NET 12/2025

22 www.net-im-web.de 12/25 Energieautarke Kommunikationsnetze für Krisengebiete bindung an die entfernte Netzwerkinfrastruktur anzubinden. Im Kern ist WiBACK eine selbstorganisierende autarke multi-hop Richtfunk-Technologie. Die kostengünstige drahtlose Backhaul-Lösung umfasst kleine, solarbetriebene, mit Systemboard, Antenne und Solarladeregler ausgerüstete Funkgeräte, die die Einsatzfahrzeuge miteinander verbinden und sich durch ihren geringen Energieverbrauch auszeichnen. Die portablen Funkknoten konfigurieren sich automatisiert, sodass keine IT-Spezialisten und Netzwerktechniker angefordert werden müssen – eine ideale Voraussetzung für den Einsatz in Katastrophengebieten, wo vor Ort die Mitarbeitenden von Hilfsorganisationen unter chaotischen Zuständen schnell ein alternatives Kommunikationsnetz etablieren müssen. Öffentliche Netze umgehen „Multihop-Richtfunk ist ein Verfahren zur Erweiterung der Reichweite von Richtfunkstrecken, bei dem mehrere Zwischenstationen (Hops) genutzt werden, um Daten zwischen weit entfernten Punkten zu auszutauschen. Jeder Hop beziehungsweise jedes Funkgerät empfängt das Signal und sendet es dann gebündelt an die nächste Station weiter, wodurch die Notwendigkeit einer direkten Sichtverbindung entfällt und größere Entfernungen überwunden werden können“, erläutert der Forscher. „Über eigene kleine 5G-Zellen sprechen wir die Smartphones an und über WiBACK bringen wir das Netz auf die Fahrzeuge.“ Metal Festival als Testumgebung Auf dem Metal Festival Summer Breeze Open Air 2024 konnten die Projektpartner gemeinsam mit dem Malteser Hilfsdienst e.V. die innovative Kommunikationslösung bereits erfolgreich testen. Um einen Netzzugang auf dem Festivalgelände zu realisieren, wurde ein 5G-Campusnetz errichtet. Die Nutzung dieses Frequenzbandes kann beantragt werden, um ein eigenes privates 5G-Netz zu betreiben. Diese Frequenzen werden aktuell kaum genutzt und könnten den Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) im Katastrophenfall zur Verfügung gestellt werden. Die Funk- beziehungsweise Netzwerkknoten konnten auf dem Festival zuverlässig mit Solarpanels und Akkus betrieben werden, was das Potenzial für energieautarke Kommunikationsnetze in Krisengebieten unterstreicht. Zukunft der Krisenkommunikation Inzwischen wurde unter Koordination des Fraunhofer FIT bereits das Nachfolgeprojekt HiLeit unter Beteiligung der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg, des Malteser Hilfsdiensts und der Deutsche Funktechnik UG (DeFuTech) gestartet. Die Bundesanstalt für den Digitalfunk der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BDBOS) fördert das Vorhaben. HiLeit soll durch modulare Netzwerkknoten eine schnelle Bereitstellung und Anpassung der Kommunikation an die jeweilige Situation ermöglichen. Geplant ist, die WiBACK-Architektur um eine LEO-Satellitenschnittstelle (Low Earth Orbit) zu erweitern, damit diese als Internetanbindung verwendet werden kann. In HiLeit wollen die Projektpartner mehrere Technologien, darunter öffentliche Kommunikationsnetze, Glasfaser, LEO/IRIS2-Terminals, Feldkabel und WLAN-Richtfunk kombinieren, um ein flexibel einsetzbares, hochverfügbares Netz aufzubauen, das sich je nach Lage und Bedarf konfigurieren lässt. Kretschmer: „Dabei steht die intuitive Bedienbarkeit im Fokus, sodass Einsatzkräfte ohne tiefgehende technische Kenntnisse das System schnell in Betrieb nehmen können.“ www.fit.fraunhofer.de Auf dem Metal Festival Summer Breeze Open-Air 2024 konnte die WiBACK-Kommunikationslösung die Sanitätsstationen der Malteser zuverlässig mit ihrer Einsatzleitung und dem Internet verbinden (Fotos: Fraunhofer FIT)

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