NET 04/2026

38 www.net-im-web.de 04/2026 Wenn KI ins Handeln kommt und Auditierbarkeit werden zu einem festen Bestandteil moderner Netzarchitekturen. Wenn Netze selbst wahrnehmen Die dritte Stufe geht noch weiter. Hier liefern Netze nicht nur die Konnektivität für KI-Anwendungen, sondern werden selbst zur Datenquelle. Möglich wird das durch die Kombination von Kommunikation und Sensorik. In Verbindung mit KI-Verarbeitung entstehen neue Fähigkeiten wie präzise Lokalisierung, Bewegungserkennung oder die Abbildung physischer Räume. Netze erzeugen damit kontextuelle Informationen, die Anwendungen direkt nutzen können. Die Grenze zwischen Kommunikation, Wahrnehmung und Verarbeitung beginnt sich aufzulösen. Entscheidend ist die Architektur. Wenn Kommunikation, Signalverarbeitung und Inferenz auf einer Compute-Basis zusammenlaufen, wird Wahrnehmung zur nativen Netzfunktion. Anwendungen konsumieren nicht mehr nur Daten, sondern verwerten Erkenntnisse, die aus dem Netz entstehen. Für Netzbetreiber eröffnet das neue Einsatzszenarien, erhöht aber auch die Anforderungen an Transparenz, Datenschutz und Governance. So müssen Unternehmen definieren, wer Verantwortung für KI-gestützte Prozesse trägt, wie Entscheidungen dokumentiert werden und welche Eingriffsmöglichkeiten im Störungsfall bestehen. Gerade in regulierten Branchen wie Industrie, Energie, Mobilität oder Gesundheitswesen wird die Frage relevant, wie automatisierte Entscheidungen überprüfbar und kontrollierbar bleiben. Das betrifft nicht nur die KI, sondern auch das Netz, das diese Entscheidungen transportiert, priorisiert und teilweise mit vorbereitet. Damit entstehen neue Anforderungen an Governance-Strukturen, an Betriebsmodelle und an die Zusammenarbeit zwischen IT, Netzbetrieb, Fachbereichen und Sicherheitsverantwortlichen. Die Einführung KI-fähiger Netze ist deshalb nicht allein ein Infrastrukturprojekt. Sie verändert Prozesse, Zuständigkeiten und letztlich auch die Art, wie Unternehmen Entscheidungen treffen. Zum integrierten System Diese drei Stufen zeigen, dass es nicht um eine schrittweise Leistungssteigerung geht, sondern um unterschiedliche Rollen von Netzen. In der ersten Stufe unterstützen sie intelligente Anwendungen. In der zweiten werden sie Teil der Steuerung physischer Prozesse. In der dritten liefern sie selbst Kontext und Wahrnehmung. Keine dieser Rollen lässt sich isoliert umsetzen. Erforderlich ist eine enge Abstimmung über alle Ebenen hinweg: von Funk und Transport über Edge und Core bis hin zu Orchestrierung und Betrieb. Erst dann entsteht ein integriertes System, das sich mit einem Nervensystem vergleichen lässt: Es nimmt wahr, verarbeitet Informationen, koordiniert Reaktionen und bleibt dabei kontrollierbar und stabil. Keine Frage des Obs Vieles von dem, was heute diskutiert wird, entsteht bereits in realen Netzen. Neue Mobilfunkgenerationen spielen dabei eine Rolle, sind aber nicht der alleinige Treiber. Entscheidend ist, ob Netze als passive Infrastruktur oder als aktive Plattform für verteilte Intelligenz verstanden werden. Für IT- und Netzverantwortliche lautet die zentrale Frage daher nicht, ob KI kommt, sondern welche Rolle das eigene Netz dabei übernimmt. Wer klar zwischen „KI nutzt das Netz“, „KI wirkt im Netz“ und „KI entsteht aus dem Netz“ unterscheidet, kann Anforderungen besser bewerten, Investitionen gezielter planen und Netze Schritt für Schritt auf eine Welt vorbereiten, in der KI nicht nur rechnet, sondern Prozesse steuert und reale Wirkung entfaltet. www.nokia.com Laufen Kommunikation, Signalverarbeitung und Inferenz auf einer Compute-Basis zusammen, wird Wahrnehmung zu einer nativen Netzfunktion. Anwendungen verwerten Erkenntnisse, die direkt aus dem Netz entstehen (Grafik: Nokia)

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