47 www.net-im-web.de 6-7/2026 Digitalisierung, Vergabe und Künstliche Intelligenz gehe fest davon aus, dass wir in den nächsten Jahren enorme Effizienzsteigerungen sehen werden. Das Potenzial ist riesig, die konsequente Nutzung von KI ist zudem auch ein Kulturwandel, der besonders von den Menschen getrieben wird, die in Chancen denken.“ M. Becker: „Wir arbeiten bei der inframeta eG daran, statt eines Digitalen Zwillings ein Infrastrukturgedächtnis zu schaffen. Der Bürgermeister soll ohne Schulung einen Überblick über Baustellen erhalten – das funktioniert hervorragend. Subreport ist ebenfalls ein Vorbild, und die ersten KIAgenten von Reiner AI zeigen, wie praxisnah digitale Unterstützung aussehen kann.“ NET: Welche Entwicklungen bei Gesetzgebung und Vergaberichtlinien wären sinnvoll, um Innovationen zu fördern? S. Gasper: „Wir brauchen verbindliche Standards für Daten und Schnittstellen. Wenn Systeme nicht miteinander sprechen, entstehen Brüche. Zudem wäre eine Gesetzgebung sinnvoll, die innovationsfreundliche Vergabemodelle zulässt. Mehr Spielraum für funktionale Ausschreibungen, Pilotprojekte und digitale Nachweise. Vergaberichtlinien sollten Qualität, Effizienzgewinne und digitale Kompetenz stärker gewichten statt nur den Preis.“ M. Becker: „Im Gesetz sollte klarer geregelt sein, dass Perfektion kein Startpunkt sein muss. Digitalisierung ist ein Lernprozess. Auch die Vielzahl an Vergabewegen gehört entschlackt – Anwender sind keine Juristen, und Juristen keine Bauprofis. Dieses Dilemma müssen wir aufbrechen.“ Ch. Schäffer: „Ein großer Innovationsschub kam mit der verpflichtenden eVergabe und der Einführung der Textform. Das zeigt: Klare Regeln fördern Fortschritt. Für die Zukunft brauchen wir stabile Rahmenbedingungen, früh angekündigte Änderungen und ausreichend Übergangsfristen. Wettbewerb zwischen Plattformen statt zentraler staatlicher Lösungen sorgt für Innovation.“ NET: Wie wird sich das Zusammenspiel von Mensch und KI in den nächsten fünf Jahren im Bereich Infrastruktur entwickeln? M. Becker: „KI bleibt Werkzeug. Sie denkt nicht, sie versteht keine Konzepte und ist nicht robust genug für Krisenzeiten – ohne Strom, keine KI. In Friedenszeiten kann sie jedoch Routineprozesse übernehmen und damit echte Entlastung schaffen. Darin liegt ihr Wert.“ Ch. Schäffer: „Wir werden KI als Begleiter im Vergabeprozess erleben: automatische Prüfungen, intelligente Assistenzen, datenbasierte Analysen. Der Mensch bleibt entscheidend für Bewertung, Fairness und Rechtssicherheit. KI beschleunigt. Aber sie ersetzt keine Entscheidung.“ S. Gasper: „KI wird im Hintergrund arbeiten: eingebettet in Prozesse und Tools, die Ingenieure und Verwaltungen ohnehin nutzen. Sie übernimmt Recherche, Dokumentation und Strukturierung. Menschen konzentrieren sich stärker auf Entscheidungen und Kommunikation. Wir sehen auch heute schon, dass die Nutzung von KI-Anwendungen viel intuitiver sein wird als die klassischer digitaler Tools. Direkte Sprachsteuerung oder die Interaktion mit der KI über einen Chat haben die Hürde bereits heute enorm reduziert. Wir werden KI zukünftig viel mehr als echten inhaltlichen Sparringspartner sehen und nicht mehr als reine Anwendung, die ich bedienen muss. Und ganz offen gesprochen: Wir werden ohne die Kombination aus motivierten Menschen und starker KI die steigenden Anforderungen in Infrastruktur und Verwaltung langfristig nicht bewältigen können.“ www.inframenta.de https://subreport.de/ www. specific-group.com Sven Gasper Elektronische Vergabe ist Pflicht, dennoch sehen wir eine analoge Welt im digitalen Kleid: PDFs, Medienbrüche, händische Nachpflege. Jede Vergabestelle nutzt andere Portale und Datenstrukturen Christiane Schäffer Wir brauchen stabile Rahmenbedingungen, früh angekündigte Änderungen und ausreichend Übergangsfristen. Wettbewerb zwischen Plattformen statt zentraler staatlicher Lösungen sorgt für Innovation Der digitale Zwilling wird in Verwaltungen seit Jahrzehnten diskutiert, aber er kommt nicht voran Wenn Mitarbeiter fühlen, dass Digitalisierung zusätzliche Belastung bedeutet, sinkt die Akzeptanz
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