19 04/2026 www.net-im-web.de Wenn die IT-Infrastruktur zum Risiko wird Hauptursachen für Störungen und wie lassen sich diese weitgehend vermeiden? N. Yilmaz: „Ausfallsicherheit und Sicherheit sind zwei unterschiedliche Themen. VPN, Verschlüsselung und geschützte Datenübertragung sind heute ohne Frage relevant. Bei der Frage nach der Stabilität von Verbindungen geht es vor allem darum, welche Ursachen Ausfälle tatsächlich haben und wie man ihnen begegnen kann. Die Gründe für Störungen sind vielfältig. Klassische Fälle sind Beschädigungen von Kabeln während Bauarbeiten. Häufiger sehen wir jedoch Probleme auf Seiten der Netzbetreiber. Dazu zählen etwa DNS-Störungen, fehlerhaft eingerichtete Server oder schlicht Konfigurationsfehler. Hinzu kommen Cyberangriffe, die Verbindungen lahmlegen können. Welche weiteren Risiken relevant sind, hängt von der eingesetzten Technologie ab. Im Mobilfunk kann eine unzureichende Netzabdeckung zum Problem werden, bei satellitengestützten Verbindungen spielen zusätzlich Themen wie Roaming eine Rolle. Doch auch dort zeigen sich am Ende häufig sehr ähnliche Muster: fehlerhafte Einstellungen, unzureichende Abstimmung oder Probleme in der Konfiguration auf Seiten des Carriers. Diesen Risiken kann man durch eine saubere technische Planung, professionelles Monitoring und eine möglichst redundante Auslegung der Infrastruktur begegnen. Ebenso wichtig sind klar definierte Prozesse bei den Anbietern, regelmäßige Überprüfungen der Konfiguration und ein Sicherheitskonzept, das Angriffe frühzeitig erkennt und abwehrt.“ NET: Eine andere Herausforderung besteht häufig in einer undurchsichtigen Infrastruktur auf Seiten der Kunden. Wie können Unternehmen ihre Datenkommunikation ordnen und so effizienter gestalten? N. Yilmaz: „Eine häufige Ursache für ineffiziente Datenkommunikation ist, dass viele Unternehmen ihre Anbindungen zu statisch betrachten. Infrastruktur ist aber ein dynamisches System, das sich an neue Anforderungen anpassen lässt. Hier setzt SD-WAN an. Der softwaredefinierte Ansatz macht Netzwerke deutlich flexibler, da sich Anbindungen bedarfsgerecht steuern und je nach Auslastung, Verfügbarkeit oder Priorität intelligent nutzen lassen. Für viele Unternehmen ist das nicht nur technisch, sondern auch wirtschaftlich ein Vorteil. Klassische MPLS-Verbindungen können schnell hohe Kosten verursachen. Viele der Anforderungen, die früher nur über derartige Carrier-Lösungen abgebildet wurden, lassen sich heute mit SD-WAN deutlich effizienter und oft günstiger lösen. Wer Glasfaser, Koax, Mobilfunk, Satellit oder Richtfunk miteinander kombiniert, schafft ein leistungsfähiges und robustes Netz. Resilienz entsteht, indem unterschiedliche Technologien und voneinander unabhängige Übertragungswege kombiniert werden. Wird eine Glasfaseranbindung zusätzlich durch Mobilfunk abgesichert, steigt die Ausfallsicherheit bereits deutlich. Kommen darüber hinaus satellitengestützte Verbindungen hinzu, etwa über moderne Low-Earth-Orbit-Systeme, lässt sich die Wahrscheinlichkeit eines Totalausfalls erheblich reduzieren.“ NET: Wie können stabile und relativ ausfallsichere Datenanbindungen aufgebaut werden? N. Yilmaz: „Dazu ist vor allem ein erfahrener Partner wichtig. Dieser muss nachweislich Erfahrung mit dynamischen Umgebungen und wechselnden Internetanbindungen haben. Gerade dort zeigt sich in der Praxis, wie belastbar eine Lösung wirklich ist. Auch im stationären Umfeld ist Erfahrung ein wesentlicher Faktor. Technologien wie SDWAN wirken auf den ersten Blick attraktiv, doch ihre eigentliche Stärke entfalten sie erst bei einer sauber durchdachten Umsetzung. Denn selbst wenn eine Leitung ausfällt, sollte der Anwender davon im besten Fall nichts Eine leistungsfähige Internetanbindung ist entscheidend für Wettbewerbsfähigkeit und Stabilität bemerken. Im Hintergrund kann sich die verfügbare Bandbreite zwar verringern, die Nutzung geschäftskritischer Anwendungen sollte jedoch möglichst ohne Unterbrechung weiterlaufen. Viele Unternehmen nehmen Ausfälle, Qualitätsschwankungen oder Leistungseinbußen noch immer als gegeben hin, weil sie keine bessere Lösung kennen.“ NET: Welche Bedeutung haben Multifunktionale Router für den zukünftigen Aufbau möglichst sicherer Infrastrukturen? N. Yilmaz: „Multifunktionale Router spielen hier eine wichtige Rolle, sind allerdings keine Universallösung. Hersteller versuchen immer mehr Funktionen in einem System zu bündeln. Allerdings kann eine vollwertige Firewall die Aufgaben eines leistungsfähigen Routers nicht vollständig ersetzen. Umgekehrt gilt dasselbe: Ein Router mit integrierten Sicherheitsfunktionen erreicht meist nicht das Niveau einer Firewall. Hier sind oftmals spezialisierte Systeme die bessere Wahl. Es geht vor allem darum, welche Ursachen Ausfälle haben und wie man ihnen begegnen kann
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