NET 6-7/2026

www.net-im-web.de 6-7/2026 www.langmatz.de Unsere Kompetenz für die Netze von heute und morgen! S Kunststoffkabelschacht SModularer Aufbau SUnzählige Größen SPerfekte Statik sogar über D400 hinaus SVariable Sollbrüche wachsenden Umgebungen vermehren sich diese Identitäten schneller, als Security-Teams sie überwachen können. Zudem erhalten sie häufig breiten, dauerhaften Zugriff auf sensible Daten und Systeme, ohne die Schutzmechanismen, die für menschliche Nutzer selbstverständlich sind. Damit vervielfacht sich die Angriffsfläche genau dort, wo Umgebungen bisher als sicher galten, nämlich in den internen Systemen.“ NET: Welche Folgen hat diese durch KI veränderte Bedrohungslandschaft für Unternehmen? Ch. Linden: „Die hohe Autonomie und Skalierung von KI-Agenten erzeugen ein erhebliches Risiko für Unternehmen, weil sich Fehler, Fehlkonfigurationen oder gezielte Manipulationen in Sekunden über vernetzte Systeme ausbreiten und so die Schadenswirkung eines Vorfalls massiv verstärken. Was bei einem menschlichen Fehler Minuten oder Stunden dauern würde, geschieht bei KI-Agenten in Sekunden – und über Anwendungsgrenzen hinweg. Der entscheidende Punkt für Rechenzentrums- und Infrastrukturbetreiber: Es geht nicht mehr nur darum, das Rechenzentrum gegen Angreifer zu schützen. Der Agent selbst – auch wenn er legitim, autorisiert und die richtigen Absichten hat – wird zu einer eigenständigen Risikoquelle im Inneren der Infrastruktur. Genau diese Innenperspektive fehlt jedoch häufig bei klassischen Security-Konzepten.“ NET: Wie können Unternehmen sich dagegen absichern – ein klassisches Backup reicht wahrscheinlich nicht mehr, oder? Ch. Linden: „Das ist korrekt. Klassische Backup-Infrastruktur wurde für eine Welt entwickelt, in der Wiederherstellung ein geplanter, von Menschen getakteter Vorgang war. Jemand ruft das Backup-Team, es wird ein Ticket erstellt, dann wird Schritt für Schritt zurückgespielt. Für eine einzelne Anwendung funktioniert das auch heute noch. Aber ein Agent hält sich nicht an Anwendungsgrenzen – er kann quer durch die IT-Landschaft Schaden anrichten, im Ausmaß eines vollständigen Cyberangriffs. Wenn der Schaden in kurzer Zeit über viele Systeme hinweg entsteht, kann die Antwort kein tagelanger, manueller Restore sein. Die Wiederherstellung muss strukturell derselben Geschwindigkeit und Breite folgen und sich daran orientieren, auf welche Anwendungen das Unternehmen wie stark angewiesen ist.“ NET: Haben Sie ein Beispiel, das zeigt, wie schlimm das ausgehen kann? Ch. Linden: „Ja, und das Erschreckende ist: Es war nicht einmal ein Angriff. Anfang 2026 hat es den Softwareanbieter PocketOS getroffen. Ein Coding-Agent suchte ein gültiges Zugangstoken, fand auch eines, jedoch an einer Stelle in völlig anderen Unternehmensdaten, die gar nichts mit dem eigentlichen Vorgang zu tun hatten und hielt sein Vorgehen dennoch für völlig korrekt – das Token war ja gültig, und der Agent hatte damit alle Berechtigungen. Niemand wusste bis dahin, dass dieses eigentlich harmlose Token auch destruktive Operationen erlaubte, bis hin zum Löschen von Produktivdaten. Der Agent hat dann in neun Sekunden den Großteil der Daten aus den letzten drei Monaten gelöscht, auch in der Produktion. Besonders bitter: Die Backups lagen im selben Speicherbereich und wurden gleich mitgelöscht. Das letzte saubere Backup war drei Monate alt.“

RkJQdWJsaXNoZXIy MjE2Mzk=