28 www.net-im-web.de 6-7/2026 Quantenhardware. Sie benötigen vielmehr Systeme, die entscheiden können, wann Quantentechnologien sinnvoll einsetzbar sind, wie Rechenlasten verteilt werden und wie sich Rechenverfahren in bestehende industrielle Prozesse integrieren lassen. Besonders relevant ist zudem SuperQs Fokus auf Post-Quantum-Cybersicherheit durch die Initiative „SuperPQC“ und Partnerschaften rund um quantensichere Verschlüsselungsstandards. Der Schwerpunkt auf „Harvest Now, Decrypt Later“-Risiken passt eng zur Entwicklung europäischer und amerikanischer Cybersicherheitsstrategien, in denen die Migration hin zu quantenresistenter Kryptografie zunehmend beschleunigt wird. Quantencomputing made in Europe Besondere Bedeutung besitzt in diesem Zusammenhang die jüngste Partnerschaft mit dem Fraunhofer-Institut für Techno- und Wirtschaftsmathematik (ITWM) in Deutschland. Fraunhofer ist weit mehr als nur eine Forschungseinrichtung – es bildet das Rückgrat des deutschen Modells angewandter industrieller Innovation. Die Vereinbarung verschafft SuperQ direkten Zugang zu einem der einflussreichsten industriellen Forschungsökosysteme Europas – genau zu jenem Zeitpunkt, an dem Brüssel versucht, Quantencomputing von akademischer Forschung in operative Infrastruktur zu transformieren. Entscheidend dabei: Die Zusammenarbeit konzentriert sich nicht auf spekulative Narrative rund um „Quantum Supremacy“, sondern auf hybride Quanten-Klassik-Workflows für Logistik, Fertigung, Energieoptimierung und verteidigungsnahe Anwendungen. Das Fraunhofer ITWM spielt hierbei eine zentrale Rolle. Das Institut ist spezialisiert auf industrielle Mathematik, Simulation und Hochleistungsrechnen – Kernbereiche der europäischen Industrie. Im Rahmen der Partnerschaft wird Fraunhofer die Orchestrierungstechnologien von SuperQ in industriellen Simulationsumgebungen evaluieren und Anwendungen in Logistik, Finanzwesen, Fertigung und Energiesystemen untersuchen. Damit positioniert sich Quantencomputing als nächste Optimierungsschicht innerhalb der europäischen Industrie. Dennoch sind die Umsätze der Branche, gemessen an der Investorenbegeisterung, bislang vergleichsweise gering, und viele Unternehmensanwendungen befinden sich immer noch in experimentellen Pilotphasen. Selbst Europas stärkste Quantenunternehmen stehen vor der schwierigen Aufgabe, den Übergang von Forschungsexzellenz zu nachhaltigen Industrieunternehmen zu schaffen. Auch SuperQ steht vor ähnlichen Herausforderungen. Die angestrebte Orchestrierungsebene gilt strategisch als attraktiv, ist jedoch stark umkämpft. Technologiekonzerne, Cloud-Hyperscaler und spezialisierte Start-ups konkurrieren gleichermaßen darum, die Schnittstelle zwischen Unternehmen und hybriden Quantensystemen zu definieren. Das Rennen um Quantencomputing entwickelt sich zu einem Wettkampf darüber, wer die Infrastruktur, Standards und Sicherheitsarchitektur der nächsten Rechenära kontrolliert. Günstig für Europa Die europäischen Stärken in industriellen Systemen, regulierter Infrastruktur, angewandter Mathematik und Cybersicherheit könnten im Quantenzeitalter wertvoller werden als jene Dominanz von Konsumentenplattformen, die frühere digitale Revolutionen geprägt hat. Europa versteht es besser als fast jede andere Region, Technologien in kritische Infrastruktur, industrielle Prozesse und souveräne Systeme zu integrieren. Und genau das könnte letztlich wichtiger sein als die lautesten Schlagzeilen. Europa baut still und systematisch sein Quantenökosystem auf, von IQM und QuantWare über Fraunhofer und QuIC bis hin zu Cybersicherheitsunternehmen wie SuperQ. Damit wird die Region zu einem Architekten der nächsten Technologierevolution. Zum ersten Mal seit langer Zeit könnte Europa die technologische Zukunft nicht nur regulieren, sondern aktiv mitgestalten. www.superq.co www.fraunhofer.de Europas Moment der Quantensouveränität JUPITER am Forschungszentrum Jülich hat als erster Superrechner in Europa die Marke von 1 ExaFLOP/s erreicht. Das sind Rechenkapazitäten, die bislang nur in den USA und China verfügbar waren (Foto: Forschungszentrum Jülich Sascha Kreklau)
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