NET 04/2026

www.net-im-web.de 31 04/2026 Größe hilft beim Glasfaserausbau sches Wachstum in der Regel den Einsatz hoher investiver Mittel voraus. Darüber hinaus sind hier zusätzlich akquisitionsbegleitende Kosten (zum Beispiel für externe Berater und Juristen) und Integrationsaufwände in das Entscheidungskalkül einzubeziehen. Kooperationen bieten die Möglichkeit, Größenvorteile zu realisieren, ohne dass vergleichbare investive Mittel wie bei den anderen beiden Optionen eingesetzt werden müssen. Hier besteht die Herausforderung darin, sich abzusichern, dass durch die Kooperationen die unternehmerischen und technischen Gestaltungsmöglichkeiten nicht zu sehr eingeschränkt werden und dies zu strategischen Abhängigkeiten führt. Organisches Wachstum In den letzten Jahren war im deutschen Breitbandmarkt ein starker Aufwuchs bei den mit Glasfaser erreichbaren Haushalten und Gewerbestandorten zu verzeichnen (siehe Abbildung 1). Das deutliche Wachstum ist ein klares Indiz dafür, dass die große Mehrheit der im Glasfaserausbau engagierten Unternehmen organische Wachstumsstrategien verfolgt. Aktuelle Pressemitteilungen deuten jedoch darauf hin, dass sich das Wachstum beim Ausbau im Jahr 2026 und in den Folgejahren verlangsamen wird. Eine Reihe von Unternehmen plant, ihre Aktivitäten in neuen Ausbauprojekten herunterzufahren und sich auf die Verdichtung, Erstellung und Aktivierung von Hausanschlüssen in bestehenden Ausbaugebieten zu konzentrieren. Entsprechend besteht die Gefahr, dass sich das organische Wachstum im Markt abschwächen wird. Anorganisches Wachstum Anorganisches Wachstum über Übernahmen und Insolvenzen war auf dem deutschen Breitbandmarkt in den letzten Jahren eher die Ausnahme. Wie Abbildung 2 zeigt, sehen wir lediglich eine einstellige Zahl von Transaktionen, in die mit Ausnahme der Übernahme der Infrafibre Germany GmbH durch Unsere Grüne Glasfaser eher Anbieter kleiner und mittlerer Größe involviert waren. Hierfür gibt es eine Reihe von Ursachen. Zum einen erschweren die aktuellen Finanzierungsbedingungen in Kombination mit den aus heutiger Sicht überhöhten Bewertungen der Vergangenheit, dass Käufer und Verkäufer sich über die kommerziellen Konditionen der Transaktionen einigen. Zugleich sind viele Infrastrukturen schlecht dokumentiert, was sich wertmindernd auswirkt und den Kreis potenzieller Interessenten verkleinert. Schließlich gibt es im deutschen Markt bislang kein Unternehmen, das sich als aktiver Konsolidierer hervorgetan hat. Kooperationen Es ist typisch für den Breitbandmarkt, dass die verschiedenen Akteure im Vorleistungs- und Carrier’s Carrier Geschäft in verschiedenen Konstellationen, häufig transaktionsbasiert, zusammenarbeiten. Mit Blick auf weitreichende und tiefergehende Kooperationen, über die Größenvorteile realisiert werden, ist insbesondere die Telekom Deutschland GmbH (TDG) ein wesentlicher Treiber. Nachdem die TDG ihren FTTB/H-Ausbau, abgesehen von den Joint Ventures Glasfaser Nordwest und GlasfaserPlus, zunächst weitgehend eigenständig betrieben hatte, hat sie in den zurückliegenden zwei Jahren über 50 Kooperationen im Glasfaserbereich geschlossen. Mit Blick auf die Realisierung von Größenvorteilen und Skaleneffekten ist insbesondere das sogenannte „Fiber Plattform“ Modell hervorzuheben. Die wesentlichen Charakteristika sind wie folgt: • Der regionale Netzbetreiber errichtet und betreibt die passive Glasfaserinfrastruktur. • Die TDG errichtet und betreibt die aktiven Netzkomponenten und wird zum Aktivnetzbetreiber. Darüber hinaus bietet sie Dienste für Endkunden und Vorleistungsnachfrager auf Basis von Bitstromzugängen an. Aus ökonomischer Sicht handelt es sich beim „Fiber Plattform“ Modell um eine Kooperation in Form eines Betreibermodells. Dieses ist dadurch charakterisiert, dass das Eigentum an der passiven Infrastruktur von den übrigen Wertschöpfungsstufen (Aktiv- und Dienstebene) getrennt ist. Die passive Wertschöpfung obliegt den lokalen Partnern, die TDG erhält Zugang zu entbündelten Glasfasern. Das aktive Netz wird von der TDG bereitgestellt und Abbildung 1: Anzahl von FTTB/H Homes Passed, Homes Connected und Homes Activated (in Mio.), 2023-2025. WIK basierend auf Zahlen aus dem Tätigkeitsbericht der BNetzA

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