47 www.net-im-web.de 09/25 Glasfaserausbau in Österreichs Städten Bandbreite, extrem geringe Latenzzeiten (= Maß für wie lange Information vom Server zum Nutzer braucht), hohe Energieeffizienz und Klimafreundlichkeit. Diese Eigenschaften machen Glasfaser zum Rückgrat der digitalen Gesellschaft. Sie steigert die Standortattraktivität, erhöht den Immobilienwert und schafft die Basis für digitale Geschäftsmodelle, Innovation und Betriebsansiedlungen. Zwar können Kabelnetze kurzfristig die städtische Versorgung absichern. Doch ohne rechtzeitigen Glasfaserausbau drohen: • Abhängigkeit von wenigen Kabelnetzbetreibern, die Wettbewerb, Versorgung und Preisdynamik einschränken. • Technische Grenzen, sobald Anwendungen wie KI, Quantencomputing oder 8K-Streaming massentauglich werden. • Höhere Kosten und mögliche Versorgungsengpässe, wenn der Umstieg erst später unter Zeitdruck erfolgt. Ein aktuelles Beispiel verdeutlicht dies: Wien bewirbt sich um eine europäische AI-Gigafactory. Solche Projekte sind ohne Glasfasernetze undenkbar – sie erfordern enorme Datenströme und hochverfügbare Infrastruktur. Wer hier nicht rechtzeitig investiert, verspielt Standortchancen. Unterschiedliche Dynamiken International zeigt sich, dass sich in Städten die Glasfaser-Nachfrage sehr dynamisch entwickelt. In Österreich jedoch gibt es eine Besonderheit. Durch die weitverbreiteten Kabelnetze und die sehr gute Mobilfunkabdeckung erscheint die Nachfrage nach Glasfaser in den Städten derzeit geringer. • Ländlicher Raum: Glasfaser ersetzt Kupfer, schließt Versorgungslücken und erreicht hohe Nutzerzahlen s.g. Take-Rates (=Maßzahl für die Anzahl der aktiven Kunden in den Netzen). • Städte: Trotz hoher Haushaltsdichte, die den Ausbau eigentlich attraktiv machen würde, fehlen Masterpläne, politischer Wille und Endkundendruck. Glasfaseranschlüsse entstehen meist nur punktuell – etwa bei Neubauprojekten oder auf Initiative innovativer KMU. Damit droht Österreich eine paradoxe Situation: Während ländliche Regionen durch den Sprung direkt auf Glasfaser langfristig exzellent aufgestellt sind, geraten urbane Räume in eine technologische Verzögerung. Handlungsempfehlungen Um diesen Risiken entgegenzuwirken, braucht es konkrete Strategien. Der Aufbau einer flächendeckenden Glasfaserinfrastruktur ist ein Marathon und kein Sprint. Wir empfehlen für Bürgermeister und politische Entscheidungsträger: 1. Strategische Weichen stellen • Glasfaser-Masterpläne entwickeln: Jede Stadt braucht eine Roadmap für den systematischen Ausbau. • Politischen Willen zeigen: Glasfaser muss als kritische Infrastruktur und Teil von Standort-, Wirtschafts- und Klimapolitik verstanden werden. 2. Rahmenbedingungen verbessern • Synergien nutzen: Mit einem existierenden Masterplan kann Glasfaser standardmäßig bei Neubau, Sanierung und Tiefbau mitverlegt werden. • Genehmigungsverfahren beschleunigen: Einheitliche Standards schaffen und bürokratische Hürden abbauen. • Förderungen gezielt einsetzen: Nicht nur ländliche Regionen unterstützen, sondern auch urbane „weiße Flecken“ und Gewerbegebiete. 3. Wettbewerb sichern • Abhängigkeiten vermeiden: Offene Netze (Open Access) und Unterstützung alternativer Anbieter stärken Vielfalt und Innovation. • Kommunale Modelle prüfen: Städte können eigene vorhandene Infrastrukturen zusammenfügen, neue aufbauen lassen oder sich an bestehenden Netzen beteiligen. 4. Nachfrage stimulieren • Bewusstsein schaffen: Bürger und Unternehmen über die Vorteile von Glasfaser informieren. • Digitale Leuchtturmprojekte initiieren: Smart-City-Anwendungen, E-Government oder lokale Rechenzentren erhöhen die Nachfrage und schaffen Skaleneffekte. Fazit Österreichs Städte sind heute durch Kabelnetze gut versorgt, doch diese „Komfortzone“ ist trügerisch. Glasfaser ist die einzige Technologie, die langfristig Wettbewerbsfähigkeit, Standortattraktivität und digitale Souveränität sichern kann. Wer jetzt investiert, vermeidet spätere Engpässe und Kostenexplosionen – und schafft die Grundlage dafür, dass Österreichs Städte im internationalen Wettbewerb um Unternehmen, Innovationen und Zukunftsbranchen mithalten können. Ein proaktiver, flächendeckender Glasfaserausbau macht Städte jetzt zukunftssicher. www.ofaa.at OFAA 1. Glasfaserverband Österreich Die Open Fiber Austria ist ein Verein zur Förderung von offenen Glasfasernetzen. Unsere Mission ist es, leistbare und höchst zuverlässige Glasfaserinfrastrukturen für Endkunden sowie für private und öffentliche Institutionen – flächendeckend in ganz Österreich – zu schaffen. Wir wollen die digitale Kluft zwischen Bevölkerungsgruppen und geografischen Regionen reduzieren. Open Fiber Austria steht für: neutral, herstellerunabhängig, innovativ und engagiert. Wir sind Experten am Puls der Zeit und Vorreiter für offene Netze in Österreich und Europa. Die OFAA ist eine Non-Profit-Organisation, bestehend aus einem kompetenten Team an Experten mit langjähriger IT- und Telekomexpertise. Alle Mitwirkenden im Verein weisen eine sehr lange praktische Expertise in der Realisierung von Glasfaserprojekten auf.
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