40 www.net-im-web.de 6-7/2026 Mehr IT-Sicherheit in Unternehmensnetzen Unseren Kunden hilft auch keine Aussage, was theoretisch im Prinzip sicherer oder unsicherer ist, sondern wie sie sich im Einsatz von IT schützen können. Wir prüfen daher die Lösungen im Betrieb. Wir und auch KIX haben uns dafür entschieden, unseren Kunden die Möglichkeiten von Open Source als zusätzlichen Wert anzubieten, weil wir glauben, dass Offenheit immer ein Mehrwert für die Kunden ist. Auch proprietäre Angebote enthalten Open Source, legen also indirekt Quellen offen – nur selektiver. Daraus lässt sich jedoch keine Aussage zur Sicherheit der Software ableiten.“ NET: Zwischen Ihren Unternehmen gibt es eine Technologiepartnerschaft. Wie funktioniert das Zusammenspiel zwischen ITSM und Vulnerability Management? E. Geese: „Unser Ziel ist es, Schwachstellen zu entdecken, bevor Angreifer sie ausnutzen können. Dafür scannt unsere Anwendung OPENVAS die komplette IT-Landschaft, sämtliche Assets von Software bis Hardware. Sie können es sich so vorstellen: Sie wohnen in einem Haus und haben einen Schwarm von Robotern, der das Haus vor Einbrechern sichern soll. Die Roboter schwärmen aus, überprüfen jede Tür, jedes Fenster, jedes Schloss. Und sobald sie eine Schwachstelle entdeckt haben und diese als kritisch bewerten, schlagen sie Alarm, und der Sicherheitsdienst prüft, ob und was zu tun ist. Das Haus ist in unserem Fall die IT-Landschaft eines Unternehmens oder einer Behörde.“ R. Barth: „Und dann kommen wir quasi als der Besitzer ins Spiel. Wenn OPENVAS eine Schwachstelle erkennt, wird diese automatisch in unserer IT-Service-Management-Software gemeldet. Dort entsteht ein Ticket, und der Workflow startet automatisch. Der Vorgang wird als Security Incident vorklassifiziert, mit dem betroffenen IT-Gerät oder Softwareprodukt aus der KIX-eigenen Asset-Datenbank verbunden und an das relevante Team zur weiteren Prüfung und Bearbeitung geschickt. Alle wesentlichen Informationen zur gefundenen Schwachstelle sind direkt am Ticket sichtbar. Die IT-Administratoren erkennen sofort, was betroffen ist, wer informiert werden muss und wie im Gesamtkontext aller Assets die Bedrohungslage aussieht. So verhindern wir gleichzeitig Schatten-IT und dass der Überblick verloren geht.“ NET: Sie sprechen von fehlendem Überblick. Wie groß ist das Problem der Schatten-IT? R. Barth: „Ziemlich groß – leider. Die AssetDatenbank verbindet Soll- und Ist-Zustände der IT-Landschaft. Manchmal gibt es da blinde Flecken, weil etwa eine Fachabteilung in der Eile eine Software oder ein IT-Gerät ohne zentralen Freigabeprozess kauft. Durch einen Scan werden diese Differenzen im Asset-Bestand aufgearbeitet und dem normalen IT-Betreuungsprozess zugeordnet. Das ist aufgrund des Fachkräftemangels in der IT hilfreich, weil es Zeit für manuelle Recherche einspart und sich die Teams auf ihre Kernaufgaben konzentrieren können.“ E. Geese: „Bei unseren Kunden gibt es öfter mal große Überraschungsmomente, wenn wir ihr Netzwerk zum ersten Mal durchleuchten. Schatten-IT ist einfach ein Komplexitätsproblem – je größer das Haus, desto schwieriger ist es, Ordnung zu halten.“ NET: Welche Unternehmen und öffentliche Einrichtungen sollten ihre IT-Sicherheit besonders unter die Lupe nehmen? R. Barth: „Alle regulierten Bereiche, wie etwa Kommunal-, Landes- und Bundesbehörden, Sicherheitsorgane, Krankenhäuser, Rettungsdienste und Banken. Grundsätzlich sollten aber alle Organisationen und Unternehmen über den Tellerrand blicken und gleichzeitig an die Anforderungen denken, die beispielsweise mit NIS-2, dem Cyber Resilience Act oder dem BSI-Grundschutz einhergehen. So lässt sich die Angriffsfläche für Hacker stark reduzieren.“ NET: Und welche weiteren Pläne haben Sie für den Security-Bereich? E. Geese: „Mittlerweile werden für Cyberangriffe häufiger Softwarelücken ausgenutzt als gestohlene Zugangsdaten. Wir nehmen daher immer größeren Bedarf für unsere Lösungen wahr, und auch für neue Funktionen. Im aktuellen Jahr sind das vor allem Container-Scanning, Agenten und die weitere Einbindung von KI. Und natürlich sind wir sehr gespannt, wie die Integration mit KIX vom Markt angenommen wird.“ R. Barth: „Bei KIX haben wir die Security immer mitgedacht, auch wenn unser Fokus auf ITSM liegt. Etwa durch Datenanonymisierung, Verschlüsselung und sichere 2-FaktorAuthentifizierung. Ebenso ist die Integration von ISMS-Software ein wichtiger Pfeiler für die IT-Security, oder die vollintegrierte Planung und Dokumentation für Regelchecks, um z. B. ISO27001-Anforderungen zu erfüllen. Diesen Weg möchten wir auch in Zukunft fortsetzen. Natürlich immer mit Open Source. Offenheit und Transparenz sind uns wichtig, denn sie sind aus unserer Sicht ein elementarer Bestandteil im vertrauensvollen Miteinander mit unseren Kunden.“ www.kixdesk.de www.greenbone.net Herr Geese, Herr Barth, wir danken Ihnen für dieses Gespräch. Ricoh Barth Grundsätzlich sollten alle Organisationen und Unternehmen über den Tellerrand blicken und an die Anforderungen denken, die mit NIS-2, dem Cyber Resilience Act oder dem BSI-Grundschutz einhergehen
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