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06-07/2026 Netzwerke Security Kommunikation Smart Technology Netzebene 4 mit Problemen Die Glasfaser kommt nur im Keller an SIEM versus XDR versus NDR Welche Systeme schützen wirklich vor Cyberattacken? IT Zeitschriften GbR, Friederike-Fliedner-Weg 34a, 40489 Düsseldorf Mobilfunkanbieter müssen umdenken Satellitenkommunikation wird zum Wachstumshebel Digitalisierung, Vergabe und KI Bau und Verwaltung müssen zukunftsfähig werden

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3 www.net-im-web.de EDITORIAL Laut dem Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung (BMDS) ist das Ausbaupotenzial für Glasfaser in Deutschland ist weiterhin sehr groß. Entsprechend hoch ist auch der Bedarf an privatem Kapital, um den Ausbau bislang unversorgter Gebiete weiter voranzutreiben. Mit dem neuen Memorandum of Understanding (MoU) unter dem Titel „Bestes Netz für Deutschland“ haben sich jetzt erstmals Bundesdigitalminister Dr. Karsten Wildberger und Vertreter der Länder, kommunalen Spitzenverbände und Telekommunikationsbranche auf eine gemeinsame Marschrichtung zum weiteren Glasfaserausausbau bekannt. Ziel ist es, den Ausbau der öffent- lichen Fest und Mobilfunknetze in Deutschland zu beschleunigen. Denn moderne TKNetze sind die Voraussetzung für eine resiliente Gesellschaft. Entsprechend zufrieden äußert sich ANGA-Präsident Thomas Braun: „Am Ende ist ein Dokument entstanden, das die Interessen der Beteiligten angemessen berücksichtigt. Es stellt eine gute Grundlage für den weiteren Dialog zwischen Wirtschaft und Politik dar. Mit großem Engagement hat es das Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung geschafft, die wesentlichen Akteure an einen Tisch zu bringen und einen tragfähigen Kompromiss zu erzielen. Das verdient Anerkennung. Klar ist aber auch: Der Stakeholderdialog kann Gesetzgebung und Regulierung nicht ersetzen.“ Auch Karsten Kluge, Vizepräsident des Bundesverbands Breitbandkommunikation e.V. (BREKO), blickt positiv in die Zukunft. „Das Memorandum schafft eine gute Grundlage für die weitere Zusammenarbeit zwischen Branche, Politik und Verwaltung. Das ist wichtig, weil Glasfaser- und Mobilfunkausbau nur gemeinsam gelingen und jeder der beteiligten Akteure eine große Verantwortung für den Erfolg dieses riesigen Infrastrukturprojekts trägt. Wir erhoffen uns den Abbau bürokratischer Hürden sowie eine Stärkung marktgetriebener Open-Access-Kooperationen im Glasfaserausbau. Denn der Glasfaserausbau in Deutschland steht an einem Wendepunkt.“ „Das Memorandum of Understanding ist ein starkes Signal: Alle Beteiligten übernehmen Verantwortung für den weiteren Ausbau digitaler Infrastrukturen“, macht VATM-Präsidentin Valentina Daiber ebenfalls deutlich. „Deutschland braucht leistungsfähige Netze, fairen Wettbewerb und eine bestmögliche Nutzung der vorhandenen Infrastruktur. „Das MoU setzt dafür wichtige Akzente. Jetzt kommt es darauf an, den gemeinsamen Anspruch in konkrete Fortschritte zu übersetzen.“ Ihr Bernhard Reimann Bestes Netz für Deutschland – Silberstreif am Horizont 6-7/2026

4 www.net-im-web.de Inhalt Kommunikationsmanagement Satellitenkommunikation entwickelt sich für Mobilfunknetzbetreiber vom technolo- gischen Nischenthema zu einem strategischen Hebel. Treiber dieser Entwicklung sind keine neuen technischen Möglichkei- ten, sondern strukturelle Veränderungen in zentralen Geschäftsfeldern: ein weitgehend gesättigter Privatkundenmarkt sowie ein dynamisch wachsendes, anspruchsvolleres Geschäftskundensegment. Seite 10 Daten- und Rechenzentren Über weite Teile der vergangenen zwei Jahrzehnte befand sich Europa in einer unbequemen Position innerhalb der globalen Technologieökonomie. Der Kontinent brachte Spitzenforschung, hochqualifizierte Ingenieure und anspruchsvolle Industriesysteme hervor, scheiterte jedoch wiederholt daran, diese Vorteile in dominante Technologieplattformen umzuwandeln. Amerikanische Unternehmen dominierten die Cloud-Revolution, chinesische Konzerne skalierten industrielle Kapazitäten in rasantem Tempo, und Europa fand sich häufig in der Rolle wieder, die Zukunft zu regulieren, anstatt sie selbst zu gestalten. Seite 26 Netze Der Hausanschluss ist gesetzt, die Glasfaser liegt im Keller, der Netzbetreiber meldet Fortschritt. In der Statistik zählt das Gebäude womöglich bereits als erschlossen. Doch zwei Stockwerke höher entscheidet sich, ob aus Infrastruktur wirklich ein nutzbarer Anschluss wird: kein freier Steigschacht, ein Eigentümer, der keinen sichtbaren Kabelkanal im Treppenhaus akzeptiert oder ein Leerrohr mit zu engem Biegeradius sind häufig die Herausforderungen. Seite 35 Netzbetreiber und -dienste Die öffentliche Infrastruktur in Deutschland steht unter enormem Druck: Sanie- rungsstau, Fachkräftemangel, komplexe Vergabeverfahren und wachsende gesetzliche Anforderungen prägen den Alltag von Kommunen und anderen Branchenakteuren. Gleichzeitig eröffnet die Digitalisierung neue Chancen, um Prozesse effizienter, transparenter und resilienter zu gestalten. Doch wo stehen wir wirklich? und welche Hürden bremsen Innovation aus? Seite 45 06-07/2026 Netzwerke Security Kommunikation Smart Technology Netzebene 4 mit Problemen Die Glasfaser kommt nur im Keller an SIEM versus XDR versus NDR Welche Systeme schützen wirklich vor Cyberattacken? IT Zeitschriften GbR, Friederike-Fliedner-Weg 34a, 40489 Düsseldorf Mobilfunkanbieter müssen umdenken Satellitenkommunikation wird zum Wachstumshebel Digitalisierung, Vergabe und KI Bau und Verwaltung müssen zukunftsfähig werden (Titelbild: Divinetech, Pexels) (Foto: Deutsche Telekom) Kritische Kommunikation NIS-2, KRITIS, Cyber Resilience Act: Das Thema Cybersicherheit ist für Betreiber und IT-Abteilungen in deutschen Unternehmen aktueller denn je. Der Cyber Resilience Act schafft Abhilfe, indem er die Verantwortung stärker auf Produkt- ebene verlagert. Somit verpflichtet er Hersteller und Händler, Cybersicherheit über den gesamten Produktlebenszyklus zu verankern. Auch Zutrittskontrollsyste- me sind sie heute fester Bestandteil der IT-Sicherheitsarchitektur. Seite 17 (Foto: Elvtimemaster, Pixabay) 6-7/2026 (Foto: Fernando Zhiminaicela, Pixabay) (Foto: Susanne Plank, Pixabay) (Foto: Piebat, Pexels)

5 www.net-im-web.de 06-07/2026 6-7/2026 3 EDITORIAL 6 PERSONEN 7 TRENDS & FAKTEN KOMMUNIKATIONSMANAGEMENT 10 Mobilfunkanbieter müssen umdenken Satellitenkommunikation wird zum Wachstumshebel Bernhard Reimann 12 Immer erreichbar, besser versorgt KI-Telefonassistenten entlasten Arztpraxen und Gesundheitseinrichtungen Jens Kameke KRITISCHE KOMMUNIKATION 14 PMRExpo 2026 auf Rekordkurs 5G, KI, Satellitenkommunikation und Cybersecurity imFokus Bernhard Reimann 15 Satelliten, Drohnen, Fahrzeuge und robotische Systeme Projekt RESITEK bündelt zukunftstechnologien für den Katastrophenschutz Bernhard Reimann 17 Cybersicherheit beginnt am Eingang Zutrittskontrolle im CRA-Zeitalter Sergii Levitov SCHWERPUNKT DATEN- UND RECHENZENTREN 20 SIEM versus XDR versus NDR Welche Systeme schützen wirklich vor Cyberattacken? Kai-Oliver Detken 23 Stadtwerke als Colocation-Betreiber Digitale Infrastruktur, Energiewende und kommunale Wertschöpfung Thomas Borg, Oliver Ulke 26 Europas Moment der Quantensouveränität Von wissenschaftlicher Exzellenz zu strategischer Infrastruktur Bernhard Reimann NETZE 29 KI-basierte NetOps Was KI nicht weiß, gefährdet Netzwerke Wolfgang Huber 32 KI-Resilienz statt KI-Hype Klassische Cybersecurity ist für KI-Infrastrukturen unzureichend Bernhard Reimann 35 Netzebene 4: Die Glasfaser kommt im Keller an Und dann beginnt das eigentliche Problem Bernhard Reimann 39 Mehr IT-Sicherheit in Unternehmensnetzen Wenn der Roboterschwarm das Haus durchsucht Bernhard Reimann 41 Glasfaserausbau nicht zu Ende gedacht Nur jedes dritte Unternehmen nutzt Glasfaser bis zum Arbeitsplatz Bernhard Reimann NETZBETREIBER UND -DIENSTE 42 Weitblick zahlt sich für die Stadtwerke Unna aus Zuverlässige IT-Infrastruktur ist die Voraussetzung für sichere Netzwerke Dagmar Ecker 44 Mehr als nur eine Bestandsaufnahme 3D-Vermessung wird zur Echtzeit-Qualitätskontrolle im deutschen Bauwesen Christoffer Winquist 45 Digitalisierung, Vergabe und Künstliche Intelligenz Bau und Verwaltung im Infrastrukturbereich müssen zukunftsfähig werden Bernhard Reimann 48 PRODUKTE 50 Impressum

6 www.net-im-web.de PERSONEN Ralph Dörfler übernimmt als Head of IT-Security bei bitformer Celia Pelaz wird CEO Defence & New Space von Schaeffler Michael Wüstemeier ist neuer CRO der Proalpha Group emproof verstärkt Führungsteam mit Daniel Willms Gudrun Scharler wird CEO von Riedel Networks Hannes Grubinger ist Chief Product & Marketing Officer bei R&M Die bitformer GmbH baut ihre Kompetenzen im Bereich IT- und Cybersicherheit weiter aus und verstärkt ihr Team. Ralph Dörfler übernimmt ab sofort die Rolle des Head of IT-Security. Ralph Dörfler verfügt über einen umfassenden technologischen Hintergrund und langjährige Erfahrung entlang der gesamten IT-Wertschöpfungskette. Seine beruflichen Wurzeln liegen in der Administration komplexer IT-Infrastrukturen. Ergänzt wird dieses solide Fundament durch praktische Erfahrungen in der Softwareentwicklung sowie durch fundierte Kenntnisse im IT-Projektmanagement. Zuletzt war er im Bereich Corporate IT- und Cyber-Security eines DAX-Konzerns tätig. Celia Pelaz (48) wird zum 1. Oktober 2026 CEO „Defence & New Space“ von Schaeffler und übernimmt die Leitung der Geschäftsführung der STech Defence GmbH. Die STech Defence GmbH wurde Ende des Jahres 2025 als eigenständige Tochtergesellschaft der Schaeffler AG gegründet und wird sich auf die Bereiche Verteidigung und New Space fokussieren. Neben Celia Pelaz hat Manfred Homm (60) die Position des CTO inne. Die Funktion des CFO wird zurzeit interimistisch von Dr. Christopher Köth (42) wahrgenommen. Celia Pelaz war zuletzt Chief Operating Officer (COO) und Mitglied des Management Boards bei Spire Global. Die Proalpha Group beruft Michael Wüstemeier für die neugeschaffene Position des Chief Revenue Officers (CRO). Michael Wüstemeier wird in seiner neuen Funktion direkt an Eric Verniaut, CEO der Proalpha Group, berichten. Wüstemeier ist seit 18 Jahren für die Proalpha Group tätig. In dieser Zeit hat er unter anderem als Managing Director (MD) überaus erfolgreich die Geschicke der Proalpha Landesgesellschaft in Österreich geleitet. Anschließend hat er in seiner Funktion als Chief Operating Officer (COO) ERP und Mitglied der Geschäftsleitung das Geschäftsergebnis der Proalpha Group weiter ausgebaut. Das Bochumer Deep-Tech-Unternehmen emproof gibt die Ernennung von Daniel Willms zum Director Growth bekannt. Mit dieser strategischen Personalie treibt das Scale-up die Vermarktung seiner Sicherheitslösung Emproof Nyx voran. In seiner neuen Rolle bei emproof wird Daniel Willms künftig alle Vertriebsaktivitäten, die Marketingstrategie und die Synchronisierung derer verantworten, um die Marktführerschaft von emproof unter anderem in den Bereichen Defense Industrial IoT und Automotive weiter auszubauen. Zuletzt war er als Head of Marketing & Sales bei chargecloud tätig, wo er maßgebliche Impulse im Bereich der Elektromobilität setzte. Die Riedel Group hat Gudrun Scharler zur CEO von Riedel Networks ernannt. Scharler übernimmt die Position von Michael Martens, der Riedel Networks seit 2012 leitete und die Übergabe bis Ende August begleiten wird. Scharler bringt umfassende Managementerfahrung aus führenden Telekommunikations- und Technologieunternehmen mit. Dabei lag ihr Schwerpunkt auf der Steuerung komplexer Organisationen. In ihrer Laufbahn war Scharler Chief Operations Officer bei Unitymedia und hatte weitere Führungspositionen bei Nets Group, E-Plus, Sunrise Communications und Telefónica Germany inne. Dr. Hannes Grubinger hat die Position des Chief Product & Marketing Officers (CPMO) bei R&M übernommen. Gleichzeitig ist er neues Mitglied der Geschäftsleitung. In seiner neuen Rolle wird Hannes Grubinger sicherstellen, dass die globalen Go-to-Market-Aktivitäten eng mit der Produktstrategie und der Innovations-Roadmap von R&M abgestimmt sind. „Mit seiner umfassenden Expertise und seinem kooperativen Führungsstil wird Hannes unser Produktportfolio weiter stärken, Innovationen vorantreiben und die globale Marktorientierung im Unternehmen weiter ausbauen“, so R&M CEO Dr. Roger Baumann. www.bitformer.net www.riedel-networks.net www.proalpha.com www.rdm.com www.emproof.com www.schaeffler.com 6-7/2026

www.net-im-web.de 7 DS GVO wird jedes Jahr aufwendiger Zehn Jahre nach dem Start der der europäischen Datenschutz-Grundverordnung (DS-GVO) ist der Datenschutz in den Unternehmen fest verankert. Zugleich werden Aufwand, Komplexität und Rechtsunsicherheit von Jahr zu Jahr größer. Während Anfang 2018, kurz vor Anwendbarkeit der DS-GVO, erst 7 Prozent der Unternehmen die Vorgaben vollständig oder größtenteils umgesetzt hatten, sind es 2024 bereits 71 Prozent. Im gleichen Zeitraum hat sich die Wahrnehmung der DS-GVO als Belastung jedoch dramatisch verstärkt: 2016 sagte ein Viertel der Unternehmen (25 Prozent), die DS-GVO mache ihre Geschäftsprozesse komplizierter, 2025 sind es 81 Prozent. 84 Prozent der Unternehmen berichten 2024, dass ihr Aufwand für den Datenschutz seit Einführung der DS-GVO gestiegen ist. 2025 bewerten 97 Prozent den Aufwand für Datenschutz als hoch, davon 44 Prozent als sehr hoch. Haben 2020 noch 40 Prozent der Unternehmen beklagt, dass Deutschland es mit dem Datenschutz übertreibt, sind es mit 72 Prozent im Jahr 2025 fast doppelt so viele. Das sind Ergebnisse einer Langzeitbefragung, für die Bitkom Research im Auftrag des Digitalverbands Bitkom seit 2016 jährlich Unternehmen ab 20 Beschäftigten in Deutschland repräsentativ befragt, zuletzt 603 Unternehmen aus allen Branchen. Die Ergebnisse wurden im Studienbericht „10 Jahre DS-GVO“ veröffentlicht. „Datenschutz ist keine lästige Pflicht, er ist eine zentrale Säule der digitalen Welt“, sagt Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst. „Die Erwartungen an die DS-GVO wie einheitlichere Wettbewerbsbedingungen in Europa, mehr Rechtssicherheit und weniger bürokratischer Aufwand nach der Umstellungsphase haben sich allerdings nicht erfüllt. Mit der Neuausrichtung des Datenschutzes auf das KI-Zeitalter steht jetzt die nächste Herausforderung ins Haus.” 6 von 10 Unternehmen (59 Prozent) sehen den europäischen Datenschutz im internationalen Vergleich zwar grundsätzlich als Vorteil für die KI-Entwicklung in Deutschland und Europa, in der Praxis erleben sie jedoch das Gegenteil. Zwei Drittel (69 Prozent) sagen 2025, der Datenschutz erschwere es, KI-Modelle mit genügend Daten zu trainieren. 63 Prozent sind überzeugt, dass der Datenschutz Unternehmen, die KI entwickeln, aus der EU vertreibt. Auch beim Aufbau von Datenpools, der Grundlage vieler KI- und Analyseanwendungen, berichten 59 Prozent der Unternehmen, dass entsprechende Projekte aufgrund von Datenschutzvorgaben gescheitert sind oder gar nicht erst in Angriff genommen wurden. Auch das sind deutlich mehr als noch 2020 mit 41 Prozent. “Wir brauchen eine Reform, die den Datenschutz dort stark macht, wo echte Risiken für Menschen entstehen”, so Wintergeist. www.bitkom.org Alcatel Lucent baut Notfallkommunikation aus ALE International stellt seine neuesten Innovationen für die KI-gestützte Notfallkommunikation vor. Alcatel-Lucent hilft damit Organisationen der öffentlichen Sicherheit, auch unter schwierigsten Bedingungen schneller und effektiver zu handeln. Mit ausfallsicherer Infrastruktur, einheitlicher Kommunikation und fortschrittlicher KI liefern sie missionskritische Informationen in Echtzeit. Missverständnisse in Notfällen können die Reaktion verzögern und die Risiken erhöhen. Alcatel-Lucent setzt hier an: Die neue Echtzeit-Transkription wandelt gesprochene Worte sofort in lesbaren Text um – automatisch übersetzt in mehrere Sprachen. Real-Time Text (RTT) ergänzt dies, indem es eine Zeichen-für-Zeichen-Kommunikation ermöglicht, wenn Sprache nicht praktikabel oder sicher ist. Diese Funktionen fördern den Informationsfluss und verbessern die Zusammenarbeit zwischen Behörden. Gleichzeitig stärken sie die inklusive Notfallhilfe. Für schnellere und fundiertere Entscheidungen können Sprachanrufe nahtlos in Echtzeit-Video ohne App-Installation oder Authentifizierung umgewandelt werden. Während die Audiokommunikation bestehen bleibt, erhalten Disponenten und Einsatzkräfte einen visuellen Einblick in die Lage vor Ort. So können sie Risiken besser einschätzen, Ressourcen gezielt einsetzen und Einsätze präziser koordinieren. Diese Funktion markiert einen entscheidenden Fortschritt über die reine Sprachkommunikation im Notfall hinaus. www.al-enterprise.com TRENDS & FAKTEN GDA beauftragt Rechtsgutachten Die German Datacenter Association (GDA) hat eine Initiative gestartet, um Rechenzentren gesetzlich als Infrastruktur im überragenden öffentlichen Interesse anzuerkennen. Hierzu hat der Verband der Rechenzentrumsbranche in Deutschland ein Rechtsgutachten in Auftrag gegeben. Ziel ist es, rechtliche Handlungsoptionen aufzuzeigen, wie Planungs- und Genehmigungsverfahren für Rechenzentren damit beschleunigt, rechtssicher ausgestaltet und stärker an der strategischen Bedeutung digitaler Infrastrukturen ausgerichtet werden können. Die Initiative knüpft an die Nationale Rechenzentrumsstrategie der Bundesregierung an, die eine Verdopplung der Rechenkapazitäten bis 2030 und eine Vervierfachung der Kapazitäten für KI-Anwendungen vorsieht. Das Gutachten soll eine fundierte Grundlage für die politische Diskussion schaffen und aufzeigen, wie Rechenzentren als Gegenstand überragenden öffentlichen Interesses anerkannt werden können. Ziel der Initiative ist es, somit die politischen und rechtlichen Voraussetzungen für einen beschleunigten Ausbau moderner Rechenzentrumsinfrastruktur zu verbessern. www.germandatacenters.com 6-7/2026

8 www.net-im-web.de TRENDS & FAKTEN 6-7/2026 Mindeststandards für kritische Infrastrukturen Die Resilienz von Staat, Wirtschaft und Gesellschaft ist angesichts geopolitischer Spannungen, hybrider Bedrohungen, regelmäßiger Cyberangriffe und fragiler Lieferketten zu einer drängenden sicherheitspolitischen Aufgabe geworden. In einem aktuellen Positionspapier fordert der TÜV-Verband, die Resilienz ziviler, technischer und wirtschaftlicher Infrastrukturen in Deutschland zu verbessern. Unter anderem sollten Mindestanforderungen für Notbetrieb, Redundanz und Ersatzversorgung kritischer Systeme festgelegt und deren Einhaltung unabhängig überprüft werden. Der Handlungsdruckist hoch. Das Bundeskriminalamt registrierte im Jahr 2025 in Deutschland 321 Sabotageverdachtsfälle auf Kritische Infrastrukturen und fast 1.300 verdächtige Drohnenüberflüge. Laut „TÜV-Baurechtsreport 2026“ weist gut jede dritte Brandschutzanlage in Sonderbauten wie Kliniken, Hochhäusern oder Einkaufszentren erhebliche Mängel auf. In der TÜV Cybersecurity-Studie geben 15 Prozent der Unternehmen an, im Jahr vor der Befragung Opfer eines Cyberangriffs geworden zu sein. Diese gehen zunehmend von staatlichen Akteuren aus. Aus Sicht des TÜV-Verbands stellt vor allem das Zusammenwachsen von physischen und digitalen Systemen eine besondere Herausforderung für die Sicherheit dar. www.tuev-verband.de FRK erfolgreich vor Bundesverfassungsgericht Die Abschaffung der Umlagefähigkeit der Betriebskosten eines Inhouse-Kabelnetzes (Netzebene 4, NE4) auf die Mietnebenkosten und das damit verbundene entschädigungslose Sonderkündigungsrecht sind zwei Paradebeispiele, wie der Gesetzgeber durch den Eingriff in einen funktionierenden Markt die Existenzen von Unternehmen gefährdet. Das wurde Mitte Juni bei der mündlichen Verhandlung vor dem Ersten Senat des Bundesverfassungsgerichts in Karlsruhe deutlich. „Die drei Beschwerdeführer konnte sämtliche Argumente vorbringen und die durch den Gesetzgeber verursachten wirtschaftlichen Schäden nachvollziehbar darlegen“, resümiert Ralf Berger, Vorsitzender des Fachverbands Rundfunk- und BreitbandKommunikation (FRK). Zusammen mit Tim Staupendahl, der als Rechtsanwalt für IT-Recht, Gewerbliche Schutzrechte und Wettbewerbsrecht sowie Urheber- und Medienrecht, den FRK in Rechtsfragen berät, vertrat Berger den FRK als Sachverständigen vor dem Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe. Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts steht noch aus, eine Tendenz war bei der mündlichen Verhandlung nicht zu erkennen. Der FRK wertet jedoch allein die Zulassung der drei Beschwerden als Erfolg. „Für den Gesetzgeber ist es eine Warnung, zukünftige Eingriffe in den Markt so gering wie möglich zu halten“, sagt Berger mit Blick auf die derzeitige Novelle zum Telekommunikationsgesetz (TKG). „Wir haben von Anfang an auf die Gefahren hingewiesen, wenn die Bundesnetzagentur weitreichende Eingriffsmöglichkeiten erhält“, warnt Berger. „Der Gesetzgeber sollte aus der mündlichen Verhandlung zumindest die Lehre ziehen, dem Markt mehr zu vertrauen.“ www.breitbandkongress-frk.de Infineon gewinnt Verfahren gegen Innoscience Das Landgericht München I hat in zwei weiteren Patentverletzungsverfahren - genauer gesagt aus einem Patent und aus einem Gebrauchsmuster - zwischen Infineon Technologies und Innoscience im Bereich der Galliumnitrid-(GaN)-Technologie zugunsten von Infineon entschieden. In den Verfahren geht es um die unerlaubte Nutzung der von Infineon patentierten GaN-Technologien durch das chinesische Unternehmen Innoscience. Mit den heutigen Entscheidungen verbietet das Gericht Innoscience, weitere patentverletzende Produkte in Deutschland herzustellen, zu verkaufen und zu vermarkten. Darüber hinaus verpflichtet das Gericht Innoscience zur Zahlung von Schadenersatz an Infineon. GaN spielt eine zentrale Rolle bei der Entwicklung leistungsstarker und energieeffizienter Stromversorgungssysteme für eine Vielzahl von Anwendungen, darunter Technologien für erneuerbare Energien, Rechenzentren, Industrieautomatisierung und Elektrofahrzeuge. www.infineon.com SAFENet: Digitale Souveränität in Europa Vier führende europäische Hersteller von Netzwerktechnologie – devolo, FRITZ!, LANCOM und TDT – gründen SAFENet, die Sovereignty Alliance for European Network Technology. Ihr Ziel: Europa muss die Kontrolle über seine Netze und digitale Infrastruktur behalten. Dafür tritt die Allianz an, um im Dialog mit der europäischen Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, deutlich zu machen, dass Router und Netzwerktechnologie eine Schlüsselrolle bei der Sicherung digitaler und technologischer Souveränität Europas zukommen. Wie dringlich diese Initiative ist, belegt eine aktuelle Studie der Innovate Europe Foundation (IE.F): Rund 93 Prozent des europäischen Internetverkehrs laufen über Router und Heimnetz-Gateways. Der Mobilfunk trägt gerade einmal 7 Prozent. Chinesische Hersteller kontrollieren rund knapp 40 Prozent dieses Marktes. Während die EU bei Cloud und Halbleitern aktiv gegensteuert, bleibt die zentrale Hardware-Schnittstelle jeder digitalen Kommunikation und Vernetzung – der Router – ein strategisch blinder Fleck, und das oft, ohne dass Nutzer wissen, wer ihn tatsächlich kontrolliert. Bislang fehlt noch der politische Wille, für Router und Netzwerktechnologien entsprechende regulatorische Rahmenbedingungen zu schaffen. https://safe -net.tech/

6-7/2026 Krypto-Verfahren in Behörden umstellen Das Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie SIT hat gemeinsam mit dem Hessischen Ministerium des Innern, für Sicherheit und Heimatschutz einen praxisorientierten Leitfaden zur Post-Quanten-Kryptografie (PQC) veröffentlicht. Der Leitfaden unterstützt Kommunen, Landesbehörden und andere Organisationen beim Übergang zu quantensicheren IT-Systemen und berücksichtigt behördentypische Beschaffungsregeln sowie Besonderheiten kommunaler Softwarelösungen. Der Leitfaden ist auch für Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger ohne technischen Hintergrund verständlich aufbereitet. Denn die Umstellung ist kein reines IT-Projekt. Viele unterschiedliche Bereiche müssen ineinandergreifen. Sie betrifft bestehende Systeme ebenso wie künftige Beschaffungen und muss deshalb frühzeitig geplant werden, da IT-Systeme oft viele Jahre laufen. Behörden und Kommunen können die Kryptografie allerdings nicht einfach so umstellen. Zum einen nutzen sie oft Spezialsoftware, für die mitunter noch keine zukunftssicheren Alternativen existieren. Zum anderen stellen auch behördliche Vergabeverfahren in manchen Fällen eine Herausforderung dar. Für Letzteres definiert der Leitfaden Vergabekriterien in einem Stufenmodell, die Kommunen bei der Beschaffung anwenden können. Für das Problem der Spezialsoftware beschreibt der Leitfaden als pragmatische Übergangslösung die Übertragung über einen quantensicheren Tunnel. www.sit.fraunhofer.de www.net-im-web.de 9 TRENDS & FAKTEN VATM hat IP-Adressspeicherung im Blick Der VATM sieht die LÄnder in der Pflicht, klare Regeln und realistische Fristen für die geplante gesetzliche IP-Adressspeicherung aufzustellen. „Wirksame Strafverfolgung im digitalen Raum ist wichtig“, betont VATM-Geschäftsführer Dr. Frederic Ufer. „Sie darf aber nicht auf Regeln aufbauen, die aufgrund der Umsetzungsfristen nicht realisierbar, rechtlich unsicher oder für die Unternehmen wirtschaftlich nicht tragbar sind. Wer mehr Sicherheit will, muss auch für Rechtssicherheit sorgen.“ Aus Sicht des VATM ist vor allem die vorgesehene Umsetzungsfrist von sechs Monaten unrealistisch. Neue Speicherpflichten greifen tief in Netze, IT-Systeme und Unternehmensprozesse ein. Dies kann erst sinnvoll beginnen, wenn alle gesetzlichen und technischen Vorgaben verbindlich feststehen. Darüber hinaus sollten nur Anbieter erfasst werden, die IP-Adressen tatsächlich selbst dynamisch zuweisen und bei denen eine Speicherung für spätere Ermittlungen erforderlich ist. Der Verband warnt zudem davor, die IP-Adressspeicherung isoliert zu betrachten. Im Zusammenspiel mit Sicherungsanordnungen und europäischen Regelungen können neue Datenbestände entstehen, auf die künftig auch Behörden aus anderen EU-Staaten zugreifen können. Auch diese sicherheits- und geopolitischen Fragen müssten die Länder beachten. „Deutschland braucht kein weiteres Gesetz, das erst hohe Kosten auslöst und später an rechtlichen oder praktischen Problemen scheitert. Neue Pflichten müssen gerichtsfest, technisch machbar und fair finanziert sein. Nur dann helfen sie auch den Sicherheitsbehörden dauerhaft“, betont Dr. Frederic Ufer. www.vatm.de Jetzt noch online Tickets sichern!

10 www.net-im-web.de 6-7/2026 KOMMUNIKATIONSMANAGEMENT Bernhard Reimann ist Chefredakteur der NET Bernhard Reimann Satellitenkommunikation entwickelt sich für Mobilfunknetzbetreiber zunehmend vom technologischen Nischenthema zu einem strategischen Hebel. Treiber dieser Entwicklung sind nicht primär neue technische Möglichkeiten, sondern strukturelle Veränderungen in zwei zentralen Geschäftsfeldern: ein weitgehend gesättigter Privatkundenmarkt sowie ein dynamisch wachsendes, gleichzeitig anspruchsvolleres Geschäftskundensegment. Mobilfunkanbieter müssen umdenken Satellitenkommunikation wird zum Wachstumshebel Ihren wirtschaftlichen Wert entfaltet Satellitenkommunikation im B2B- und B2C-Mobilfunkgeschäft erst durch klare Positionierung, Integration und Monetarisierung, nicht durch die Technologie allein (Foto: Fernando Zhiminaicela, Pixabay) Zwei aktuelle Studien von BearingPoint analysieren, wie Mobilfunknetzbetreiber (MNOs) satellitengestützte Konnektivität gezielt einsetzen können, um diese Herausforderungen zu adressieren – mit unterschiedlichen Logiken im B2B- und B2C-Kontext. Im Geschäftskundensegment entwickelt sich insbesondere das Internet of Things (IoT) zum zentralen Wachstumstreiber. In Deutschland wird die Zahl der IoT-Verbindungen über lizenzpflichtigen Mobilfunk von 82 Millionen im Jahr 2024 auf voraussichtlich 138 Millionen bis 2030 (Wachstum von 68 Prozent) steigen. Im Privatkundensegment hingegen ist der Markt weitgehend gesättigt: Die Mobilfunkdurchdringung lag 2024 bereits bei rund 87 Prozent, während bis 2030 nur noch ein jährliches Wachstum neuer Nutzer von etwa 0,2 Prozent erwartet wird. Gleichzeitig stagnieren die Erlöse pro Kunde trotz hoher Investitionen in Infrastruktur. Vor diesem Hintergrund rücken neue Monetarisierungsansätze in den Fokus. Absicherung kritischer Prozesse Im B2B-Umfeld wird Konnektivität zunehmend Teil operativer Wertschöpfung und somit auch Teil des Risikomanagements von Unternehmen. Satellitenkommunikation adres- siert vor allem die Grenzen terrestrischer Netze, etwa bei global verteilten, mobilen oder schwer zugänglichen Anwendungen. Entscheidend ist dabei: Unternehmen bewerten satellitengestützte Konnektivität nicht primär anhand technischer Leistungsdaten, sondern entlang wirtschaftlicher Kriterien wie: • Absicherung geschäftskritischer Prozesse • Total Cost of Ownership (TCO) • Service-Level Agreements (SLA)

11 www.net-im-web.de 6-7/2026 Mobilfunkanbieter müssen umdenken Die zugrunde liegende Analyse basiert unter anderem auf qualitativen Experteninterviews und liefert eine indikative Einordnung der Entscheidungslogiken im Markt. „Im B2B-Kontext wird Konnektivität zunehmend Teil der Wertschöpfung. Entscheidend ist dabei ihr Beitrag zur Stabilität und Verfügbarkeit geschäftskritischer Prozesse. Für Mobilfunkanbieter ergibt sich daraus eine klare strategische Rolle: Satellitenkommunikation nicht als eigenständiges Produkt, sondern als integralen Bestandteil von IoT-Lösungen zu positionieren und über Plattformen zu orchestrieren“, kommentiert Julius Hafer, Partner und Telco-Experte bei BearingPoint. Sicherheit statt Netz-Upgrade Im Privatkundensegment folgt Satellitenkommunikation einer anderen Logik. Direct-to-Device (D2D)-Technologie ermöglicht erstmals eine direkte Verbindung von Smartphones mit Satelliten, entfaltet ihren Mehrwert jedoch nicht im Alltag, sondern in spezifischen Nutzungssituationen. Die Analyse zeigt eine klare Konzentration der Relevanz: • 93 Prozent der Befragten sehen D2D in Notfallsituationen als relevant • 81 Prozent bei Auslandsreisen in abgelegene Regionen • 78 Prozent bei Outdoor-Aktivitäten Die Ergebnisse basieren auf einer OnlineBefragung mit 156 Teilnehmenden aus Deutschland und dienen der indikativen Einordnung von Kundenbedürfnissen und Erwartungshaltungen. Kommerziell kann D2D insbesondere über monatliche Zusatzangebote wirksam werden: Add-on-Modelle im Bereich von rund 5,70 bis 6,00 Euro pro Monat können eine Steigerung des durchschnittlichen Umsatzes pro Nutzer im Mobilfunksegment von bis zu 40 Prozent ermöglichen. „Im B2C-Markt entsteht der wirtschaftliche Wert von Satellitenkommunikation in kritischen Momenten. Dieser emotionale Anker bildet die Grundlage für Zahlungsbereitschaft. Entscheidend ist daher, D2D konsequent als Sicherheitsversprechen zu positionieren und nicht als weiteres technisches Feature. Der Wert entsteht im Angebot, nicht im Netz“, so Julius Hafer. Erfolgsfaktor Kundenschnittstelle Für Mobilfunknetzbetreiber wird Satellitenkommunikation damit zu einer strategischen Weichenstellung. Differenzierung entsteht weniger durch die Verfügbarkeit der Technologie als durch deren Integration in marktfähige Angebote und durch die Fähigkeit, die Kundenschnittstelle zu besetzen. „Die zentrale Frage lautet nicht mehr, ob satellitengestützte Konnektivität Teil des Portfolios wird, sondern wie konsequent sie entlang der jeweiligen Marktlogiken in B2B und B2C umgesetzt wird. Der wirtschaftliche Mehrwert entsteht dabei durch die gezielte Übersetzung in konkrete Angebote, Services und Geschäftsmodelle“, resümiert Julius Hafer. www.bearingpoint.com Im Privatkundensegment ermöglicht Direct-to-Device (D2D)-Technologie erstmals eine direkte Verbindung von Smartphones mit Satelliten, entfaltet ihren Mehrwert jedoch nicht im Alltag, sondern in spezifischen Nutzungssituationen .(Grafik: BearingPoint) Im B2B-Umfeld wird Konnektivität zunehmend Teil operativer Wertschöpfung und somit auch Teil des Risikomanagements von Unternehmen. Satellitenkommunikation adressiert vor allem die Grenzen terrestrischer Netze (Grafik: BearingPoint)

12 www.net-im-web.de 6-7/2026 KOMMUNIKATIONSMANAGEMENT Jens Kameke ist Produktmanager und verantwortlich bei der fonial GmbH für das Online-Marketing Jens Kameke Die Telefone in Arztpraxen und medizinischen Einrichtungen stehen kaum still: Terminvereinbarungen, Rezeptanfragen, Rückfragen zu Befunden oder organisatorische Anliegen bestimmen den Alltag am Empfang. Gleichzeitig müssen Patientinnen und Patienten betreut, Abläufe koordiniert und Dokumentationen geführt werden. Die Folge: lange Warteschleifen, verpasste Anrufe und ein hoher organisatorischer Druck für Praxisteams. Genau hier setzt die KI-gestützte Telefonassistenz an. Immer erreichbar, besser versorgt KI-Telefonassistenten entlasten Arztpraxen und Gesundheitseinrichtungen KI-gestützte Telefonassistenten verändern die Erreichbarkeit im Gesundheitswesen nachhaltig. Sie entlasten Praxisteams, strukturieren Abläufe und sorgen dafür, dass keine Patientenanfrage verloren geht (Foto: Joel Fazhari, Pixabay) Eine KI-gestützte Telefonassistenz nimmt Anrufe automatisch entgegen, versteht die Anliegen der Anrufenden und reagiert unmittelbar: Termine werden vereinbart oder verschoben, Rezeptwünsche aufgenommen, Informationen dokumentiert und strukturiert an das Praxisteam weitergegeben. Für Patientinnen und Patienten fühlt sich das wie ein natürliches Gespräch an – ohne lange Wartezeiten oder mehrfaches Weiterverbinden. Technisch basiert die Lösung auf einer IP-fähigen Telefonanlage wie beispielsweise der fonial Cloud PBX. Diese leitet eingehende Anrufe an die KI weiter und integriert die Informationen anschließend wieder in die bestehenden Praxisabläufe. Im Hintergrund sorgen Cloud-Schnittstellen dafür, dass Kalender, Praxissoftware oder E-MailSysteme angebunden werden können. Für die Einrichtung selbst bleibt vieles vertraut: Die bestehende Telefonie bleibt erhalten, während die Prozesse dahinter intelligenter und effizienter werden. „Der KI-Telefonassistent ist kein Ersatz für die Telefonanlage – er ist ihre logische Erweiterung. Wer bereits eine fonial Cloud-Telefonanlage nutzt, kann den KI-Assistenten in unter zehn Minuten live schalten, ohne Anbieterwechsel und ohne IT-Aufwand“, erklärt Jens Kameke, Produktmanager bei der fonial GmbH. Sobald ein Gespräch beginnt, greifen Spracherkennung und Sprachverarbeitung ineinander. Sagt ein Patient beispielsweise: „Ich müsste meinen Termin nächste Woche verschieben und brauche außerdem ein Folgerezept“, erkennt die KI nicht nur einzelne Wörter, sondern die eigentliche Absicht. Sie prüft freie Zeitfenster, schlägt passende Termine vor und dokumentiert gleichzeitig die Rezeptanfrage. Dadurch gehen keine Informationen verloren, und das Praxisteam kann direkt weiterarbeiten. Zusätzlich unterstützt der Assistent mehrere Sprachen wie Deutsch und Englisch – ein Vorteil insbesondere für Praxen mit internationaler Patientenschaft.

13 www.net-im-web.de 6-7/2026 Immer erreichbar, besser versorgt Auch im Krankenhausumfeld kann die KI-gestützte Telefonassistenz unterstützen. Interne Rückfragen zwischen Stationen, Terminabstimmungen oder externe Anfragen von Patientinnen und Patienten lassen sich vorqualifizieren und strukturiert weiterleiten. Pflegekräfte und Verwaltung werden dadurch entlastet, während Anliegen schneller an die richtige Stelle gelangen. Zudem entscheidet im Hintergrund eine intelligente Routing-Logik, was automatisiert erledigt wird und wann ein Mensch übernehmen sollte. Routineanfragen laufen selbstständig durch, komplexere oder sensible Themen werden gezielt weitergeleitet – inklusive aller bereits gesammelten Informationen. Integration in bestehende Systeme Wie reibungslos die Einbindung funktioniert, zeigen Lösungen wie ScaleTalk, ein von fonial zertifizierter KI-Partner, der auf die Kompatibilität mit der fonial Cloud-Telefonanlage geprüft wurde. Das offene Partnermodell ermöglicht es Gesundheitseinrichtungen, bestehende Telefonnummern und Funktionen weiterhin zu nutzen. Gleichzeitig lassen sich Kalender, E-Mail-Systeme oder Praxisverwaltungssoftware anbinden, sodass Termine automatisch abgestimmt und Informationen direkt weitergeleitet werden können. Dadurch entsteht ein durchgängiger Kommunikationsfluss – vom ersten Anruf bis zur finalen Bearbeitung. Auch außerhalb der regulären Sprechzeiten bleibt das System aktiv. Statt auf einer klassischen Mailbox zu landen, sprechen Anrufende direkt mit der KI. Anliegen werden aufgenommen, strukturiert zusammengefasst und in die bestehenden Abläufe integriert. So entsteht ein digitales Front Office, das rund um die Uhr erreichbar bleibt, ohne zusätzliches Personal zu benötigen. Sicherheit und Datenschutz Im Gesundheitswesen sind Datenschutz und Vertraulichkeit besonders wichtig. Deshalb ist der fonial KI-Telefonassistent konsequent auf Sicherheit und Compliance ausgelegt: Alle Daten werden TLS-verschlüsselt übertragen, die Verarbeitung erfolgt ausschließlich in Rechenzentren in Deutschland. fonial ist ISO 27001-zertifiziert, DSGVO-konform und bereits auf den EU AI Act vorbereitet. Gesprächsinhalte werden nachvollziehbar dokumentiert und datenschutzkonform in bestehende Kundensysteme integriert – ein wichtiger Aspekt für Arztpraxen und andere medizinische Einrichtungen. Fazit KI-gestützte Telefonassistenten verändern die Erreichbarkeit im Gesundheitswesen nachhaltig. Sie entlasten Praxisteams, strukturieren Abläufe und sorgen dafür, dass keine Patientenanfrage verloren geht. Gleichzeitig lernen die Systeme kontinuierlich dazu, erkennen wiederkehrende Muster und passen sich an die Anforderungen medizinischer Einrichtungen an. Mit KI-Telefonassistenten stehen Arztpraxen und Gesundheitseinrichtungen Lösungen zur Verfügung, die professionelle Erreichbarkeit rund um die Uhr ermöglichen – ohne eigene IT-Abteilung und ohne grundlegende Veränderungen bestehender Systeme. So entsteht Schritt für Schritt ein Kommunikationssystem, das den Praxisalltag effizienter gestaltet und gleichzeitig mehr Zeit für das Wesentliche schafft: die Betreuung der Patienten. www.fonial.de/ki-telefonassistent Sobald ein Gespräch beginnt, greifen Spracherkennung und Sprachverarbeitung ineinander. Zusätzlich unterstützt der Assistent mehrere Sprachen wie Deutsch und Englisch. Ein Vorteil für Praxen mit internationaler Patientenschaft (Bild: fonial) Auch außerhalb der regulären Sprechzeiten bleibt das System aktiv. Anrufer sprechen direkt mit der KI. Anliegen werden aufgenommen, strukturiert zusammengefasst und in die bestehenden Abläufe integriert (Bild: fonial)

14 www.net-im-web.de 6-7/2026 KRITISCHE KOMMUNIKATION PMRExpo 2026 auf Rekordkurs 5G, KI, Satellitenkommunikation und Cybersecurity im Fokus Bernhard Reimann ist Chefredakteur der NET Bernhard Reimann Die PMRExpo steuert 2026 auf ein Rekordjahr zu: Bereits fünf Monate vor Veranstaltungsbeginn haben mehr als 200 Aussteller ihre Teilnahme an der Europäischen Leitmesse für Sichere Kommunikation bestätigt. Neue Themen wie 5G, Künstliche Intelligenz, Satellitenkommunikation, Cyberresilienz und die zivil-militärische Zusammenarbeit gewinnen an Bedeutung. „Einen vergleichbar hohen Buchungsstand fünf Monate vor Veranstaltungsbeginn gab es bislang noch nie“, sagt Alexander Wolff, Director der PMRExpo. „Die starke Nachfrage unterstreicht die Relevanz der PMRExpo als zentrale europäische Plattform für sichere einsatz- und geschäftskritische Kommunikation und zeigt zugleich, wie hoch der Bedarf an professionellen Kommunikationslösungen sowie fachlichem Austausch innerhalb der Branche ist.“ PMeV-Vorstandsvorsitzender Bernhard Klinger erklärt: „Der hervorragende Buchungsstand der PMRExpo 2026 unterstreicht eindrucksvoll die enorme Bedeutung unserer Messe für die Branche der sicheren sowie einsatz- und geschäftskritischen Kommunikation. Gerade vor dem Hintergrund der angespannten geopolitischen Lage, wachsender Anforderungen an Resilienz und Krisenvorsorge sowie der fortschreitenden digitalen Transformation der Wirtschaft steigt der Bedarf an hochverfügbaren und sicheren professionellen Kommunikationslösungen stetig. Als Europäische Leitmesse für Sichere Kommunikation bietet die PMRExpo ‚die‘ zentrale Plattform für Innovation, Austausch und den Dialog zwischen Industrie, Anwendern und Politik.“ Hohe Beteiligung Zu den Unternehmen, die sich früh angemeldet haben, zählen zahlreiche nationale und internationale Marktführer und Innovationstreiber der Branche. Dazu gehören unter anderem 450connect, Airbus Secure Land Communications, eurofunk Kappacher, Frequentis, Hexagon, HMF Smart Solutions, Motorola Solutions, Sepura und Tait Communications. Mit ENTEL, Haven Technologies, High Sec Labs sowie Teltronic haben zudem weitere internationale Anbieter ihre erstmalige Teilnahme als Hauptaussteller bestätigt. Neue Themen im Fokus Die PMRExpo fördert den Wissens- und Erfahrungsaustausch zu sicherer, resilienter und vernetzter Kommunikation in kritischen Einsatz- und Betriebsumgebungen. Im Fokus stehen vernetzte Kommunikations-, Leitstellen- und Datensysteme für Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS), Kritische Infrastrukturen (KRITIS), Industrie und viele weitere Wirtschaftssektoren. Ergänzend zum professionellen Mobilfunk gewinnen Themen wie 5G, Künstliche Intelligenz, Satellitenkommunikation, Cyberresilienz und die zivil-militärische Zusammenarbeit weiter an Bedeutung. Parallel zur Fachausstellung bietet der PMRExpo Summit ein hochkarätiges Konferenzprogramm unter dem Leitthema „Resilient vernetzt. Herausforderungen und Lösungen in der kritischen Kommunikation der nächsten Generation“. Hier diskutieren Expertinnen und Experten aktuelle Herausforderungen, technologische Entwicklungen und Zukunftsaussichten der Branche. Zusätzliche Impulse für Wissenstransfer und Vernetzung setzen spezialisierte Formate wie der 5G-Hub for Private Networks, ein eigener 5G-Thementag innerhalb der Connecting Area, die Start-up Area sowie der Hackathon@PMRExpo in Zusammenarbeit mit COREVAS GmbH & Co.KG. 25 Jahre PMRExpo Mit der PMRExpo 2026 feiert die Veranstaltung ihr 25-jähriges Bestehen. Seit einem Vierteljahrhundert begleitet sie maßgeblich die Entwicklung der sicheren einsatz- und geschäftskritischen Kommunikation und hat sich zur europäischen Leitmesse für sichere Kommunikation entwickelt. Von klassischen Funklösungen bis hin zu privaten 5G-Netzen und digitalen Kommunikationsplattformen spiegelt die PMRExpo die technologische Entwicklung des Marktes wider und setzt wegbereitende Akzente für seine Zukunft. Als Denkfabrik und Innovationstreiber der Branche prägt sie den fachlichen Austausch und setzt kontinuierlich Impulse für technologische Innovationen und neue Anwendungsfelder. Die PMRExpo 2026 findet vom 24. bis 26. November 2026 in Köln statt. www.pmrexpo.com/de

15 www.net-im-web.de 6-7/2026 KRITISCHE KOMMUNIKATION Satelliten, Drohnen, Fahrzeuge und robotische Systeme Projekt RESITEK bündelt Zukunftstechnologien für den Katastrophenschutz Bernhard Reimann ist Chefredakteur der NET Bernhard Reimann Extremer Regen, Pegelstände steigen, Überschwemmungen – innerhalb von kürzester Zeit müssen Menschen gerettet und kritische Infrastrukturen gesichert werden. Wie kann das gelingen, wenn auch Energie-, Kommunikations- und Verkehrssysteme von der Katas- trophe betroffen sind? Wer koordiniert dann die Einsatzkräfte und stellt Lageinformationen bereit? 16 Institute aus dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) haben jetzt gezeigt, wie neue Technologien die Prozesse im Katastrophenschutz stärken und verbessern können. In Zusammenarbeit mit Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben hat das DLR im Landkreis Ahrweiler (Rheinland-Pfalz) eine Technikübung in einem realistischen Szenario durchgeführt. Der Schwerpunkt liegt auf der Demonstration neuer Technologien, dem Zusammenspiel der Systeme und deren Nutzen für die Einsatzkräfte. „Unvollständige oder verzögerte Lageinformationen, fehlende Verbindungen sowie unzureichend vernetzte Akteure können die Effizienz von Einsatzmaßnahmen im Katastrophenfall erheblich beeinträchtigen. Schadensereignisse wie großflächige Hochwasserlagen, Stürme oder Stromausfälle zeigen die hohe Abhängigkeit der Gesellschaft von funktionierenden kritischen Infrastrukturen“, sagt Prof. Dr.-Ing. Anke Kaysser-Pyzalla, Vorstandsvorsitzende des DLR. „RESITEK zeigt, wie moderne Technologien den Katastrophenschutz stärken können. Entscheidend ist dabei nicht nur die Leistung einzelner Systeme, sondern ihr Zusammenspiel. Alle beteiligten Partner profitieren von dem während der Übung stattfindenden intensiven Wissensaustausch.“ Ein Szenario für Hochwasser Das ist das konkrete Szenario für die Übung im Rahmen des DLR-Projekts RESITEK (Resiliente Technologien für den Katastrophenschutz): Ein Hochwasser hat verheerende Ausmaße angenommen, und mehrere Kommunen fordern Hilfe an. Das Kommunikationsnetz ist ausgefallen. Straßen, Brücken und Gebäude sind zerstört. Menschen müssen evakuiert und versorgt werden. Nach der Alarmierung erfasst das DLR in diesem Szenario schnell und großflächig die Lage und unterstützt die Rettungsmaßnahmen. Mit Hilfe von Satellitendaten, Drohnenflügen und einer Erkundung durch robotische Systeme ergibt sich schließlich ein genaues Bild der Situation. Zusätzlich wird ein lokales Kommunikationssystem aufgebaut. Über dieses System tauschen Einsatzkräfte Informationen aus und erhalten auch Daten aus Ferngesteuerte und autonome Drohnen wie diese Drohne vom DLR-Institut für Flugsystemtechnik helfen bei der Suche nach vermissten Personen und der Erkundung der Lage aus der Luft

16 www.net-im-web.de 6-7/2026 Satelliten, Drohnen, Fahrzeuge und robotische Systeme gefährlichen oder schwer zugänglichen Bereichen. Teams des DLR führen gemeinsam mit dem Bayerischen Roten Kreuz (BRK) und dem Deutschen Roten Kreuz (DRK) Rheinland-Pfalz untereinander abgestimmte Maßnahmen durch. Ferngesteuerte und autonome Drohnen helfen bei der Suche nach vermissten Personen und bei der Erkundung. Wichtig dabei: Es gibt ein gemeinsames Luftraumlagebild, das heißt, alle Drohnen und Hubschrauber können koordiniert werden. Im Szenario der Übung simulieren die Forscher deswegen zusätzlich Hubschraubereinsätze. Robotische Systeme unterstützen die Erkundungsmission. Dazu gehören die Robotik-Drohne Ardea, der Scout Rover und das vom World Food Programme (WFP) bereitgestellte Amphibienfahrzeug SHERP. SHERP übernimmt auch Transport- und Versorgungsaufgaben. Informationen kombinieren Alle gewonnenen Informationen fließen im Lagezentrum des DLR zusammen. Dort werten die Forscher Satellitendaten, Luftbilder, Drohnenaufnahmen sowie Erkenntnisse der Rover mithilfe künstlicher Intelligenz aus und bündeln sie in einem gemeinsamen Lagebild. Dieses steht den Einsatzkräften digital über Webservices oder als gedruckte Karten zur Verfügung. Es dient als eine zentrale Grundlage für Entscheidungen und die Koordination von Maßnahmen. Resilienz kritischer Infrastrukturen Parallel dazu werden Schadensszenarien analysiert und Modelle entwickelt, die die Resilienz von Stromnetzen stärken. Auch die Planung von vorteilhaften Routen für Einsätze und Evakuierungen ist ein Thema. Hinzu kommt generell die Gefahr durch das Weltraumwetter: Sonnenstürme können kritische Infrastrukturen stören. Verbesserte Vorhersagemodelle helfen, ihre Auswirkungen auf Stromnetze und Kommunikationsverbindungen frühzeitig abzuschätzen. www.dlr.de/de Unterschiedliche ferngesteuerte und autonome Drohnentypen des DLR helfen bei der Suche nach Vermissten und der Erkundung aus der Luft. Diese Drohne mit MACS-Kamera unterstützt bei der Echtzeitkartierung von Einsatzlagen SHERPs sind besonders geländegängig und werden vom Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) für Hilfs- und Rettungseinsätze in unwegsamem Gelände und sogar im Wasser genutzt Satellitendaten und Bilder der fliegenden und bodengebundenen robotischen Systeme laufen in der Einsatzzentrale zusammen und dienen der Erstellung aktueller Lagekarten (Fotos: DLR/Leon Jakobs)

17 www.net-im-web.de 6-7/2026 KRITISCHE KOMMUNIKATION Cybersicherheit beginnt am Eingang Zutrittskontrolle im CRA-Zeitalter Sergii Levitov ist Lead Engineer bei Interflex Datensysteme GmbH und begleitet die CRA-Umsetzung seit 2024 Sergii Levitov NIS-2, KRITIS, Cyber Resilience Act: Das Thema Cybersicherheit ist für Betreiber, IT-Abteilungen und Sicherheitsbeauftragte in deutschen Unternehmen aktueller denn je – und war noch nie so anspruchsvoll wie heute. Der Cyber Resilience Act schafft Abhilfe, indem er die Verantwortung stärker auf Produktebene verlagert. Somit verpflichtet er Hersteller, Händler und Importeure, Cybersicherheit über den gesamten Produktlebenszyklus zu verankern. Obwohl Zutrittskontrollsysteme nur selten direkt mit Cybersicherheit in Verbindung gebracht werden, sind sie heute fester Bestandteil der IT-Sicherheitsarchitektur. Der Cyber Resilience Act (CRA) wurde als EU-weite Verordnung am 10. Dezember 2024 verabschiedet – und wird bis Jahresende 2027 schrittweise wirksam. Eine wichtige Zwischenetappe: Im September 2026 treten erste Meldepflichten für Schwachstellen und sicherheitsrelevante Vorfälle in Kraft. Die verbindlichen Cybersicherheits- und Compliance-Anforderungen für alle Produkte mit digitalen Elementen gelten ab Dezember 2027 – von sicherheitskritischen Industriesystemen bis zur eigenen Smartwatch. Hierfür gelten verschiedene Grundprinzipien – angefangen bei Security by Design und Security by Default. Doppelt abgesichert „Security by Design“ bedeutet, dass Sicherheit als fester Bestandteil des Entwicklungsprozesses mitgedacht wird – nicht als nachträgliche Aufrüstoption oder optionales Feature. Für Hersteller bedeutet das: Sicherheitsanforderungen fließen von Beginn an in die Produktarchitektur ein. Außerdem müssen Produkthersteller etwaige Schwachstellen systematisch identifizieren und bewerten, bevor sie ihr Produkt auf den Markt bringen. „Security by Default“ ergänzt dieses Prinzip mit Blick auf die Installation: Produkte müssen im Auslieferungszustand sicher konfiguriert sein, um aufwändige Sicherheitskonfigurationen von Betreiberseite zu verhindern. Beispiele hierfür sind etwa unsichere Standardpasswörter oder vermeidbare offene Dienste und Schnittstellen. Schwachstellen gezielt aufdecken Ergänzt werden diese Leitprinzipien durch ein prozessorientiertes Schwachstellenmanagement: Hersteller sind verpflichtet, bekannte Schwachstellen systematisch zu verfolgen, zu bewerten und verbindlich während eines klar definierten Supportzeitraums durch Sicherheits-Updates zu schließen. Obwohl die Produkthersteller Vernetzte Zutrittskontrollsysteme sind in vernetzte IT- und Gebäudemanagement-Systeme eingebunden und mit Videoüberwachung sowie Einbruchmelde- und Brandschutz-Systemen verwoben (Foto: Susanne Plank, Pixabay)

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