NET 04/2026

22 www.net-im-web.de 04/2026 Der teuerste Fehler entsteht bei der Inbetriebnahme noch lange kein sauber installierter. Wer eine belastbare Abnahmemessung durchführen will, muss heute mehr wissen als nur den optischen Pegel. Zunächst geht es um die Basis: Sind die Faserendflächen sauber? Stimmen die optischen Pegel? Befindet sich der Techniker am richtigen Zweig? Ist die gemessene Dämpfung plausibel? Gibt es auffällige Ereignisse entlang der Strecke? Funktioniert der Dienst am Anschluss mit der zugesagten Performance? Gerade in Deutschland mit vielen durchgängig gespleißten Strecken, langen Hausanschlussketten, unterschiedlich dokumentierten Verteilpunkten und koexistierenden GPON- und XGS-PON-Strukturen gehören diese Fragen zur täglichen Praxis. Die Abnahmemessung wird damit zur Grundlage für den späteren Betrieb. Monitoring-Systeme machen Probleme sichtbar, verhindern sie aber nicht. Die Qualität eines Anschlusses wird daher bei der Abnahme bestimmt. Fehler sitzt auf der Faserendfläche Jede Glasfasermessung beginnt an der Faserendfläche. Kleinste Partikel oder Kratzer im Kernbereich können zu erheblichen Verlusten führen. Deshalb sollten Testgeräte eine Fiber-Inspektion unterstützen. Über ein Video-Mikroskop lassen sich Endflächen prüfen und bewerten. Die Sauberkeit der Steckverbindung entscheidet darüber, ob weitere Messungen belastbar sind. Eine unsaubere Endfläche verfälscht Pegelwerte und führt später zu Reflexionen, unnötiger Dämpfung und Fehlersuche. Die Dokumentation dieses Zustands im Rahmen der Abnahmemessung wird zum nachvollziehbaren Qualitätsnachweis, dient im späteren Betrieb als Referenz und reduziert Diskussionen im Störungsfall. Selektives OPM Im zweiten Schritt folgt die optische Bewertung des aktiven PON-Anschlusses. Hier zeigt sich der Unterschied zwischen einem gewöhnlichen Powermeter und einem für GPON- und XGS-PON geeigneten Messgerät. In modernen PON-Netzen werden mehrere Wellenlängen gleichzeitig auf derselben Faser übertragen. Es reicht nicht aus, einen Gesamtpegel zu bestimmen. Entscheidend ist die gefilterte Messung der einzelnen Wellenlängen. Im Downstream betrifft dies insbesondere 1.490 nm (GPON) und 1.577 nm (XGS-PON). In Netzen mit Video-Overlay kann zusätzlich die Wellenlänge bei 1.550 nm relevant sein. Die Upstream-Wellenlängen 1310 nm (GPON) und 1270 nm (XGS-PON) lassen sich nur unter realen Betriebsbedingungen erfassen. Ein ONT sendet nur, wenn er vom OLT dazu aufgefordert wird. Eine Messung ist daher nur im Through-Mode möglich, mit dem bis zu fünf optische Pegel gleichzeitig bidirektional gemessen werden. Hier lassen sich bereits wichtige Informationen gewinnen, zum Beispiel die PON-ID. Ein PLOAM-Monitor liefert bei Bedarf die ONU-ID oder die Seriennummer eines an den Zweig angeschlossenen ONTs. Zur Erkennung von Störern wie Alien-ONTs ist ein Through-Mode zwingend erforderlich. Für die Praxis bedeutet das: Der Techniker erkennt nicht nur, ob ein Signal vorhanden ist, sondern auch, welche Technologien mit welchen Pegeln anliegen, ob diese ausreichen und wie sich der Anschluss später im Netzkontext verhält. Im Serviceeinsatz ermöglicht diese Differenzierung eine erste Einschätzung, ob die Ursache im PON-Segment oder in anderen Bereichen liegt. Ein guter Pegel genügt nicht Ein klassisches Powermeter zeigt, ob ein Pegel innerhalb der Grenzwerte liegt – nicht, wie er zustande kommt. Ein Anschluss kann unauffällig erscheinen und dennoch unentdeckte Schwachstellen enthalten, insbesondere bei kurzen Strecken mit geringer Gesamtdämpfung. Solche Fehler werden später teuer: Sie führen zunächst zu reduzierten Leistungsreserven. Mit steigender Auslastung, höheren Bandbreiten oder zusätzlichen Diensten werden daraus Störungen, die nur mit erheblichem Aufwand im Feld lokalisiert werden können. Genau hier setzt der Optical Fault Locator (OFL) an. Technisch basiert die Messung auf dem OTDR-Verfahren, sie ist jedoch konsequent auf den Einsatz in PON-Netzen ausgelegt. Gemessen wird auf 1.625 nm, einer Wartungswellenlänge, die im laufenden Betrieb genutzt werden kann. Typische Strecken lassen sich so schnell analysieren. Ablaufdiagramm einer Anschlussabnahme mit Optical Fault Locator und ARGUS F240. So lässt sich die Dämpfung der installierten Strecke bis zum nächsten Splitter eindeutig bestimmen und dokumentieren (Fotos: Intec)

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