NET 6-7/2026

www.net-im-web.de 35 6-7/2026 NETZE Bernhard Reimann Der Hausanschluss ist gesetzt, die Glasfaser liegt im Keller, der Netzbetreiber meldet Fortschritt. Auf dem Papier sieht der Ausbau gut aus. In der Statistik zählt das Gebäude womöglich bereits als erschlossen. Doch zwei Stockwerke höher beginnt oft der Teil, an dem sich entscheidet, ob aus Infrastruktur wirklich ein nutzbarer Anschluss wird: kein freier Steigschacht, ein Eigentümer, der keinen sichtbaren Kabelkanal im Treppenhaus akzeptiert, ein Leerrohr mit zu engem Biegeradius, ein Kellerflur mit Brandschutzauflagen und eine Wohnung, in der die Faser zwar ankommen soll, aber bitte ohne Staub, Lärm und sichtbare Leitungsführung. Bernhard Reimann ist Chefredakteur der NET Netzebene 4: Die Glasfaser kommt im Keller an Und dann beginnt das eigentliche Problem Viele Unternehmen haben bereits Erfahrungen in der Netzebene 3 gesammelt und möchten nun in die Netzebene 4 einsteigen. Doch dort gelten andere Anforderungen. „Die Netzebene 4 wird im Moment von vielen Unternehmen deutlich unterschätzt“, führt Nele Henning, Produktmanagerin bei Netceed, aus. „Sie sehen das Marktpotenzial, sie wollen Homes Activated anschließen, aber sie wissen oft noch nicht, wie sie konkret vorgehen sollen.“ Eines der Grundprobleme beim Glasfaserausbau. Die Netzebene 3 bringt die Faser bis zum Hausübergabepunkt. Die Netzebene 4 verteilt sie im Gebäude. In der Praxis ist das kein kleiner Anschlussrest, sondern ein eigener Planungsraum. „Jedes Projekt in der Netzebene 4 ist einzigartig“, sagt Henning. „Es ist ein großer Unterschied, ob es sich um einen Neubau handelt oder um ein Bestandsgebäude. Gerade bei Bestandsgebäuden ist es unerlässlich zu wissen, welche Infrastruktur vorhanden ist, ob es Koaxial- oder Kupfernetze gibt und ob ich daran anknüpfen kann.“ Idealfall Neubau Ein Neubau ist dabei die vergleichsweise saubere Variante. Wenn Glasfaser früh eingeplant wird, lassen sich Steigzonen definieren, Leerrohrsysteme dimensionieren, Biegeradien beachten und Wohnungsübergabepunkte sinnvoll setzen. Der Installateur arbeitet dann mit der Bausubstanz und nicht gegen sie. In einem Mehrfamilienhaus aus den sechziger Jahren sieht es dagegen anders aus. Der Hausanschlussraum dient vielleicht gleichzeitig als Waschkeller, Abstellfläche und als Standort für den alten Kabelverteiler. Die Koaxialverteilung hängt neben den Elektroleitungen, der Steigeschacht ist voll, und der Eigentümer möchte zwar Glasfaser, aber keinen sichtbaren Eingriff in das frisch gestrichene Treppenhaus. So wird aus einer scheinbar einfachen FTTH-Installation schnell ein komplexes Projekt. Der Glasfaserausbau in Deutschland nimmt Fahrt auf, immer mehr Bereiche werden erschlossen. Oftmals aber endet der Ausbau am oder im Haus, der Zugang zur Netzebene 4 bleibt also offen (Foto: Deutsche Telekom)

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