32 www.net-im-web.de 04/2026 Größe hilft beim Glasfaserausbau gemanagt. Aufgrund ihrer Größe können im Gegensatz zu einer Eigenrealisierung durch die regionalen Netzbetreiber signifikante Skaleneffekte realisiert werden, beispielsweise beim Einkauf aktiver Technik und weiterer Komponenten sowie bei der Anschaffung und dem Betrieb von OSS und NOCs. Gleiches gilt für die Diensteebene und das Vorleistungsgeschäft. Entsprechend ist davon auszugehen, dass im „Fiber Plattform“ Modell die der Wertschöpfung auf der Aktiv- und Diensteebene inhärenten Skalenpotenziale in vollem Umfang ausgeschöpft werden können. Mögliche Skalenvorteile beim passiven Netzausbau und -betrieb werden nicht realisiert, diese liegen in der Verantwortung der jeweiligen Partner. Aus unternehmensstrategischer Sicht sind jedoch nicht (nur) die Effizienzgewinne an sich, sondern deren Allokation sowie die Risikoverteilung zwischen den Partnern entscheidend. Die strukturellen und entgeltlichen Ausgestaltungen der Kooperationen im „Fiber Plattform“ Modell sind nicht bekannt. Je nach Ausgestaltung könnte das Risiko sowohl allein beziehungsweise ganz überwiegend beim Aktivnetzbetreiber (im Falle einer fixen Netzpacht oder einer reinen Abrechnung je als Home Passed errichtetem Anschluss) oder beim Eigentümer der Infrastruktur (bei der Abrechnung je aktiv geschaltetem Anschluss) liegen. Möglich wäre aber auch der Einsatz von Risikoteilungsmechanismen, beispielsweise über hybride Modelle mit fixen und variablen Komponenten oder über Einmalzahlungen des Aktivnetzbetreibers zu Beginn der Leistungsbeziehung. Aus wettbewerbspolitischer Sicht gilt es zu beurteilen, ob von entsprechenden Kooperationen eine marktverschließende Wirkung ausgeht, das heißt ob durch diese der Wettbewerb sowohl kurz- als auch mittel- und langfristig geschwächt wird. Hierbei muss auch die Rolle der TDG als marktbeherrschendes Unternehmen berücksichtigt werden. Zunächst ist festzuhalten, dass von der TDG für Vorleistungsnachfrager Zugangsprodukte angeboten werden, so dass in der Vorher-/Nachher-Betrachtung in der Tendenz von größeren Auswahlmöglichkeiten für Endkunden und damit mehr Wettbewerb in den Kooperationsgebieten auszugehen ist. Angeboten werden jedoch ausschließlich aktive Produkte. Im „Fiber Plattform“ Modell beansprucht die TDG (offensichtlich erfolgreich) mit dem Zugang auf der passiven Ebene für sich damit eine Zugangsart, die sie Vorleistungsnachfragern selbst nicht gewährt. Es ist nicht öffentlich bekannt, ob die Kooperationen der TDG im Rahmen der „Fiber Plattform“ exklusiv sind, das heißt ob der Zugang auf der passiven Ebene ausschließlich der TDG zur Verfügung gestellt wird. Sollte dies der Fall sein, müsste man konstatieren, dass die Kooperationen (trotz der Zugangsoptionen für Dritte auf der aktiven Ebene) eine marktverschließende Wirkung haben und die TDG gegenüber anderen Wettbewerbern stärken. Darüber hinaus stellt sich ganz grundsätzlich die Frage, warum ein marktbeherrschendes Unternehmen zwar einen Anspruch auf passiven Zugang durchsetzen und von seinen Vorteilen profitieren kann, aber selbst keinen passiven Zugang auf ihrem eigenen FTTB/H-Netz anbieten muss. Vergleichbare Kooperationsmodelle wie das der „Fiber Plattform“ finden sich bei den alternativen Wettbewerbern bisher nur selten. Eine Ausnahme stellt das von den Stadtwerken Neumünster (SWN) und den Stadtwerken SH initiierte Kooperationsmodell der Ende 2025 gegründeten Beteiligungsgesellschaft NordConnect dar, welche in diesem Jahr die Arbeit aufgenommen hat. Im Rahmen dieses Modells verpachten die beteiligten Stadtwerke ihre Netze langfristig an die NordConnect und Abildung 2: Beispiele für Konsolidierungen in den letzten drei Jahren in Deutschland. Es handelt sich um Fälle, in denen sich Investoren aus den Unternehmen und / oder aus dem deutschen Breitbandmarkt zurückgezogen haben
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