NET 11/2025

41 www.net-im-web.de 11/25 2,5 Milliarden Euro in die Geräte und Anlagen der Klimatechnik, der Stromversorgung und anderer Gebäudetechnik. Im internationalen Vergleich verläuft die Entwicklung in Deutschland jedoch eher stockend. Anders als in den USA oder China existieren hierzulande noch keine Mega-Rechenzentren, die ausschließlich für KI-Anwendungen betrieben werden. Die leistungsstarken IT-Systeme in deutschen Rechenzentren sind im Vergleich zu Datacentern im Ausland deutlich kleiner. Die USA verfügten 2024 bereits über zehnmal so viele Rechenzentrumskapaziäten, wie sie in Deutschland bis 2030 geplant sind. Jedes Jahr werden in den USA mehr als viermal so viele Kapazitäten hinzugebaut, wie in Deutschland überhaupt installiert sind. Rohleder: „Beim Thema Rechenzentren müssen Bund und Länder „all in“ gehen und die Investitionshürden radikal senken. Hier entscheidet sich, ob Deutschland zur Datenkolonie wird oder auch im digitalen Zeitalter ein souveränes Land bleibt.“ Cloud-Infrastrukturen gefragt Treiber für das aktuelle Wachstum sind Cloud-Angebote für KI und sonstige Anwendungen, die im laufenden Jahr um rund 17 Prozent auf 1.450 MW steigen. Damit entfällt aktuell die Hälfte (49 Prozent) der deutschen RZ-Kapazitäten auf Cloud-Infrastrukturen, vor einem Jahr waren es noch 45 Prozent und im Jahr 2019 erst 29 Prozent. Auch der Markt für Edge-Rechenzentren gewinnt zunehmend an Dynamik, bewegt sich mit einer Anschlussleistung von rund 240 MW im Jahr 2025 jedoch noch auf vergleichsweise niedrigem Niveau. Edge-Rechenzentren befinden sich näher am Endkunden oder an der gewünschten Anwendung, die Reaktionszeit ist damit sehr kurz. Klassische Rechenzentren werden weiterhin betrieben, zeigen aber mittlerweile einen rückläufigen Trend (2025: 1.290 MW). Steigender Energiebedarf Auch der Strombedarf der Rechenzentren in Deutschland ist gestiegen – und wird unter anderem mit Blick auf die wachsende Bedeutung künstlicher Intelligenz weiter steigen. Er wird 2025 bei 21,3 Mrd. Kilowattstunden liegen – 2024 waren es 20 Mrd. kWh und 2015 noch 12 Mrd. kWh. Rund zwei Drittel des Strombedarfs entfallen dabei auf die IT-Infrastruktur der Rechenzentren, also Server, Speicher und Netzwerktechnik. Das übrige Drittel entfällt auf die Gebäudeinfrastruktur, die Kühlung oder die Gewährleistung einer unterbrechungsfreien Stromversorgung. Gleichzeitig werden die verwendeten IT-Systeme immer effizienter. Beispielsweise stieg die Energieeffizienz bei Standardservern in den Jahren 2017 bis 2022 um jährlich 26 Prozent. Rohleder: „Die Energieeffizienz von Rechenzentren hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen, und sie wird angesichts steigender Stromkosten und wachsender Anforderungen durch KI weiter an Bedeutung gewinnen. Es liegt im ureigenen Interesse der Betreiber, den Stromverbrauch zu optimieren. Effizientere ITSysteme und Gebäudetechnik senken nicht nur die Kosten, sondern schonen auch die Umwelt. Energieeffizienz ist nicht nur ein technisches Ziel, sondern ein entscheidender Wettbewerbsfaktor.“ Frankfurt weit vorne Die Verfügbarkeit von Rechenleistungen ist in den 16 Bundesländern dabei höchst unterschiedlich verteilt. Das bei weitem größte Rechenzentrums-Cluster befindet sich in Hessen im Großraum Frankfurt und verfügt mit gut 1.100 Mega Watt (MW) über mehr als ein Drittel aller Kapazitäten in Deutschland. Es folgen mit Abstand Bayern (420 MW) und Nordrhein-Westfalen (378 MW), dahinter liegen Baden-Württemberg (233 MW) und Berlin (146 MW). Die geringste installierte Rechenleistung findet sich in Mecklenburg-Vorpommern (20 MW), Bremen (19 MW) und dem Saarland (17 MW). Für die nächsten Jahre sind zahlreiche neue große Rechenzentren angekündigt. So werden nicht nur in Frankfurt neue Projekte mit mehr als 1.800 MW geplant, sondern 888 MW in Brandenburg sowie mit einer IT-Anschlussleistung von 480 MW auch im rheinland-pfälzischen Nierstein. Dieses Projekt könnte noch übertroffen werden von einem Rechenzentrum mit einer ITAnschlussleistung in der Größenordnung von 1.000 MW, über das aktuell in der Gemeinde Dummerstorf in Mecklenburg-Vorpommern diskutiert wird. Erst in der vergangenen Woche wurden Pläne für ein neues KI-Rechenzentrum bei München vorgestellt. Konnektivität und grüner Strom Die einzelnen Bundesländer bieten dabei unterschiedliche Standortfaktoren, die für die RZ-Betreiber interessant sein können: Von besonderer Bedeutung sind das wirtschaftliche Umfeld, die Konnektivität, das vorhandene RZ-Ökosystem und die Verfügbarkeit von Stromnetz-Anschlusskapazitäten sowie von „grünem Strom“. Je nach Art des Rechenzentrums können diese Faktoren eine unterschiedliche Wichtigkeit haben. So punktet Hessen unter anderem mit der Anbindung an Europas größten Netzwerkknoten DE-CIX, einem bereits vorhandenen Rechenzentrums-Ökosystem und einem starken wirtschaftlichen Umfeld. Frankfurt wächst aktuell mit einer Rate von rund 14 Prozent am schnellsten, und das Frankfurter Ökosystem dehnt sich zunehmend nach Rheinland-Pfalz und Bayern aus. Auch Nordrhein-Westfalen, Hamburg und Berlin bieten große Vorteile in puncto Konnektivität. Insbesondere die Region Berlin-Brandenburg positioniert Rechenzentrumskapazitäten in Deutschland steigen

RkJQdWJsaXNoZXIy MjE2Mzk=