NET 11/2025

42 www.net-im-web.de 11/25 Rechenzentrumskapazitäten in Deutschland steigen sich immer deutlicher als zweiter großer Hub für Rechenzentren mit einer hohen internationalen Sichtbarkeit sowie einer attraktiven Lage als „Tor zum Osten“. Rheinland-Pfalz und Brandenburg sind zudem durch ihre räumliche Nähe zu den RZ-Clustern in Frankfurt und Berlin attraktiv. Sie profitieren von der Konnektivität und dem Ökosystem dieser Standorte und haben ihnen gegenüber ein großes Flächenangebot. Die nördlichen Bundesländer Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern können als Rechenzentrums-Standorte vor allem durch ihre Flächenverfügbarkeit punkten. Auch die internationale Anbindung über Seekabel und die Nähe zu den Hyperscalern in Skandinavien bieten Vorteile für die dortigen Standorte. „Rechenzentren sind ein wichtiger Standortfaktor für die Entwicklung einer Region“, sagt Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder. „Länder und Kommunen sollten Rechenzentren gezielt in ihre Regionalstrategien einbeziehen und geeignete Flächen ausweisen. Rechenzentren ziehen technologieorientierte Unternehmen an und stärken die regionale Wertschöpfung. Wer heute Raum für Rechenzentren schafft, legt die Basis für das digitale Ökosystem von morgen.“ USA und China ziehen davon Im internationalen Vergleich kann der deutsche Rechenzentrumsmarkt trotz des starken Wachstums aber nicht mithalten. Insbesondere die USA und China ziehen davon. In China belief sich die IT-Anschlussleistung 2024 auf 38 Gigawatt. Und in den USA verfügten Rechenzentren bereits im vergangenen Jahr über eine Leistung von 48 Gigawatt – 16-mal so viel wie in Deutschland im Jahr 2025. Allein die zehn größten US-Rechenzentren sind so stark wie alle 2.000 deutschen Rechenzentren zusammen. Insbesondere in den Vereinigten Staaten wurden zuletzt einige Megaprojekte angekündigt: So plant Meta mit dem Projekt „Hyperion“ eines der größten Rechenzentren der Welt, das ausschließlich für Anwendungen mit Künstlicher Intelligenz ausgelegt ist und mehrere Milliarden Dollar kosten soll. Auch OpenAI und Elon Musks Unternehmen xAI treiben den Ausbau von KI-Rechenzentren massiv voran – ihre künftigen Systeme sollen auf Hunderttausende bis zu einer Million spezieller Grafikprozessoren laufen. Rohleder: „Die USA und China legen die Messlatte extrem hoch. Wenn Deutschland und Europa mithalten wollen, ist es höchste Zeit, gegenzusteuern. Die Bundesregierung sollte daher umgehend die angekündigte Rechenzentrumstrategie mit konkreten Maßnahmen vorlegen.“ Schnellere Genehmigungsverfahren So sollten Rechenzentren und auch die Telekommunikationsnetze bei den Stromkosten entlastet werden. Die im europäischen Vergleich sehr hohen Energiepreise stellen aus Bitkom-Sicht einen substanziellen Wettbewerbsnachteil dar. Dies muss mit Maßnahmen für eine bedarfsgerechte und koordinierte Verteilung von Stromnetzanschlüssen flankiert werden. „Ein erfolgreicher Rechenzentrumsstandort setzt eine stabile, nachhaltige Stromversorgung zu wettbewerbsfähigen Preisen voraus“, betont Rohleder. Des Weiteren brauche es eine Vereinfachung, Digitalisierung und Beschleunigung von Planungs- und Genehmigungsverfahren. In Deutschland dauern Planungs- und Genehmigungsverfahren für neue Rechenzentren deutlich länger als im EU-Durchschnitt – und rund sechs Monate länger als gesetzlich vorgesehen. Drittens schlägt Bitkom eine Überarbeitung des regulatorischen Rahmens vor. Insbesondere müssten praxisferne deutsche Sonderwege durch das Energieeffizienzgesetz mit den europäischen Rahmenbedingungen harmonisiert werden, das betrifft etwa Vorgaben zur Energie-Verbrauchseffektivität und zum Anteil an wiederverwendeter Energie. Gleichzeitig könne die Abwärmenutzung durch steuerliche Anreize für Abnehmer, eine bessere kommunale Wärmeplanung und den Ausbau moderner Wärmenetze deutlich gestärkt werden. „Ohne starke Rechenzentren verliert Deutschland den Anschluss an den internationalen Wettbewerb“, betont Rohleder. „Sie sind die Basis digitaler Souveränität. Wer in leistungsfähige und zukunftsfähige Infrastruktur investiert, verbessert nicht nur die Resilienz von Wirtschaft und Verwaltung, sondern legt auch die Basis für Innovationen und Wettbewerbsfähigkeit in einer zunehmend KI-getriebenen Welt. Deutschland muss zu den führenden Nationen aufschließen und sich handlungsfähiger, resilienter und technologieorientierter aufstellen – und das geht nur mit einer starken und leistungsfähigen IT-Infrastruktur.“ www.bitkom.org Der Strombedarf deutscher Rechenzentren wird unter anderem mit Blick auf die wachsende Bedeutung künstlicher Intelligenz weiter steigen und Ende diesen Jahres bei 21,3 Mrd. Kilowattstunden liegen (Grafiken: Bitkom)

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