34 www.net-im-web.de 6-7/2026 KI-Resilienz statt KI-Hype NET: Kein Angriff – nur ein Agent, der „korrekt“ handeln wollte. Was lernt man daraus? Ch. Linden: „Zwei Dinge, erstens: Ein autonomer Agent kann den gleichen Schaden anrichten wie ein kompletter Cyberangriff, auch ganz ohne Angreifer. Wer beim Thema KI nur an Hacker denkt, übersieht die halbe Gefahr. Und zweitens: Wenn das Sicherheitsnetz im selben Zug zerstört werden kann wie die Produktivdaten, dann ist es keins. Ein Backup, das ein Agent oder Angreifer in derselben Aktion mitlöscht, gibt ein trügerisches Gefühl von Sicherheit. Das genannte Beispiel war übrigens kein Einzelfall – wir sehen immer wieder ähnliche Szenarien, in denen ein Agent innerhalb seiner Rechte Daten löscht, weil er ein neues Datenschema falsch interpretiert hat.“ NET: Wie lassen sich KI-Systeme dann überhaupt wieder „recovern“? Ch. Linden: „Hier hilft im ersten Schritt Entmystifizierung. Ein KI-System ist keine Blackbox. Letztlich besteht auch eine KIAnwendung nur aus Software, Hardware und Daten – und all das lässt sich wiederherstellen, sodass die Anwendung danach wieder läuft. Man darf nur nicht den Fehler machen, nur an „die KI“ zu denken. Recovery betrifft alles, was in der Infrastruktur läuft. Bei KI sind es allerdings mehr flexible Teile als bei klassischer Software: die Agenten und ihr Gedächtnis, Vektordatenbanken, Modellkonfigurationen, Trainingsdaten, die eigentlichen Datenbestände. Diese müssen Unternehmen zeitlich konsistent und gemeinsam auf einen verifizierten Stand zurückführen – sonst arbeitet der Agent mit einem Gedächtnis, das nicht mehr zu den Daten passt.“ NET: Gibt es etwas, das in der Praxis besonders oft übersehen wird? Ch. Linden: „Ja, dass „ein Backup haben“ nicht dasselbe ist wie „wiederherstellen können“. Ich betone das gegenüber jedem Betreiber. Sie brauchen erstens unveränderliche, von der KI-Ebene isolierte Backups, damit eben nicht passiert, was bei PocketOS geschehen ist. Sie brauchen zweitens Geschwindigkeit und Automatisierung, damit aus einem Alarmsignal direkt eine Wiederherstellung wird. Und drittens – und das ist der am meisten unterschätzte Punkt – müssen Sie regelmäßig testen, ob das Backup überhaupt geeignet ist, die Anwendung wieder lauffähig zu machen. Ein nie getesteter Restore ist eine Hoffnung, kein Plan.“ NET: Was bedeutet „AI Resilience“ dann konkret für Betreiber von Rechenzentren und hybriden Infrastrukturen? Ch. Linden: „Es bedeutet, KI über den gesamten Lebenszyklus sicher betreiben zu können und jederzeit schnell auf einen vertrauenswürdigen Zustand zurückzukommen, egal ob die Workloads On-Premises, in der Cloud oder mit SaaS laufen. Für Betreiber heißt das ganz praktisch: Die KI- und Agenten-Infrastruktur muss denselben ResilienzAnspruch erfüllen wie heute schon eine zentrale Datenbank oder ein ERP-System. Sie ist kein Experiment mehr, sondern Produktion. Der eigentliche Perspektivwechsel steckt dabei in der Leitfrage. Sie lautet nicht mehr „Haben wir ein Backup?“, sondern „Können wir unser komplettes KI-Betriebsmodell – Agenten, Gedächtnis, Modelle, Daten – schnell und nachweislich auf einen vertrauenswürdigen Zustand zurückführen?“ Wer das mit Ja beantwortet, kann KI als Geschäftsbeschleuniger nutzen, statt sie auszubremsen.“ NET: Wie geht Cohesity dieses Thema an? Ch. Linden: „Wir haben dafür eine eigene Enterprise-AI-Resilience-Strategie aufgesetzt. Im Kern schützen wir die KI- und AgentenInfrastruktur. Diese reicht von den Agenten und ihrem Gedächtnis über Vektordatenbanken bis zu Modellkonfigurationen und Trainingsdaten. Zudem behalten wir den Datenzugriff der KI im Blick und setzen Fehlverhalten von Agenten schnell zurück. Über unveränderliche Snapshots und eine synchronisierte Point-in-Time-Recovery lassen sich Agenten, Daten und Infrastruktur gemeinsam auf einen geprüften Zustand zurückführen, ohne alles neu aufbauen zu müssen. Und wir verzahnen das mit Observability-Plattformen wie Datadog oder Steuerungsebenen wie ServiceNow, sodass ein erkanntes Problem automatisch eine Wiederherstellung anstößt. Erkennung allein reicht eben nicht – man muss auch handeln können.“ NET: Auch wenn Resilienz gesamtheitlich gedacht werden muss, auf welche technischen Funktionen müssen Unternehmen achten? Ch. Linden: „Entscheidend sind Fähigkeiten wie Instant Mass Recovery sowie Recovery Automation mit Cloud Service Rebuild. Instant Mass Recovery bietet die Möglichkeit, nicht eine einzelne Anwendung, sondern massenhaft Workloads gleichzeitig und nahezu sofort wiederherzustellen, statt sie nacheinander manuell zurückzuspielen. Recovery Automation mit Cloud Service Rebuild bedeutet eine automatisierte Wiederherstellung, die nicht nur Daten zurückbringt, sondern ganze Service-Umgebungen orchestriert und neu aufbaut, ohne dass ein Mensch jeden Schritt anstoßen muss.“ NET: Ihr wichtigster Rat an Unternehmen, die jetzt mit KI-Agenten starten? Ch. Linden: „Bauen Sie Resilienz von Anfang an ein, nicht als nachträglichen Gedanken. Behandeln Sie Agenten wie eine eigene Identitätsklasse mit minimalen Rechten, isolieren Sie Ihre Backups von der KI-Ebene – und testen Sie Ihre Wiederherstellung, bevor Sie diese im Ernstfall brauchen. Wer das umsetzt, muss sich vor KI nicht fürchten. Im Gegenteil: Dann wird Resilienz zur Grundlage, auf der man KI sicher und schnell einsetzen kann.“ www.cohesity.com Herr Linden, wir danken Ihnen für das Gespräch.
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