12 www.net-im-web.de 03/2026 Bernhard Reimann Die Mikrowellentechnik ist seit Jahrzehnten Teil moderner Kommunikationsnetze. Und auch wenn Glasfaser den Ausbau dominiert, bleibt Mikrowellentechnik dort unverzichtbar, wo physische Leitungen an ihre Grenzen stoßen. Ein aktuelles Beispiel aus der Golfregion zeigt, was heute mit präzise geplanten Richtfunkstrecken möglich ist und warum das auch für Europa relevant ist. Bernhard Reimann ist Chefredakteur der NET Funkbrücken über das Meer Mikrowellentechnik verbindet entlegene Regionen lometer lange Mikrowellenverbindung über offenes Meer. Eine technische Herausforderung, denn hohe Luftfeuchtigkeit, salzhaltige Luft und Reflexionen auf der Wasseroberfläche stören die Signalübertragung. Um stabile Verbindungen zu erreichen, wurde mit hoher Sendeleistung, präziser Ausrichtung und sogenannter Space Diversity gearbeitet, also mehreren räumlich getrennten Antennen, die Ausfälle oder Interferenzen kompensieren. Ergebnis waren ein Datendurchsatz von zwei Gigabit pro Sekunde und 100 % Verfügbarkeit über einen Testzeitraum von einem Monat. Grundlage war ein modernes Modulationsverfahren (1024QAM). Dabei werden viele Datenbits in einem einzigen Funksignal gebündelt; je höher die Modulationsstufe, desto effizienter die Bandbreitennutzung (allerdings auch empfindlicher gegenüber Störungen). Dass eine so komplexe Modulation unter tropischen Bedingungen stabil lief, war ein technischer Erfolg. Wichtig für Netzbetreiber Moderne Mikrowellentechnik ist längst kein Notbehelf mehr. Sie ergänzt Glasfaser dort, wo Flexibilität und Geschwindigkeit entscheidend sind. Wichtig ist eine genaue Planung: Frequenzwahl, Antennenhöhe, Umgebungsbedingungen und Systemleistung müssen gut aufeinander abgestimmt werden. Mit dieser Sorgfalt lassen sich selbst über Distanzen von mehr als 20 Kilometern hochverfügbare Verbindungen realisieren. Bedeutung für Deutschland Auch in Europa ist Mikrowellentechnik ein fester Bestandteil moderner Netzarchitekturen. Zahlreiche Mobilfunkstandorte, insbesondere in ländlichen Regionen, sind über Mikrowellenstrecken mit dem Kernnetz verbunden: Hier laufen alle Datenströme zusammen, werden verarbeitet, weitergeleitet und mit dem Internet oder anderen Netzen verknüpft. Beim Ausbau von 5G-Netzen kann Mikrowellentechnik die Rolle des Backhaul, also des Rücktransports der Daten zwischen dem Mobilfunkstandort und dem Kernnetz, übernehmen. Sie lässt sich schneller bereitstellen als Glasfaser und bietet hohe Kapazitäten im Gigabitbereich. Darüber hinaus setzen Energieversorger, Industrieunternehmen und Behörden auf Mikrowellentechnik, beispielsweise zur Anbindung von Offshore-Windparks, Umspannwerken oder entfernten Leitstellen. Ihre Unabhängigkeit von physischer Bodeninfrastruktur macht diese Technologie zu einem wichtigen Baustein für resiliente Kommunikationsnetze und Notfallverbindungen. Baustein für resiliente Netze Mikrowellentechnik schafft stabile Verbindungen, wo Leitungen an ihre Grenzen stoßen, und hilft, die digitale Kluft zwischen zentralen und abgelegenen Regionen zu überbrücken. www.nokia.com Glasfaser gilt zu Recht als ein Rückgrat der Digitalisierung. Doch ihre Verlegung ist aufwendig: große Wasserflächen, felsiger Untergrund oder große Gebiete machen den Ausbau teuer und zeitintensiv. In solchen Fällen kommen Mikrowellenverbindungen zum Einsatz. Sie nutzen elektromagnetische Wellen im Frequenzbereich von etwa 1 bis 40 Gigahertz, um Daten zwischen zwei festen Punkten zu übertragen, meist zwischen Sendemasten oder Antennen. Diese Punkt-zu-Punkt-Verbindungen lassen sich innerhalb weniger Wochen errichten und erreichen inzwischen Datenraten im Gigabitbereich. Ein Netzbetreiber im Golfraum zum Beispiel stand vor der Aufgabe, mehrere abgelegene Inseln an das nationale Tk-Netz anzuschließen. Die Lösung war eine 26 Ki- (Grafik: Nokia) KOMMUNIKATIONSMANAGEMENT
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