NET Oktober 2025

41 www.net-im-web.de 10/25 Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung mer-Generation zu einer beträchtlichen Lücke im Hinblick auf erfahrenes IT-Personal. Zudem fehlen qualifizierte Nachwuchskräfte für Digitalprojekte in der Verwaltung. Diese angespannte Situation belegen auch die Ergebnisse der Studie „Fachkräftemangel im öffentlichen Sektor“ der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC Deutschland): Demnach fehlen dem öffentlichen Sektor im Jahr 2030 erstmals mehr als eine Million Fachkräfte. Hinzu kommt: Die IT-Infrastrukturen insbesondere der Bundesbehörden gewinnen zunehmend an Komplexität. Aufgrund des Personalnotstands ist es jedoch eine Herausforderung, den Überblick zu behalten und alles sauber zu dokumentieren. So herrscht oft keine Transparenz über den aktuellen Status an Lizenzen und Wartungsverträgen. Darüber hinaus verfügen viele Behörden über schwer integrierbare Legacy-Systeme, was die Komplexität zusätzlich erhöht. Um jedoch Investitionen in neue Technologien und Lösungen verlässlich zu schützen, bedarf es einer lückenlosen und aussagefähigen Dokumentation. Die Industrie strebt daher bereits seit mehreren Jahren nach dem Ideal und Ziel des digitalen Zwillings. Automatisierung optimieren Um alle diese Herausforderungen in den Griff zu bekommen, sollten Bundesbehörden vor allem drei Kernthemen fokussieren: Zentralisierung, Automatisierung und Berichtswesen. So ist es zunächst wichtig, Systeme innerhalb der einzelnen Behörden zu vereinheitlichen, zu standardisieren und zu zentralisieren. Hierbei rücken zentrale, strategische ITDienstleister wie etwa Dataport oder ITZBund immer mehr in den Mittelpunkt. Dies schafft auch neue Möglichkeiten für eine behördenübergreifende Zusammenarbeit. Die Verantwortlichen profitieren dadurch von Kosteneinsparungen, mehr Sicherheit, Effizienzsteigerungen, einer höheren Skalierbarkeit sowie einem Plus an Compliance und Datenschutz. Hierzu ist jedoch ein grundlegender Wandel erforderlich, und die Effizienz der ITDienstleister des Bundes muss deutlich gesteigert werden – sonst drohen weitere Kritik von Kundenseite sowie erneute Rügen des Bundesrechnungshofs. Neben der Zentralisierung ist auch ein höherer Automatisierungsgrad unabdingbar. Denn aufgrund des Fachkräftemangels und gleichzeitig reduzierter Budgets für die Beauftragung externer Dienstleister müssen manuelle Tätigkeiten auf ein Minimum reduziert werden. Erforderlich hierfür sind Schnittstellen zum Datenaustausch zwischen verschiedensten Systemen, um eine qualitativ hochwertige und ganzheitliche Dokumentation der IT-Umgebung zu ermöglichen. Und nicht zuletzt sollten Bundesbehörden ihr Berichtswesen auf den neuesten Stand bringen, um einen ganzheitlichen Überblick über den Ist-Zustand der Systeme zu erhalten. So benötigen Verantwortliche zum Beispiel Klarheit darüber, • welche Lizenzen und Wartungsverträge mit welchen Laufzeiten aktuell vorhanden sind, • welche Systeme sich in welchem Life- cycle befinden und wann Upgrades oder Austausch-Maßnahmen erforderlich sind, • wo welche Applikationen betrieben werden, welche neu erkannte Sicherheitslücken beinhalten, • welche Kapazitäten aktuell genutzt und verfügbar sind und wann mit einem Engpass zu rechnen ist, • wie die aktuelle Situation und Entwicklung bezüglich Nachhaltigkeit und CO2-Fußabdruck zu bewerten ist und welche Optimierungsmaßnahmen sich daraus ableiten lassen. Digitale Souveränität Behörden dürfen in dem Zuge die Notwendigkeit für souveräne und widerstandsfähige Dienste nicht aus den Augen verlieren. Dabei müssen sie das Rad nicht neu erfinden. Viele Experten setzen auf Open Source als Allheilmittel. Quellcode manuell an eigene Bedingungen anzupassen und über Jahre hinweg zu verwalten, erfordert jedoch ein spezifisches Experten-Knowhow. In den meisten Fällen ist eine Betreuung durch externe Dienstleister zusätzlich notwendig. Für Behörden ist dieses Vorgehen auf Dauer nicht aufrechtzuerhalten und bedeutet erneut Abhängigkeit von spezifischen Wissensträgern. Vielmehr sollte sich auf die „best-of-breed“-Lösungen konzentriert werden, die in der EU und besonders in Deutschland bereits zur Verfügung stehen und erwiesen wirksam sind. Auf dieser Basis lässt sich eine Digitalisierungsstrategie entwickeln, die dann nach und nach mit Open-Source-Lösungen ergänzt wird, wo deren Einsatz sinnvoll ist. Letztendlich ist tiefgehende Expertise und ein ganzheitliches Lösungskonzept, mit dem sich die Themen Zentralisierung, Automatisierung und Berichtswesen präzise adressieren lassen, unerlässlich. Bundesbehörden profitieren von einer vollumfänglichen Dokumentation aller Informationen und Abhängigkeiten. Dies sorgt für eine zentrale und konsistente Datenbasis, um entsprechende Optimierungspotenziale zu erkennen und Digitalisierungsinitiativen erfolgreich auf den Weg zu bringen. www.fntsoftware.com Die Industrie strebt seit mehreren Jahren nach dem Ideal und Ziel des digitalen Zwillings

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