37 www.net-im-web.de 6-7/2026 Netzebene 4: Die Glasfaser kommt im Keller an dies ein Geschäft bedeuten. Für Eigentümer und Bewohner bedeutet es hingegen weitere Eingriffe. Das wird bei der Montagetechnik noch deutlicher. Klebesysteme, dünne Kanäle und transparente Leitungsführungen gelten als attraktive Lösung für den Inhouse-Ausbau. Sie lassen sich schnell verlegen, sind vergleichsweise unauffällig und vermeiden größere Bauarbeiten. Henning sieht sie besonders innerhalb der Wohnung als naheliegend. Doch sie warnt vor Pauschalurteilen: „Die Klebetechnik funktioniert nicht automatisch überall. Es hängt von den Oberflächenbeschaffenheiten ab, wie robust die Lösung sein muss und welche Anforderungen der Eigentümer oder der Netzbetreiber stellen.“ Ein glatter, trockener Wohnungsflur bietet andere Voraussetzungen als ein Kellerbereich, in dem Fahrräder geschoben, Waschmaschinen transportiert und Handwerksarbeiten ausgeführt werden. Eine geklebte Mikroleitung mag in der Wohnung elegant aussehen, ist im Fluchtweg oder im Keller jedoch zu anfällig für mechanische Belastungen. Dort verlangen manche Netzbetreiber robuste Kabelkanäle, selbst wenn bestimmte Systeme gutachterlich für Fluchtwege als geeignet bewertet wurden. Die technische Frage lautet also nicht: Kleben oder Kanal? Sie lautet: Welche Lösung hält an diesem Ort die erforderliche mechanische, optische und brandschutztechnische Belastung aus? Herausforderung Brandschutz Das Thema Brandschutz ist im Bereich der Netzebene 4 kompliziert und die Auswahl der entsprechenden Produkte, die verbaut werden sollen, nicht einfach. Denn innerhalb der Wohnungen beispielsweise sind die Anforderungen gegenüber anderen Gebäudebereichen kaum geregelt. In Mehrfamilienhäusern, öffentlichen Gebäuden, Industrieobjekten oder Kindergärten dagegen sind die Anforderungen relativ hoch. „Brandschutz ist ein großes Thema“, so Nele Henning, „welches für das jeweilige Projekt sehr genau analysiert werden muss. Jede Durchführung, jeder Fluchtweg, jeder Brandabschnitt ist separat zu betrachten. Es geht nicht nur darum, ob ein Produkt grundsätzlich zulässig ist. Entscheidend ist, ob Planung, Montage und spätere Abnahme zusammenpassen.“ Ein typischer Fehler entsteht an Deckendurchführungen. Wird eine Leitung vom Keller durch mehrere Etagen geführt, müssen Durchbrüche fachgerecht hergestellt und wieder verschlossen werden. Wenn ein Monteur zwar die Faser korrekt verlegt, aber die brandschutztechnische Wiederherstellung unsauber dokumentiert oder ausführt, ist das Projekt nicht abnahmereif. Die Glasfaser funktioniert messtechnisch, aber das Gebäudeproblem bleibt. Für technisch geprägte Ausbauunternehmen ist das eine Zumutung, weil die optische Leistungsmessung nicht mehr genügt. Für Eigentümer ist es unverzichtbar, weil jedes Kabelnetz die Gebäudesicherheit nicht beeinträchtigen darf. Noch banaler, aber wirtschaftlich ebenso gravierend, sind Fehler in Leerrohrsystemen. Beispiele hierfür sind Knicke, Beschädigungen und Verschmutzungen. Wird im Neubau ein Rohr unter Putz unsauber verlegt, zeigt sich das Problem oft erst später beim Einblasen. Dann sind Wände oder Fußböden geschlossen, die Räume fertig, der Mieter eingezogen. Ein Rohr, das auf dem Plan existiert, aber praktisch nicht nutzbar ist, wird zum Kostentreiber. „Wenn Leerrohrsysteme unsauber verlegt wurden, wenn Knicke, Beschädigungen oder Schmutz im Rohr sind, entstehen auf allen Seiten im Nachgang enorme Kosten“, bekräftigt Henning. Schulung bringt Qualität Solche Beispiele zeigen, warum Schulungen kein Zusatzgeschäft sind, sondern einen bedeutenden Teil der Ausbauqualität ausmachen. Die Unternehmen kommen aus verschiedenen Bereichen: Einige aus dem Tiefbau, andere aus der Elektroinstallation und wieder andere aus angrenzenden Gewerken. Das Marktpotenzial zieht neue Anbieter an. Das können Firmen mit eigener Tiefbaukompetenz sein, aber auch Unternehmen, die einblasen, spleißen und messen. Ebenso drängen Elektroinstallateure, die Glasfaser für sich entdecken, sowie neue Betriebe, die zuvor in ganz anderen Bereichen tätig waren, auf den Markt. „Viele Unternehmen orientieren sich jetzt in Richtung Netzebene 4“, führt Nele Henning aus. „Aber noch wissen nicht alle dieser Betriebe, wie die notwendigen Arbeiten im Bereich der Netzebene 4 umzusetzen sind oder sie verfügen noch nicht über das notwendige Fachwissen.“ Andere Anforderungen in der Netzebene 4. Netceed hat neben vorkonfektionierten Kabeln auch spezielle In-Haus-Verteiler für Endkundengerechte Montagen im Programm (Fotos: Netceed)
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