32 www.net-im-web.de 6-7/2026 NETZE Bernhard Reimann KI-Agenten handeln autonom, in Maschinengeschwindigkeit – und zunehmend mitten in der Produktivinfrastruktur von Unternehmen. Christoph Linden verantwortet bei Cohesity als Director Solution Architecture das europäische FTD (Field Technical Director)-Team und berät strategische Kunden in technischen Grundsatzfragen. Wir haben mit ihm darüber gesprochen, warum klassische Security an dieser Stelle zu kurz greift – und was „AI Resilience“ für Betreiber von Rechenzentren konkret bedeutet. KI-Resilienz statt KI-Hype Klassische Cybersecurity ist für KI-Infrastrukturen unzureichend Bernhard Reimann ist Chefredakteur der NET NET: Sie beraten europaweit Unternehmen zu Security-Themen. Wo begegnet Ihnen das Thema KI-Resilienz im Moment am häufigsten? Christoph Linden: „Es begegnet mir praktisch überall dort, wo KI aus Pilotprojekten in die Produktion wechselt. Noch vor zwölf Monaten haben Kunden mit mir über Modelle und Use Cases gesprochen. Heute sitzen Sicherheits- und Infrastrukturverantwortliche mit am Tisch und fragen: Was geschieht eigentlich, wenn dieser Agent etwas Dummes tut? Das ist der eigentliche Wendepunkt. Es geht nicht mehr um die Frage, ob KI Mehrwert bringt – das ist akzeptiert –, sondern darum, ob man sie betreiben kann, ohne sein Unternehmen zu riskieren.“ NET: Warum entstehen durch KI-Agenten völlig neue Cyberrisiken in Rechenzentren? Ch. Linden: „Der Grund dafür ist, dass sich ein Agent fundamental anders verhält als klassische Software. Eine normale Anwendung folgt festen Pfaden. Ein Agent trifft dagegen eigene Entscheidungen, greift autonom auf mehrere Systeme zu und handelt in Maschinengeschwindigkeit, häufig auch ohne menschliche Kontrolle. Damit entsteht eine neue operative Ebene in der Infrastruktur, die schnell agiert und schwer kontrollierbar ist. Und das Entscheidende: Der Agent agiert von innen. Bisher wurde viel Energie darauf verwendet, den Angreifer draußen zu halten. Jetzt kann der interne, völlig legitime und autorisierte Agent selbst zur Schadensquelle werden.“ NET: Was macht ihn denn so gefährlich, wenn er doch autorisiert ist? Ch. Linden: „Genau das ist der Punkt. Damit sie überhaupt funktionieren, erhalten Agenten oft sehr weitreichende Rechte – und zwar im Voraus. Diese Berechtigungen laufen nicht ab, werden selten überprüft und wachsen mit den Aufgaben weiter. Aus Bequemlichkeit entsteht ein stetig wachsendes Privileg. Ein einzelner Agent kann durch das Verketten von Aktionen über mehrere Systeme hinweg ein Zugriffsniveau erreichen, das kein einzelner Mensch je hätte. Wenn dann eine Fehlentscheidung passiert oder jemand den Agenten über manipulierte Eingaben kapert, breitet sich der Schaden über Anwendungsgrenzen hinweg aus – in Sekunden.“ NET: Das Security-Team kann Agenten dann nicht mehr kontrollieren? Ch. Linden: „So ist es, und zwar aufgrund der hohen Geschwindigkeit und Skalierung, mit der sich KI-Anwendungen weiterentwickeln. Jeder Agent ist faktisch eine „non-human identity“ mit eigenen Zugangsdaten, Tokens und API-Schlüsseln. In schnell Christoph Linden Die KI- und Agenten-Infrastruktur muss denselben Resilienz-Anspruch erfüllen wie heute schon eine zentrale Datenbank oder ein ERP-System. Sie ist kein Experiment mehr, sondern Produktion
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