39 www.net-im-web.de 6-7/2026 NETZE Bernhard Reimann Der Druck auf Unternehmen und Behörden wächst: mehr Angriffe, mehr Schwachstellen, mehr regulatorische Vorgaben. Gleichzeitig wird die IT-Landschaft immer unübersichtlicher – durch Schatten-IT, veraltete Systeme oder fehlende Prozesse. Im Gespräch erklären KIX-CEO Rico Barth und GreenboneCEO Elmar Geese, warum die Zahl der Sicherheitslücken explodiert, weshalb Open Source bei IT-Security ein Vertrauensfaktor ist – und wieso viele Organisationen heute gar nicht mehr genau wissen, welche Geräte und Software sie überhaupt besitzen. Bernhard Reimann ist Chefredakteur der NET Mehr IT-Sicherheit in Unternehmensnetzen Wenn der Roboterschwarm das Haus durchsucht NET: Herr Geese, Herr Barth, die Zahl der Cyberangriffe steigt seit Jahren. Ist die IT-Sicherheit schlechter geworden, oder wird nur mehr darüber gesprochen? Elmar Geese: „Das Hauptproblem ist die massiv gewachsene Angriffsfläche. Anfang der 2010er Jahre gab es rund 10.000 neue Schwachstellen pro Jahr, inzwischen sind wir bei über 50.000. Deshalb liegt die Zahl heute vermutlich im Millionenbereich – mit einer großen Dunkelziffer. Hinzu kommt: Die Angreifer sind immer im Vorteil und haben einen ökonomischen Anreiz. Sie brauchen nur eine einzige Lücke, während die Verteidiger jederzeit alles abdecken müssen.“ Rico Barth: „Es stimmt aber auch, dass heute mehr darüber gesprochen wird. Das Thema ist fast allgegenwärtig und die potenziellen Schäden höher als je zuvor. Sei es durch Ransomware, bei der die Täter hohe Summen zur Freigabe der Systeme fordern, oder durch das Einnisten in Software, um möglichst viel auszuspionieren. Wie wichtig dieser Bereich ist, merken wir bei Gesprächen mit unseren Partnern und Kunden. Ihnen geht es vor allem um Risikobewertung, Planung und nachhaltige Prozesse.“ NET: Woher kommt die steigende Zahl an Sicherheitslücken? E. Geese: „Das liegt in erster Linie an der steigenden Komplexität. Und daran, dass Software in immer mehr Lebensbereiche vordringt. An manchen Stellen überschneiden sich Soft- und Hardware, etwa durch Firmware-Updates. Die allermeisten Schwachstellen gibt es aber klar in der Software – in Anwendungen, Betriebssystemen oder deren Konfigurationen. Oft geht es um unzureichende Zugriffskontrollen, Pufferüberläufe oder unsaubere Eingaben. Aber auch andere Faktoren spielen eine Rolle. Veraltete Technik beispielsweise, oder dass Cyberkriminalität heute ein Geschäftsmodell ist, teils staatlich gelenkt.“ NET: Mit Ihren Unternehmen setzen Sie sich auch für Open Source-Software ein. Für manche Experten ein gefundenes Fressen. R. Barth: „Das stimmt, es wird sicherlich nie eine Einigung darüber geben, ob Open oder Closed-Lösungen die größere Sicherheit bieten. Die Kritik an Open Source ist auf den ersten Blick verständlich bzw. liegt in der Natur der Sache – der Offenheit. Alle Nutzer können den Quellcode einsehen, also können theoretisch auch Menschen mit böswilligen Absichten so Schwachstellen ausspähen. Aber gerade diese Offenheit macht für uns bei KIX den entscheidenden Unterschied aus. Denn durch die Zusammenarbeit der Community lassen sich Sicherheitslücken sehr schnell identifizieren und schließen.“ E. Geese: „Software ist immer unsicher, egal ob die Quellen öffentlich sind oder nicht. Elmar Geese Unser Ziel ist es, Schwachstellen zu entdecken, bevor Angreifer sie ausnutzen können. Dafür scannt unsere Anwendung OPENVAS die komplette IT-Landschaft, sämtliche Assets von Software bis Hardware
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