ist mittlerweile die Verfügbarkeit von Strom in der Nähe des geplanten Standortes
Made with FlippingBook
RkJQdWJsaXNoZXIy MjE2Mzk=