38 www.net-im-web.de 6-7/2026 Das ist Chance und Risiko zugleich. Der Markt braucht unbedingt mehr Ausbaukapazität, sonst bleibt die Aktivierung hinter der Verfügbarkeit zurück. Aber Kapazität ohne Qualifikation erzeugt in der Regel kostspielige Nacharbeit auf Seiten der Errichter. Leider ist der Lerneffekt immer noch am größten, wenn Installationen nicht abgenommen und neu gebaut werden müssen. Präferenzen verschieben sich Der Markt verdient eine kritischere Betrachtung. Die Glasfaserbranche hat in den vergangenen Jahren von Ausbauzielen, Förderlogik und Investitionsdruck gelebt. Solange die zentrale Kennzahl „Homes Passed” relevant war, ließ sich der Fortschritt gut kommunizieren. Doch Haushalte und Bewohner wollen nicht wissen, ob Glasfaser irgendwo in der Straße liegt. Sie wollen wissen, wann sie diese stabil nutzen können. Eigentümer interessieren notwendige Eingriffe im Gebäude. Netzbetreiber sind an einer Erhöhung der Take-up-Raten interessiert, und Investoren möchten Erlöse erzielen. Das bedeutet zusätzlichen Druck für die Netzebene 4. Wenn die Branche Kunden zum Wechsel auf Glasfaser bewegen will, muss der Inhouse-Anschluss unkompliziert vonstattengehen. Ein Mieter, der zwei Urlaubstage für Vor-Ort-Termine verliert, anschließend einen schiefen Kabelkanal im Flur entdeckt und am Ende aufgrund schlechter Spleißqualität instabile Werte erhält, wird nicht zum Botschafter der Glasfaser. Ein Eigentümer, der nach einer misslungenen Installation Nacharbeiten koordinieren muss, wird bei einem nächsten Objekt zögerlicher. Qualität ist daher nicht nur eine Frage der Technik, sondern auch eine Vermarktungsvoraussetzung. Partner Systemintegrator Angesichts dieser vielfältigen Anforderungen bietet sich die Unterstützung durch externe Dienstleister an. Netceed als Systemintegrator unterstützt Unternehmen, Planer, Architekten und Bauherren bei der Umsetzung von Glasfaserprojekten. Dabei liefert Netceed nicht nur einfach Produkte, sondern bündelt Beratung, Schulung, Logistik, Projektmanagement und Herstellerzugang. „Wir geben unseren Kunden nicht einfach nur ein Produkt“, erläutert Nele Henning. „Vielmehr bieten wir unseren Kunden technische Beratung, Schulungen, Logistikkonzepte und Projektbegleitung vom Anfang bis zum Ende.“ Dazu gehören Forecasts, Projektmanagement, Kontakte zu Planungsunternehmen und der Zugriff auf zertifizierte Hersteller. „Der Kunde bekommt bei uns alles aus einer Hand und, was sehr wichtig ist, er hat jederzeit einen direkten Ansprechpartner.“ Wer Netzebene 4 wie einen Produktkatalog behandelt, wird scheitern. Kein einzelner Kanal, keine Dose und kein Spleißsystem erfüllen die Anforderungen vor Ort allein. Es kommt darauf an, die passenden Produkte der einzelnen Hersteller zu einem funktionierenden System zusammenzufügen. „Wir haben nicht den einen Standardlieferanten für jedes Produkt“, ergänzt Henning. „Je nach Projekt greifen wir auf die passenden Partner zurück und wählen gemeinsam mit dem Kunden die richtige Lösung aus.“ Fehlende Qualifikationsrichtlinien Tatsache ist, dass es keine einheitlichen, vergleichbaren Qualifikationsstandards für ausbauende oder installierende Unternehmen gibt. Solange Schulungen vorwiegend hersteller-, verbands- oder unternehmensspezifisch sind, ist Qualität schwer vergleichbar. Eine branchenweit anerkannte Qualifikation für den Glasfaser-Inhouse-Ausbau könnte Eigentümern, Netzbetreibern und Generalunternehmen eine gute Orientierung bieten. Das würde nicht jedes Problem lösen, könnte aber verhindern, dass Unternehmen ohne ausreichendes Wissen in sensible Gebäudeinfrastrukturen eingreifen. Die eigentliche Herausforderung liegt jedoch tiefer. Mit Netzebene 4 muss die Glasfaserbranche vom Ausbau in Flächen zur Arbeit im Bestand übergehen. Das sind andere Voraussetzungen. Im Tiefbau kann manches verschwinden, wenn die Oberfläche wieder geschlossen ist. Im Gebäude bleibt die Installation sichtbar, messbar, nutzbar oder störend. „In der Netzebene 4 haben die Unternehmen unmittelbar mit Personenschutz, Ansehnlichkeit und direkter Kommunikation mit Hauseigentümern zu tun. Draußen im Tiefbau ist vieles nach dem Verfüllen nicht mehr sichtbar. Im Gebäude dagegen ist jede unsaubere Bauausführung sofort sichtbar“, führt Henning aus. Es reicht nicht mehr aus, nur Ausbauquoten zu feiern. Die Branche muss beweisen, dass sie Anschlüsse aktivieren kann, ohne die Gebäude zu überfordern. Sie muss Eigentümer überzeugen, ohne technische Kompromisse zu verschleiern. Sie muss hybride Lösungen dort einsetzen, wo sie sinnvoll sind, aber auch klar benennen, dass echte Zukunftsfähigkeit erst mit Glasfaser bis in die Wohneinheit entsteht. Und sie muss Fachkräfte so qualifizieren, dass ein Anschluss nicht nur funktioniert, sondern abnahmefähig ist. Die Glasfaser kommt im Keller an. Das war jahrelang die Erfolgsmeldung. Jetzt geht es um die Frage: Wie kommt die Glasfaser sauber, sicher, wirtschaftlich und mit Akzeptanz in die Wohnung? https://netceed.com/de/ Nele Miriam Henning Viele Unternehmen orientieren sich jetzt in Richtung Netzebene 4. Aber noch lange nicht alle Betriebe wissen, wie die notwendigen Arbeiten im Bereich der Netzebene 4 umzusetzen sind Netzebene 4: Die Glasfaser kommt im Keller an
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