NET September 2025

40 www.net-im-web.de 09/25 Booster für digitale Infrastrukturen Latenz. Eine Downtime, vor allem bei echtzeitkritischen KI-Anwendungen, kann ein Problemfaktor für die Applikation und die aktuellen Berechnungen werden. Dieser hohe Anspruch gilt für dezentrale KI-Anwendungen und ebenso für einen länderübergreifenden KI-Einsatz. „Latency is the new currency“ ist eine Kernaussage, die DE-CIX mit Blick auf die rasante Entwicklung der Verkürzung der Latenzzeiten geprägt hat. Latenz, also die Verzögerung bei der Datenübertragung, hängt direkt mit der Lichtgeschwindigkeit zusammen – denn Daten bewegen sich durch Glasfasern nahezu mit Lichtgeschwindigkeit. Internetknoten sorgen für niedrige Latenzzeiten, da sie einen direkten und effizienten Datenaustausch zwischen Netzwerken ermöglichen – von Content-Providern bis hin zu Endnutzern. KI-Zeitalter hat begonnen Da die geografische Verteilung der IXs entscheidend ist, um Latenzzeiten zu verkürzen, baut DE-CIX weitere Standorte entsprechend abgestimmt auf. Die Expansion umfasste Deutschland mit den Metropolen und geht international mit vielen Ländern weiter. Aktuell betreibt das Unternehmen 60 Standorte in verschiedenen Modellen rund um den Globus. Mit dem AI-IX ist DE-CIX der weltweit erste Internetknoten-Betreiber, der seine Internet Exchanges für das KI-Zeitalter vorbereitet hat. Der AI-IX vernetzt datenintensive und echtzeitkritische KI-Applikationen auf Basis der DE-CIX-eigenen Routing-Technologie resilient, sicher und latenzarm. Bereits mehr als 50 KI-relevante Netzwerke sowie über 160 Cloud-OnRamps sind angeschlossen. Internet Exchanges spielen eine entscheidende Rolle, um die Latenz für AIWorkloads zu optimieren. Das DE-CIXKonzept zu „AI-IX“ verbindet KI-Modelle mit den Geräten und Diensten, die sie antreiben. Es ist an die Voraussetzungen für Multi-Modell und Multi-Agent-Inferencing angelehnt. Ultra Ethernet eröffnet neue Möglichkeiten: Bislang war KI-Training nur lokal in Rechenzentren ausreichend schnell möglich. Mit dem neuen Standard ließen sich Prozesse auch in verteilten Clustern effizient umsetzen und private KI-Infrastrukturen kosteneffizient aufbauen. Inferenz bezeichnet die Phase, in der ein KI-Modell Daten in echtzeitlichen Anwendungen auswertet und Ergebnisse berechnet. Sie folgt auf die Lern- und Evaluierungsphase, in der Algorithmen trainieren, Muster in Daten zu erkennen, um Entwicklungen vorauszuberechnen. Das Herzstück des „AI-IX“ ist eine leistungsstarke, virtuelle Multi-AI- und Cloud-Routing-Technologie, die den dynamischen und latenzarmen Austausch zwischen unterschiedlichen KI-Modellen und Cloud-Umgebungen ermöglicht. Ziel des „AI-IX“ ist es, ein reibungsloses Zusammenspiel mehrerer KI-Modelle untereinander sowie mit Endgeräten sicherzustellen – in Echtzeit und mit geringstmöglicher Latenz. Die zugrunde liegende Plattform ist hochskalierbar und verteilt über mehrere Rechenzentrumsstandorte sowie Cloud-Anbieter innerhalb einer Metropolregion. Um das volle Potenzial des „AI-IX“ auszuschöpfen, ist eine hohe Dichte netzwerkrelevanter Akteure erforderlich – darunter Anbieter von KI-Infrastrukturen, -Plattformen und -Modellen (AI-as-aService) sowie Content-Provider. Ebenso sind Netzwerkelemente ein essenzieller Bestandteil des Konzepts: Netzbetreiber – insbesondere im Bereich Content Delivery Networks (CDN) –, Infrastrukturanbieter wie GasLINE mit leistungsfähigen Weitverkehrsnetzen sowie Internet Service Provider (ISPs), die die nötige Netzkapazität bereitstellen. Der „AI-IX“ wird selbstverständlich auch von global agierenden Unternehmen genutzt. Seine Konnektivität und Netzkapazitäten erstrecken sich innerhalb Deutschlands über mehrere Regionen hinweg und reichen bis in andere Länder. Im Idealfall wird diese Infrastruktur durch einen globalen Backbone ergänzt, der die Interkonnektivität mehrerer IX-Standorte weltweit sicherstellt. Latenzzeiten sind entscheidend Der seit langem etablierte Messwert für Netzwerk-Performance – das Round Trip Delay (RTD) – ist ein zentraler Parameter für die Effizienz und Stabilität von KI-Anwendungen. Besonders für sogenannte „Agentic AI“, also autonome KI-Systeme, Bei der Produktion in der Industrie 4.0 liegen die Latenzzeiten im einstelligen Millisekundenbereich. Je nach Anwendung dürfen Daten nicht weiter als 80 Kilometer von einer digitalen Anwendung entfernt ausgetauscht werden (Grafik: DE-CIX)

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