19 09/25 www.net-im-web.de auf sicheren Servern betrieben werden und über offene Schnittstellen verfügen, um föderierte (Landes- und behördenübergreifende) Kommunikation zu ermöglichen. Gleichzeitig bleibt der Digitalfunk TETRA unverzichtbar für einsatzkritische Sprachkommunikation. Messenger ergänzen diesen, indem sie schnelle Datenübermittlung und flexible Gruppenkommunikation ermöglichen. „Wie so oft haben wir kein Erkenntnisproblem, sondern wir haben ein Umsetzungsproblem“, fasst Jörg Müller, Projektleiter P20 bei der Polizei Niedersachsen, zusammen. Aus Sicht von Anbietern und Anwendern ist vor allem Verbindlichkeit wichtig, um die landes- und behördenübergreifende Kommunikation zu ermöglichen. Bedarfsträger und Hersteller brauchen Leitplanken – etwa zu Protokollen, Rollen- und Rechteprofilen. Ohne diese Vorgaben laufen Projekte Gefahr, sich in Sonderwünschen zu verzetteln, etwa wenn einzelne Nutzergruppen individuelle Zusatzfunktionen verlangen, die nicht mit den Anforderungen anderer Organisationen kompatibel sind. PMeV gründet Arbeitskreis Um die unterschiedlichen Perspektiven zusammenzuführen, hat der PMeV den Arbeitskreis „Standardisierung BOS-Messaging“ gegründet. Er bringt Vertreter aus Industrie, Behörden und Politik an einen Tisch, um eine gemeinsame Basis für Interoperabilität zu schaffen. Ziel ist es, Standards für Schnittstellen und Protokolle zu definieren, die Wettbewerb ermöglichen und gleichzeitig systemübergreifende Kommunikation sichern. Empfehlungen und Leitlinien Erstes Ergebnis der Arbeit des PMeV-Arbeitskreises ist das nun vorliegende Positionspapier „Standardisierung BOS-Messaging“. Es beschreibt die aktuelle Lage, benennt zentrale Herausforderungen und entwirft ein Zielbild für die künftige Ausgestaltung. Das Dokument macht deutlich, dass Messenger-Dienste für BOS längst unverzichtbar geworden sind, aber ohne gemeinsame Standards nicht ihr volles Potenzial entfalten können. Im Mittelpunkt steht das Thema Interoperabilität, also die systemübergreifende Vernetzung. Nur wenn unterschiedliche Messenger-Systeme über definierte Schnittstellen und Protokolle miteinander kommunizieren können, lassen sich Einsätze über Organisations- und Ländergrenzen hinweg effektiv koordinieren. Als geeigneter technischer Ansatz wird das offene MatrixProtokoll hervorgehoben, das bereits in wichtigen Projekten wie BundesMessenger, BwMessenger und dem Polizeiprogramm P20 zum Einsatz kommt. Das Positionspapier formuliert folgende Kernempfehlungen: • Interoperabilität als Schlüssel: BOS sollen unabhängig vom genutzten Messenger sicher und zuverlässig zusammenarbeiten können. • Matrix-Protokoll als Standard für Interoperabilität: Aufgrund seiner Verbreitung im BOS-Umfeld wird Matrix als bevorzugter technischer Rahmen zur Vernetzung empfohlen. • Offene Schnittstellen: Anbieter sollen ihre Lösungen über standardisierte Schnittstellen anbinden können, um eine föderierte Architektur zu ermöglichen. • Wettbewerb und Innovation: Einheitliche Standards verhindern Monopole und fördern Qualität, Innovation und Kosteneffizienz. • Föderales Prinzip: Länder und BOSOrganisationen behalten ihre Wahlfreiheit, können sich jedoch jederzeit an den gemeinsamen Standard anbinden. Das Positionspapier versteht sich nicht als endgültiger Standard, sondern als Grundlage für die weitere Spezifikation und Standardisierungsarbeit. Es bietet einen Orientierungsrahmen, auf dessen Basis technische Vorgaben, Zertifizierungsverfahren und Governance-Strukturen entwickelt werden sollen. www.pmev.de Standardisierung des BOS-Messaging Das empfiehlt das Positionspapier Das Thema hat auch eine europäische Dimension. In Brüssel arbeitet die EU-Kommission im Rahmen des Projekts EUCCS an einem harmonisierten System für einsatzkritische Kommunikation. Ziel ist eine interoperable Vernetzung über die Mitgliedstaaten hinweg. Messenger auf Basis offener Protokolle wie Matrix können hier eine Brücke bilden, insbesondere solange die geplanten Mission Critical Services nach 3GPP-Standard noch nicht flächendeckend verfügbar sind. Diese sollen den Digitalfunk TETRA langfristig ablösen, stehen aber heute erst am Anfang der Einführung. Ausblick Das Positionspapier des PMeV markiert einen wichtigen Zwischenschritt auf dem Weg zu einer interoperablen Kommunikationslandschaft. Der PMeV-Arbeitskreis Standardisierung BOS Messaging lädt weitere Behörden, Organisationen und Hersteller ein, sich an der Standardisierung zu beteiligen. Die Technologie steht, sie muss nur gemeinsam genutzt werden. Für die BOS in Deutschland bedeutet dies langfristig weniger Insellösungen, mehr Sicherheit und eine schnellere, koordinierte Zusammenarbeit. Für Bürger heißt es im Ernstfall: Einsatzkräfte können besser aufeinander abgestimmt helfen. https://pmev.de/wp-content/uploads/2025/08/AKBOSMessenger_Positionspapier_V106082025.pdf
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