NET 12/2025

40 www.net-im-web.de 12/25 NETZE Glasfaser im Stau Warum Deutschland ohne Open Access nicht vorankommt Bernhard Reimann ist Chefredakteur der NET Bernhard Reimann Der technische Glasfaserausbau in Deutschland schreitet voran, ebenso die Zahl individueller Vereinbarungen zwischen Telekommunikationsanbietern, um ihren Kunden Glasfaser zugänglich zu machen. Dennoch bleibt Deutschland weit entfernt von einem „echten“ Open-Access-Markt. Es droht eine Entwicklung hin zu Marktstrukturen, die den Interessen des Endkunden nicht ausreichend gerecht werden. Open Access bezeichnet in diesem Zusammenhang den diskriminierungsfreien Zugang zu bestehenden Glasfasernetzen – unabhängig davon, welcher Anbieter die Infrastruktur gebaut hat. So können verschiedene Telekommunikationsunternehmen dieselben Netze nutzen und Endkunden erhalten mehr Auswahl und bessere Konditionen. Länder wie Schweden, Dänemark oder die Niederlande setzen längst auf offene Netze und erzielen deutlich höhere Nutzungsraten. „Kunden wollen die Auswahl zwischen möglichst vielen Anbietern, um das Angebot zu wählen, das am besten zu ihnen passt. Stattdessen verirrt sich der Markt in überwiegend regionalmonopolistischen Strukturen, die für den Kunden unübersichtlich sind und die Netze der ausbauenden Unternehmen halb leer lassen. Daher braucht es konsequenten Fokus auf Open Access“, sagt Julius Hafer, Partner bei BearingPoint. Deutschland abgeschlagen Ende 2024 lag Deutschland mit einer Glasfaserverfügbarkeit von rund 43 Prozent und einer Take-Up-Rate von lediglich 26 Prozent im unteren Mittelfeld Europas. Zum Vergleich: Schweden erreichte eine Verfügbarkeit von 87 Prozent und eine Take-Up-Rate von 82 Prozent, die Niederlande lagen bei 93 Prozent Verfügbarkeit und 38 Prozent Nutzung. Selbst die Schweiz, mit vergleichbarer Infrastruktur, erzielte mit 50 Prozent eine fast doppelt so hohe Nutzungsquote wie Deutschland. Zwar hat sich die Glasfaserverfügbarkeit in Deutschland bis Juni 2025 auf 53 Prozent erhöht, allerdings ist die Take-Up-Rate im gleichen Zeitraum lediglich minimal auf 27 Prozent gestiegen. Die Ursachen sind strukturell: Während andere Länder auf zentrale OpenOpen Access ermöglicht es Netzbetreibern, mehr Wachstum zu erzielen. Durch Wettbewerb statt Monopol entstehen vollere Netze, eine effizientere Auslastung und echte Kundenzentrierung (Grafiken: Bearing Point)

RkJQdWJsaXNoZXIy MjE2Mzk=