45 www.net-im-web.de 6-7/2026 NETZBETREIBER UND -DIENSTE Bernhard Reimann Die öffentliche Infrastruktur in Deutschland steht unter enormem Druck: Sanierungsstau, Fachkräftemangel, komplexe Vergabeverfahren und wachsende gesetzliche Anforderungen prägen den Alltag von Kommunen, Ingenieurbüros und anderen Branchenakteuren. Gleichzeitig eröffnet die Digitalisierung – insbesondere der Einsatz Künstlicher Intelligenz – neue Chancen, um Prozesse effizienter, transparenter und resilienter zu gestalten. Doch wo stehen wir wirklich? Welche Hürden bremsen Innovation aus, und welche Lösungen funktionieren bereits heute in der Praxis? Bernhard Reimann ist Chefredakteur der NET Digitalisierung, Vergabe und Künstliche Intelligenz Bau und Verwaltung im Infrastrukturbereich müssen zukunftsfähig werden Wir sprachen mit einer Expertenrunde über den Status quo der digitalen Transformation im Vergabewesen, über Chancen und Grenzen von KI und darüber, welche Weichen jetzt gestellt werden müssen, damit Planung, Bau und Verwaltung im Infrastrukturbereich zukunftsfähig bleiben. Mit dabei waren Markus Becker, Ingenieur und Geschäftsführer der Bertold Becker GmbH und Vorstand der inframeta eG, Christiane Schäffer, Geschäftsführerin des subreport Verlag Schawe GmbH, und Sven Gasper, Geschäftsführer der AI Mapping GmbH. NET: Wie erleben Sie die aktuellen Digitalisierungsbemühungen im öffentlichen Vergabewesen – was funktioniert gut, wo hakt es? Christiane Schäffer: „Die Geschwindigkeit hat zugenommen, das ist spürbar. Viele Vergabeprozesse laufen heute digital, und das verbessert Transparenz, Effizienz und Teilhabe. Gleichzeitig hängen technische Lösungen stark von rechtlichen Vorgaben ab. Neue Regeln – wie eForms oder landesspezifische Vorgaben – müssen sofort technisch abgebildet werden. Das schafft Komplexität. Zudem sehen wir eine Zersplitterung: Unterschiedliche Anforderungen in Ländern und Kommunen erschweren standardisierte digitale Verfahren.“ Sven Gasper: „Auf dem Papier wirken wir weiter, als wir in der Praxis sind. Elektronische Vergabe ist Pflicht, dennoch sehen wir eine analoge Welt im digitalen Kleid: PDFs, Medienbrüche, händische Nachpflege. Jede Vergabestelle nutzt andere Portale und Datenstrukturen. Dies bedeutet einen massiven Aufwand für Ingenieurbüros. Es gibt einzelne Vorreiter, aber im Alltag ist das Vergabewesen oft ein Bremsklotz statt Treiber.“ Markus Becker: „Ich sehe gute Beispiele wie Subreport oder Plattformen für Leitungsauskunft. Hier wird echter Mehrwert Der Einsatz Künstlicher Intelligenz in der Verwaltung kann Vergabeverfahren beschleunigen sowie Prozesse effizienter, transparenter und resilienter gestalten. Eine Entlastung für die Kommunen (Foto: Elvtimemaster, Pixabay)
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