NET 04/2026

3 www.net-im-web.de EDITORIAL Deutschland wird den flächendeckenden Glasfaserausbau nicht allein im Tiefbau gewinnen. Die Engpasszone liegt hinter der Hauseinführung: in der Netzebene 4. Solange Glasfaser im Keller endet, bleibt FTTH ein Versprechen mit Kupfer- oder Koaxial-Anhang. Genau deshalb muss NE4 vom Randthema der Wohnungswirtschaft zum industriell beherrschten Standardprozess werden. Technisch ist vieles längst verfügbar. Für Mehrfamilienhäuser stehen vorkonfektionierte Glasfaser-Steigleitungen, Mikrorohre, Einblaslösungen, Etagenverteiler, spleißarme Plug-and-play-Systeme, biegeunempfindliche Fasern und kompakte Glasfaser-Teilnehmeranschlussdosen bereit. Wo neue Fasern baulich nicht sofort wirtschaftlich oder genehmigungsfähig sind, können Übergangstechnologien über vorhandene Koax- oder Telefonverkabelung helfen, etwa G.hn- oder MoCA- basierte Inhouse-Lösungen. Sie sind jedoch Brückentechnologien, keine Zielarchitektur. Die Zielarchitektur bleibt eine passive, dokumentierte, wohnungsgenaue Glasfaser-Infrastruktur bis zur Anschlussdose. Der entscheidende Fortschritt wird nicht aus einer einzelnen Komponente kommen, sondern aus Standardisierung. Wohnungswirtschaft, Netzbetreiber und Installationsbetriebe brauchen reproduzierbare Bauklassen für Bestandsgebäude, klare Eigentums- und Betriebsmodelle, digitale Gebäudedokumentation und eine Vorvermarktung, die nicht an jeder Wohnungstür neu beginnt. Die Gigabitstrategie zielt auf Glasfaserverfügbarkeit für alle Haushalte bis 2030. Die ANGA/ VATM-Marktanalyse 2025 sieht Mehrfamilienhäuser und die Netzebene 4 als strukturell entscheidendes Ausbaufeld; der VATM bezeichnet den Inhaus-Ausbau darauf aufbauend als zentrale Stellschraube. Die Zukunft der Inhouse-Konnektivität ist daher hybrid im Betrieb, aber eindeutig glasfaserzentriert im Zielbild. NE4 wird zur Plattform für symmetrische Gigabitdienste, Wi-Fi-7-/Wi-Fi-8-Zellen, private 5G-Inhouse-Versorgung, Telemedizin, Submetering, Gebäudeautomation und Edge-nahe Dienste. Wer heute nur den Hausanschluss baut, baut halb. Wer NE4 systematisch mitplant, schafft skalierbare digitale Gebäudenetze. Der Glasfaserausbau endet nicht am APL. Er endet erst dort, wo der Konsument Leistung tatsächlich abnimmt: in der Wohnung. Auch Die ANGA COM 2026 nimmt sich explizit dieses Themas an. Wir dürfen gespannt auf die Ergebnisse sein. Ihr Bernhard Reimann NE4 entscheidet, ob FTTH wirklich FTTH wird 04/2026

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