www.net-im-web.de 31 12/25 Weniger ist mehr den, wo Länder je nach Schwankungen der lokalen Nachfrage Strom kaufen und verkaufen wollen, denn die bestehenden Netze sind nicht für die heute geforderten Arbeitslasten ausgelegt. Anforderungen an Rechenzentren Laut IEA werden rund zwei Prozent der weltweiten Energieerzeugung von Rechenzentren und Übertragungsnetzen verbraucht. Das US-Energieministerium berichtet, dass Rechenzentren im Jahr 2023 etwa 4,4 Prozent des gesamten Stromverbrauchs der USA ausmachten und bis 2028 voraussichtlich etwa 6,7 bis 12 Prozent des gesamten Stromverbrauchs der USA verbrauchen werden. In Bezug auf spezifische Workloads prognostiziert McKinsey & Co. bis 2030 einen Anstieg der Nachfrage nach generativer KI um 39 Prozent und einen Anstieg der Nachfrage nach anderen Workloads um 16 Prozent für die weltweite Rechenzentrumskapazität. Ein kürzlich angekündigtes Hyperscaler-Rechenzentrum ist fast so groß wie Manhattan. Dies setzt die nationalen Stromnetze unter Druck. Die Regierungen müssen eine konstante Stromversorgung für bestimmte Gebiete sicherstellen. Die britische Regierung hat Rechenzentren kürzlich als kritische nationale Infrastruktur eingestuft, um sicherzustellen, dass sie im Falle eines Angriffs oder böswilliger Aktivitäten online bleiben. In Rechenzentren wird Strom für Rechenleistung, Datenspeicherung, Vernetzung und Kühlung verwendet. In der Vergangenheit wurde häufig Wasserkühlung eingesetzt, aber viele Betreiber haben davon Abstand genommen und verwenden nun traditionellere, mit Strom betriebene Kühlanlagen und -strategien, wodurch weniger zwar Strom für die Rechenleistung benötigt wird, der allgemeine Strombedarf jedoch noch weiter steigt. Im Bereich der KI entspricht das neueste GPU-Modell dem täglichen Energieverbrauch eines „normalen“ VierPersonen-Haushalts in den USA mit etwa 30 kWh. GPU-Hersteller liefern jedes Quartal Hunderttausende von GPUs aus. Diese Nachfrage nach KI entzieht anderen Quellen Strom. Einfach ausgedrückt: Die Branche hinkt der Nachfrage hinterher. Nachfrage und Verbrauch Man könnte meinen, die Lösung liege darin, mehr Strom zu erzeugen, allerdings ist das keine einfache Rechnung: Mehr Strom bedeutet nicht automatisch mehr Kapazität für Rechenzentren und eine zuverlässige Stromversorgung für Haushalte und Unternehmen. Wie bereits erwähnt, ist das Stromnetz veraltet, und es gibt ein Problem mit der letzten Meile, da die Umspannwerke für geringere Lasten ausgelegt sind und nicht mehr Strom durchlassen können. Einige Unternehmen investieren in supraleitende Kabel aus Kohlefaser anstelle von Stahl, aber bis diese Lösungen zum Einsatz kommen, ist es noch ein langer Weg. Bereits jetzt reicht die Stromversorgung nicht aus, um den kollektiven Bedarf zu decken, und dafür gibt es gut dokumentierte Fälle in West-London und Dublin. Für Länder, die stark in den Bau von Rechenzentren investieren, ist der Strombedarf ohne Veränderungen nicht nachhaltig. Um die Stromerzeugung zu steigern, sind folgende Punkte zu berücksichtigen: Erstens: Können die Stromversorger mehr Strom aus ihren Netzanschlüssen liefern? Zweitens: Kann mehr Backup-Kapazität installiert werden, um die Ausfallsicherheit zu erhöhen, und aus welchen Brennstoffen/ Generatoren wird diese gewonnen? Drittens: Kann die Kühlung verbessert werden, um die zusätzlich entstehende Wärme abzuführen, und steht dafür genügend Strom zur Verfügung? Wie geht es nun weiter? Zwar muss jeder Einzelne Verantwortung für seinen eigenen Energieverbrauch übernehmen, doch auch Unternehmen und Regierungen spielen eine entscheidende Rolle. Dazu gehört die Kontrolle des Verbrauchs, die Schaffung gesetzlicher Rahmenbedingungen für Veränderungen und Investitionen in langfristige Lösungen. Weitere allgemeine Überlegungen sind: • Gesellschaft: Die Verbraucher wollen Veränderungen, siehe die zunehmende Verbreitung von Elektroautos. Um jedoch den gesamten Planeten auf Elektrofahrzeuge umzustellen, wäre das 10- bis 100-Fache der heutigen Strommenge erforderlich. Das ist Stand heute nicht möglich. • Das Stromnetz: Die Fertigung, die Lebensmittelproduktion und die industriellen Kapazitäten sind alle von fossilen Brennstoffen abhängig. Hier werden von Grund auf neue Ideen benötigt. • Versorgung: Es gibt bereits Länder, in denen Lastabwurf und Stromausfälle an der Tagesordnung sind, und Regionen, in denen keine Stromversorgung mehr gewährleistet ist. Dies muss besser kontrolliert werden. • Material: Im Jahr 2022 wurden jährlich 2,8 Milliarden Tonnen Metalle abgebaut. Davon sind 2,6 Milliarden Tonnen Eisen und 69 Millionen Tonnen Markus Grau Unternehmen sollten den Stromverbrauch und die eingebetteten CO2-Emissionen auf Geräte- und Flottenebene erfassen und die energieeffizientesten Technologien einsetzen
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