AI SECURITY controlware controlware 08/2026 Netzwerke Security Kommunikation Smart Technology Cloud als KRITIS-Risiko Revival der Datensicherung vor Ort IT Zeitschriften GbR, Friederike-Fliedner-Weg 34a, 40489 Düsseldorf Künstliche Intelligenz ist da Ist auch die Sicherheit mitgekommen? Kommunale Sicherheit im Fokus 4. Cybersecurity-Tag der Komm.ONE
4 www.net-im-web.de Inhalt Kommunikationsmanagement Unternehmenskommunikation wird immer stärker Software-basiert. Telefonie, Collaboration, Contact-Center-Funktionen und Geschäftsprozesse wandern in Cloud-Plattformen, UC-Umgebungen und zentrale Workflows. Für Unternehmen ist dieser Ansatz attraktiv: Anwen- dungen lassen sich schneller bereitstellen, einfacher zentral verwalten und enger mit bestehenden Prozessen verbinden. Seite 11 KI und Sicherheit Künstliche Intelligenz verändert Unternehmen schneller als jede Technologie zuvor – und mit ihr wächst auch die Angriffsfläche. Wer ChatGPT, LLMs und autonome KI-Agenten produktiv einsetzen will, kommt an einer durchdachten Sicherheitsarchitektur nicht vorbei: geregelte Zugänge, statt unkontrollierte Nutzung, klare Governance für eigenständig handelnde Agenten von der Modellherkunft bis zum Notfallplan, Sichtbarkeit über Schatten-KI im Unternehmen sowie effektiver Datenschutz und DLP für Daten, die in Prompts an Modelle fließen. Hinzu kommt die Frage nach hybriden Architekturen aus lokalen und Cloud-Modellen – und die unbequeme Wahrheit, dass echte KI-Souveränität angesichts der Marktmacht von USA und China nur in Teilen erreichbar ist. Vertiefen Sie das Thema persönlich beim Besuch des Controlware Security Day – 23. & 24. September 2026, Congress Park Hanau. Treffen Sie die IT-Security-Experten auf dem 18. Controlware Security Day. Seite 30 Netze Der Brandanschlag auf das Berliner Stromnetz oder das Feuer im Umspann- werk in Reutlingen: Mehrere Vorfälle haben in jüngster Zeit gezeigt, wie verletzlich kritische Infrastrukturen sind. Die Sicherheitsrisiken werden laut einer aktuellen Bitkom-Umfrage von den Haushalten deutlich wahrgenommen. 74 Prozent halten das Stromnetz in Deutschland für anfällig gegenüber Sabotage oder gezielten physischen Angriffen. Seite 34 Netzbetreiber und -dienste Mit Rechenzentren sind im Allgemeinen große-Data-Center gemient. Doch abseits davon gibt es eine sehr hohe Anzahl an Mini-Rechenzentren, die dort zum Einsatz kommen, wo Maschinen schwere Arbeit verrichten. Schaut man sich in modernen Fertigungshallen, Energieanlagen oder Logistik-Hubs genauer um, findet man so gut wie überall ein kleines, klimatisiertes Server-Rack, das direkt neben den Anlagen leise vor sich hin surrt.vorgestellt. Seite 42 Anzeige AI SECURITY controlware controlware 08/2026 Netzwerke Security Kommunikation Smart Technology Cloud als KRITIS-Risiko Revival der Datensicherung vor Ort IT Zeitschriften GbR, Friederike-Fliedner-Weg 34a, 40489 Düsseldorf Künstliche Intelligenz ist da Ist auch die Sicherheit mitgekommen? Kommunale Sicherheit im Fokus 4. Cybersecurity-Tag der Komm.ONE (Titelbild: Controlware) (Foto: Renee Goudet, Pixabay)) Kritische Kommunikation Früher bedeutete Ausfallsicherheit in der Telekommunikation, das Netzwerk am Laufen zu halten. Heute reicht das nicht mehr aus. Da künstliche Intelligenz (KI) eine immer wichtigere Rolle im Netzwerkmanagement spielt, müssen Betreiber die Resilienz stärken, um einen reibungslosen Service zu gewährleisten, selbst wenn die Infrastruktur verteilter und die Daten sensibler werden. Datensouveränität wird zur Architektur- und nicht mehr nur zur Compliance-Frage. Seite 13 (Foto: Algen)) 08/2026 (Foto: SAB für Snom/KI OpenAI) (Foto: Gerd ALtmann, Pixabay)
6 www.net-im-web.de PERSONEN Moussa Zaghdoud ist Executive Vice-President bei Alcatel-Lucent Marius Dallmann übernimmt bei HLkomm Telekommunikations GmbH Eva-Maria Glenz ist neue Area Vice President bei Commvault MHP verstärkt den Bereich Public & Defense mit Dominik Rüber Tobias Manthey ist neuer CCO bei EFBElektronik STARFACE Gründer Florian Buzin zieht sich zum Jahresende zurück ALE International hat Moussa Zaghdoud zum Executive Vice-President für Infrastructure, Platforms & Services (IPS) sowie zum Chief Technology Officer (CTO) ernannt. Die Ernennung markiert einen entscheidenden Schritt in der Transformation des Unternehmens von einem traditionellen Anbieter von Unternehmensnetzwerken und Kommunikationslösungen zu einem führenden Anbieter von KI-gestützter Infrastruktur, Cloud-Plattformen, digitaler Kommunikation und Dienstleistungen. Als Executive Vice-President of Cloud and Services verantwortete Moussa Zaghoud die globale Cloud-Strategie des Unternehmens. Marius Dallmann hat die Geschäftsführung der HLkomm Telekommunikations GmbH (PŸUR Business), Tochtergesellschaft der Tele Columbus AG übernommen. Gemeinsam mit Christian Biechteler (CSO) und Tim Rhönisch (CFO) wird Dallmann künftig die strategische und operative Weiterentwicklung der HLkomm Telekommunikations GmbH verantworten. In seiner Funktion berichtet Marius Dallmann aus Leipzig an Christoph Lüthe, CEO der Tele Columbus AG. Zuletzt hat er als CEO bei beeXact und als Interims-CEO bei Deutsche Netzbau die Geschäftsentwicklungen für den Ausbau digitaler Netzinfrastrukturen verantwortet. Eva-Maria Glenz ist Area Vice President der neu geschaffenen Commvault-DACHRegion. In dieser Position verantwortet Glenz Wachstum, Führung und Strategie in den zu einer Region zusammengefassten Geschäftsbereichen Deutschland, Österreich sowie der Schweiz. Sie bringt mehr als fünfzehn Jahre Führungsexpertise in der Informationstechnologie mit – von Mainframe bis hin zum Cloud Computing. Zuletzt war Glenz als Area Vice President und Country Managerin für Deutschland bei BMC Software tätig. Hier unterstützte sie Kunden und Partner dabei, ihre Automatisierungs- und Mainframe-Lösungen weiterzuentwickeln. Am 1. Juni 2026 ist Dominik Rüber als Partner zu MHP gewechselt. Mit seiner langjährigen Erfahrung in der Verteidigungs- und Digitalisierungsbranche wird Rüber bei MHP den Ausbau des Public- & Defense-Geschäfts weiter vorantreiben sowie die Marktpräsenz und strategische Partnerschaften stärken. Rübers Fokus liegt darauf, Streitkräfte und begleitende Behörden bei komplexen Transformations- und Digitalisierungsvorhaben zu unterstützen. Vor seinem Wechsel zu MHP war Rüber als Senior Vice President Defense bei T-Systems tätig. Seit 2022 engagiert er sich zudem im Vorstand des Bitkom-Arbeitskreises Verteidigung. Mit Tobias Manthey hat die EFB-Elektronik GmbH ihre Führungsebene erweitert und bündelt Vertrieb und Marketing künftig unter gemeinsamer Leitung. Als Chief Commercial Officer (CCO) verantwortet der 41-jährige Manthey die strategische Weiterentwicklung beider Bereiche als Teil des neu aufgestellten C-Level-Managements. In seiner neuen Rolle wird er insbesondere die Verzahnung von Vertrieb, Marketing und digitalen Prozessen weiter vorantreiben. Robin Ohle, CEO von EFB-Elektronik, sagt: „Mit Tobias Manthey gewinnen wir einen erfahrenen Branchenkenner, der große Gestaltungsstärke mitbringt.“ Florian Buzin, Gründer und Geschäftsführer der STARFACE Group sowie Managing Director der deutschen Gamma Communications, wird sich zum Jahresende 2026 aus dem Unternehmen zurückziehen. Die Verant- wortung für die Steuerung von STARFACE, estos und Gamma Communications liegt bereits seit Mitte 2025 in den Händen eines fünfköpfigen Führungsteams, das die Unternehmensgruppe sehr erfolgreich führt und auch künftig gemeinsam führen wird. Florian Buzins Ausscheiden markiert damit lediglich den formalen Abschluss eines bereits gelebten Führungsmodells. www.al-enterprise.com www.efb-elektronik.de www.commvault.com www.starface.com www.mhp.com www.telecolumbus.com 08/2026
10 www.net-im-web.de 08/2026 Thomas Schiffmann ist Abteilungsleiter Produktmanagement der Ceyoniq Technology GmbH TRENDS & FAKTEN Thomas Schiffmann Am 1. Januar 2027 greift die nächste Stufe der gesetzlichen E-Rechnungspflicht im B2B-Bereich. Ein strukturierter Zeitplan sichert die rechtzeitige Anpassung von IT, Posteingang und Postausgang – damit die Weihnachtsferien entspannt bleiben. Fünf-Stufen-Fahrplan zur E Rechnung Welche Schritte bis Januar 2027 noch nötig sind Ab dem 1. Januar 2027 müssen nationale Unternehmen mit einem Vorjahresumsatz von mehr als 800.000 Euro für inländische B2B-Umsätze grundsätzlich elektronische Rechnungen ausstellen. Spätestens 2028 gilt diese Versandpflicht dann ohnehin für alle Unternehmen unabhängig vom Umsatz. Einfache PDFs oder Papierrechnungen sind – abgesehen von gesetzlichen Übergangsregelungen, Kleinbetragsrechnungen bis 250 Euro oder Fahrausweisen – ab diesem Zeitpunkt als Rechnungsformat nicht mehr zulässig. So weit, so klar. Nach Auswertungen des Anbieters Candis machen strukturierte E-Rechnungen im Frühjahr 2026 lediglich rund 12 bis 13 Prozent aller bei seinen Kunden verarbeiteten Eingangsrechnungen aus. Fünf Monate klingen nach viel Zeit, doch der 1. Januar 2027 ist keine Empfehlung, sondern eine klare gesetzliche Deadline. Um Rechnungseingang, ERP-Schnittstellen, Freigabeprozesse und revisionssichere Archivierung parallel produktiv zu bekommen, muss jetzt die Umsetzung anhand eines klar priorisierten Fahrplans erfolgen. Die Ceyoniq Technology GmbH empfiehlt folgenden 5-Stufen-Fahrplan bis zum GoLive am 1. Januar 2027 für das zweite Halbjahr 2026: • Ist-Analyse und Datenprüfung Unternehmen erfassen alle ein- und ausgehenden Rechnungsströme sowie die beteiligten ERP- und Fakturierungssysteme. Geprüft werden muss, ob die vorhandene Rechnungssoftware alle gesetzlichen Pflichtangaben direkt in einen strukturierten Datensatz nach europäischer Norm EN 16931 (z. B. XRechnung oder ZUGFeRD) schreiben kann und ob geeignete Übertragungswege für Empfang und Versand bereitstehen. • Systemauswahl für Eingang/Versand Als Referenzarchitektur für einen durchgängigen, automatisierten Prozess hat sich die Kombination aus einem Kommunikationsknoten für Empfang, Formatkonvertierung und den Versand sowie einer Lösung für die kaufmännische Rechnungsverarbeitung bewährt. Die Wahl hängt von Volumen, Systemlandschaft und internationalen Anforderungen ab. • Integration und Validierungstests Technische Anbindung der E-Rechnungsmodule an ERP- und Archivsysteme. Im Testbetrieb mit Pilot-Lieferanten und -Kunden wird geprüft, ob die strukturierten Datensätze im Ein- und Ausgang formatvalide, semantisch korrekt und geschäftsregelkonform verarbeitet werden. • Workflow-Konfiguration/Schulung Konfiguration der automatisierten Freigabe-Workflows, Prüfregeln und Fehlerprozesse im System (z. B. bei Validierungsfehlern des XML-Codes). Parallel dazu Schulung der Teams in Buchhaltung, Einkauf und IT, denn manuelle Kontrollen weichen zunehmend automatisierten Abgleichen mit ERP-Bestelldaten. • Go-Live und Archivierung Start des Produktivbetriebs für die eigene Rechnungsausstellung zum 1. Januar 2027. Die revisionssichere Archivierung ist keine neue Anforderung: Sie besteht auf Basis der GoBD bereits heute und gilt seit dem 1. Januar 2025 auch für empfangene E-Rechnungen. Ab dem GoLive kommt lediglich der Ausgangskanal dazu. Für Rechnungen gilt die gesetzliche Aufbewahrungsfrist von acht Jahren; sie müssen unveränderbar, vollständig und im originalen elektronischen Format maschinell auswertbar gespeichert werden. Prozessuale Umsetzung in der Praxis Eine durchgängige Prozesskette erfordert eine modular aufgebaute IT-Architektur. Das Software-Portfolio der Ceyoniq Technology GmbH verdeutlicht, wie diese systemseitige Aufteilung in der Praxis aussehen kann: Während ein zentraler Kommunikationsknoten (wie zum Beispiel nscale eHub) den technischen Empfang, die Normalisierung und den gesetzeskonformen Versand – beispielsweise über das Peppol-Netzwerk oder per E-Mail mit strukturiertem Anhang – unterstützt, führt ein nachgelagertes Invoice Management die kaufmännische Prüfung, den automatisierten Abgleich mit ERP-Bestellungen und die anschließende GoBD-konforme Archivierung aus. https://ceyoniq.com
11 www.net-im-web.de 08/2026 KOMMUNIKATIONSMANAGEMENT Bernhard Reimann Cloud-Kommunikation, UC-Plattformen und hybride Arbeitsmodelle verändern die Telefonie in Unternehmen. Zugleich zeigt die Praxis: Gerade in professionellen Einsatzbereichen bleibt dedizierte Hardware ein wichtiger Stabilitätsfaktor. Bernhard Reimann ist Chefredakteur der NET Schluss mit dem Softphone-Wirrwarr Endgeräte als Zugangspunkte in Software- und Cloud-basierten Systemen Unternehmenskommunikation wird immer stärker Software-basiert. Telefonie, Collaboration, Contact-Center-Funktionen und Geschäftsprozesse wandern in CloudPlattformen, UC-Umgebungen und zentrale Workflows. Für Unternehmen ist dieser Ansatz attraktiv: Anwendungen lassen sich schneller bereitstellen, einfacher zentral verwalten und enger mit bestehenden Prozessen verbinden – etwa im Vertrieb, Support, Kundenservice oder in administrativen Teams. Zugleich zeigt sich im Alltag vieler Unternehmen, dass eine Software-basierte Kommunikation nicht automatisch weniger Komplexität bedeutet. Wo früher ein festes Telefon stand, treffen heute unterschiedliche Geräte, Betriebssysteme, Headsets, lokale Audio-Einstellungen, Browser, Softphones, Remote-Desktop-Umgebungen und wechselnde Arbeitsplatzsituationen aufeinander. Was theoretisch so flexibel scheint, kann in der Praxis schnell zur Fehlerquelle werden – vor allem dann, wenn Kommunikation nicht gelegentlich, sondern permanent und geschäftskritisch genutzt wird. Besonders deutlich wird dies in professionellen Einsatzbereichen mit hoher Gesprächsdichte. Contact-Center, Servicehotlines, Empfangsbereiche, Helpdesks oder hybride Support-Teams benötigen nicht nur irgendeine Verbindung, sondern eine dauerhaft stabile, ergonomische und leicht bedienbare Kommunikationsschnittstelle. Schlechte Audioqualität, falsch erkannte Headsets, umständliche Bedienung oder instabile Arbeitsplatzkonfigurationen kosten Zeit, belasten Mitarbeitende und wirken sich unmittelbar auf die Servicequalität aus. Vor diesem Hintergrund gewinnt eine Entwicklung wieder an Bedeutung, die lange als Gegenmodell zur reinen SoftwareKommunikation galt: dedizierte Endgeräte. Dabei geht es nicht um eine Rückkehr zur klassischen Telefonie, sondern um eine gezielte Ergänzung moderner Kommunikationsumgebungen. Professionelle Terminals übernehmen die Rolle einer verlässlichen, klar definierten Schnittstelle zwischen Mensch und Kommunikationsplattform. Sie reduzieren lokale Fehlerquellen, vereinfachen die Bedienung und sorgen dafür, dass Gespräche unabhängig vom jeweiligen ArbeitsplatzSetup konsistent und in ausgezeichneter Audioqualität geführt werden können. Mit dem SP800 adressiert Snom diese Anforderung. Das Gerät ist als professionelles Kommunikationsterminal für Arbeitsplätze konzipiert, an denen Telefonie und Sprachkommunikation zuverlässig funktionieren müssen. Statt sich auf wechselnde Softphone-Konfigurationen oder improvisierte Audiosetups zu verlassen, erhalten Unternehmen eine dedizierte Lösung, die Sprachqualität, Bedienkomfort und Verfügbarkeit in den Mittelpunkt stellt. Die Hardware vollzieht einen Rollenwechsel. Moderne Endgeräte werden nicht mehr als isolierte Telefonsysteme verstanden, sondern als spezialisierte Zugangspunkte innerhalb einer Software- und Cloud-basierten Kommunikationsarchitektur. Die Kommunikationslogik kann weiterhin in Plattformen, Workflows und Unternehmensanwendungen liegen – das Endgerät sorgt jedoch dafür, dass die konkrete Nutzung am Arbeitsplatz stabil und professionell bleibt. Der Trend geht nicht zwingend weg von Hardware, sondern weg von universellen, oft störanfälligen Softphone-Arbeitsplätzen und hin zu stärker spezialisierten Kommunikationsumgebungen. Überall dort, wo Kommunikation geschäftskritisch ist, werden dedizierte Terminals zu einem wichtigen Baustein moderner VoIP- und UC-Infrastrukturen. www.snom.com (Foto: SAB für Snom / KI OpenAI)
13 www.net-im-web.de 08/2026 KRITISCHE KOMMUNIKATION Athul Prasad Früher bedeutete Ausfallsicherheit in der Telekommunikation, das Netzwerk am Laufen zu halten. Heute reicht das nicht mehr aus. Da künstliche Intelligenz (KI) eine immer wichtigere Rolle im Netzwerkmanagement spielt, müssen Betreiber die Resilienz stärken, um einen reibungslosen Service zu gewährleisten, selbst wenn die Infrastruktur verteilter und die Daten sensibler werden. Athul Prasad ist Global Director, AI Industry Solutions, Telco, Media & Entertainment bei Cloudera Wenn Netze klüger werden Warum Telekommunikations-Resilienz auf vertrauenswürdige KI setzt Ericsson prognostiziert, dass der weltweite mobile Datenverkehr bis 2030 auf 280 Exabyte pro Monat wächst und 5GAbonnements auf 6,3 Milliarden steigen werden. Das entspricht zwei Dritteln aller Mobilfunkverträge. Mehr Datenverkehr, mehr verteilte Infrastruktur, mehr KI-gestützte Entscheidungen: Resilienz ist längst kein reines Backend-Thema mehr, sondern eine Frage von Architektur, Governance und Betrieb. Drei Faktoren werden dabei künftig entscheidend sein: die souveräne Kontrolle über Daten, die intelligente Orchestrierung komplexer Netzwerke und die Fähigkeit, KI sicher und skalierbar einzusetzen. Souveräne Datenkontrolle Wer resiliente Netzwerke aufbauen will, muss wissen, wohin sensible Daten fließen, wer darauf zugreift und wie sie sich steuern lassen. Gleichzeitig stehen Unternehmen in der Telekommunikationsbranche unter wachsendem Druck, Netzwerkdaten für neue Dienste, Ökosystem-Partnerschaften und Modelle zur Monetarisierung zu öffnen – ein Spannungsfeld, das sich zunehmend zuspitzt. Diese Problematik verschärft sich in der aktuellen Situation: Je mehr Betreiber in KI-Dienste, Netzwerk-APIs und verteilte Formen der Dateninferenz expandieren, desto stärker wird Datensouveränität zur Architektur- und nicht mehr nur zur Compliance-Frage. Betreiber müssen nachvollziehen können, wie sich Daten bewegen, wo sie verarbeitet werden und wie sie über immer komplexere Umgebungen hinweg geteilt werden. In einem zunehmend unsicheren geopolitischen Umfeld gewinnt das an Gewicht: Ob Daten potenziell feindliche Umgebungen queren, ist heute ein konkreter Bestandteil der Resilienzplanung. Betreiber brauchen deshalb Mechanismen, die den Datenzugriff konsistent Resilienz ist längst kein reines Backend-Thema mehr, sondern eine Frage von Architektur, Governance und Betrieb. Betreiber brauchen Mechanismen, die den Datenzugriff konsistent steuern (Foto: Gerd Altmann, pixabay)
14 www.net-im-web.de 08/2026 Wenn Netze klüger werden steuern, ohne Innovationen zu bremsen. Dazu gehören die Nachverfolgung der Datenherkunft, klare Zugriffsrichtlinien sowie eine einheitlichere Dateninfrastruktur (Data Fabric), die eine sichere Bereitstellung von Daten erlaubt. Genau hier setzen Plattformen wie Cloudera an: Sie helfen Betreibern, den Datenzugriff über Funktionen wie Data Lineage und eine vereinheitlichte Data Fabric konsistenter zu steuern. Intelligente Orchestrierung gefragt Resilienz setzt auch voraus, dass Betreiber zunehmend komplexe, verteilte Netzwerkumgebungen koordinieren, ohne dabei die Nutzererfahrung zu beeinträchtigen. Technische Integration allein reicht dafür jedoch nicht aus – entscheidend ist, ob sich diese Komplexität abfedern lässt, ohne dass Nutzer davon etwas merken. Denn den Kunden ist es egal, über welches Netzwerk sie verbunden sind; sie erwarten lediglich, dass der Dienst funktioniert. Satelliten spielen dabei heute eine wesentliche Rolle: Sie bilden eine wichtige Ausweichebene, wenn Umweltbedingungen oder Backhaul-Störungen die Konnektivität gefährden. Ein zentraler Baustein künftiger Resilienz wird deshalb die engere Integration zwischen terrestrischen und nicht-terrestrischen Netzwerken sein. Dass hier akuter Handlungsbedarf besteht, zeigen aktuelle Daten: Laut Clouderas Data Readiness Index gaben drei von fünf Telekommunikationsunternehmen an, dass die Infrastrukturleistung operative Initiativen kontinuierlich behindert. Mit 60 Prozent ist das der höchste Wert aller befragten Branchen. Da neue Konstellationen von Satelliten Teil der Konnektivitätslandschaft werden, wird es künftig darauf ankommen, wie intelligent Betreiber diese zunehmend verteilte Umgebung orchestrieren. Genau hier trägt KI zur Resilienz bei: Sie hilft Betreibern, Mobilität, Signalstärke und Echtzeit-Switching zwischen verschiedenen Netzwerkumgebungen zu managen und so nahtlose Konnektivität sicherzustellen. Eine verteilte Dateninfra- struktur kann hier latenzarme, private KIAnwendungen näher am Netzwerkrand unterstützen. KI ist dabei keine weitere Komplexitätsebene, sondern wirkt als Koordinator, der Netzwerke befähigt, sich in Echtzeit anzupassen. KI im Betrieb Netzwerke werden nicht resilienter, wenn die KI-Systeme, die innerhalb dieser Entscheidungen treffen, schwer zu steuern, zu überwachen oder nicht vertrauenswürdig sind. Viele Betreiber befürchten, dass KIEinsatz im Netzwerk Dienste beeinträchtigt, deren Ausfall sie sich nicht leisten können. Die meisten Telekommunikationsanbieter befinden sich aktuell noch in einer frühen Phase ihrer KI-Reife – und genau diese Vorsicht prägt das Einführungstempo. McKinsey zeigt, wie groß die Lücke noch ist: Rund 50 Prozent der Führungskräfte in Telco-Unternehmen berichten heute von messbaren Auswirkungen durch KI und generative KI – letztes Jahr waren es nur 25 Prozent. Dennoch sehen 45 Prozent Daten weiterhin als größtes Hindernis beim Skalieren von KI-Agenten. Das Problem ist also nicht mangelnder Ehrgeiz, sondern die Frage, ob die Grundlagen tragfähig genug sind, um KI im produktiven Betrieb zu unterstützen. Besonders deutlich wird das bei agentenbasierter KI: Auf dem Mobile World Congress (MWC) 2026 zeigten beeindruckende Demos der AI-RAN Alliance, dass dieser Bereich Fahrt aufnimmt. Dennoch dreht sich die Diskussion weiterhin um Experimente, menschliche Aufsicht und ungelöste Fragen zu Richtlinien (Guardrails) und Datensouveränität. Die eigentliche Herausforderung liegt deshalb nicht darin, KI grundsätzlich einzuführen, sondern die operativen Grundlagen für einen verantwortungsvollen und skalierbaren Betrieb zu schaffen. Das bedeutet, geeignete Datenworkflows, Governance-Modelle, Überwachungsmethoden und klare Verantwortlichkeitsmechanismen zu etablieren, bevor KI im laufenden Netzbetrieb genutzt werden kann. Ob Netzbetreiber von KI-gestützten Abläufen und agentenbasierter Automatisierung wirklich profitieren, hängt letztlich davon ab, ob sie diese Systeme mit der richtigen Aufsicht, Erklärbarkeit, Beobachtbarkeit (Observability) und Verantwortlichkeit skalieren können. Mehr Intelligenz, mehr Governance Mehr Automatisierung, mehr verteilte Infrastruktur, mehr Datenverkehr über mehr Umgebungen hinweg machen Telekommunikationsnetze agiler und anpassungsfähiger – aber auch fragiler, wenn die Grundlage schwach ist. Betreiber, die die Herausforderung ernst nehmen, integrieren Resilienz von Anfang an: in die Art, wie sie Daten verwalten, wie sie Netzwerke steuern und wie sie KI einsetzen. Das Ziel sind Netze, die vertrauenswürdig, kontrollierbar und resilient bleiben, gerade dann, wenn künstliche Intelligenz immer tiefer ins System einzieht. https://de.cloudera.com/ Athul Prasad Unternehmen müssen Netzwerkdaten für neue Dienste, Ökosystem-Partnerschaften und Modelle zur Monetarisierung öffnen – ein Spannungsfeld, das sich zunehmend zuspitzt
24 08/2026 www.net-im-web.de KÜNSTLICHE INTELLIGENZ Bernhard Reimann Unternehmen, Betreiber kritischer Infrastrukturen und öffentliche Organisationen vernetzen Produktionsanlagen, Energieversorgung, Logistik, Gebäudeautomation, Kommunikationssysteme und digitale Dienste. Daten laufen nicht mehr ausschließlich in Rechenzentren zusammen. Cloud-Plattformen, Edge-Systeme, mobile Endgeräte, Sensoren und Steuerungen tauschen Informationen direkt untereinander aus. Das beschleunigt Prozesse und verbessert die Auswertung großer Datenmengen. Gleichzeitig wächst die Zahl der Schnittstellen, an denen Angriffe ansetzen oder technische Störungen den Betrieb beeinträchtigen. Bernhard Reimann ist Chefredakteur der NET Dieser Entwicklung trägt die PMRExpo 2026 Rechnung erweitert ihr Spektrum um Cyber-Security, resiliente Netzarchitekturen und Künstliche Intelligenz. Ein Aspekt ist der Einsatz künstlicher Intelligenz in sicherheits- und geschäftskritischen Kommunikationsstrukturen. KI wertet Betriebsdaten aus, erkennt Abweichungen und unterstützt technische Prozesse. Ihr Nutzen hängt jedoch davon ab, wie verlässlich Datenquellen, Kommunikationswege und Zugriffsmechanismen abgesichert sind. Vorausschauende Analysen Router, Switches, Mobilfunkkomponenten, industrielle Steuerungen, Sensoren und Server erzeugen große Mengen an Telemetriedaten. Klassische Monitoring-Systeme überwachen feste Grenzwerte. Sie schlagen Alarm, wenn Paketverluste, Temperatur, CPU-Last oder Durchsatz einen definierten Schwellenwert überschreiten. KI-basierte Anomalieerkennung geht darüber hinaus. Sie setzt Einzelwerte in Beziehung zueinander und bewertet Veränderungen über längere Zeiträume. Steigt bei einem Netzwerkgerät langsam die Fehlerrate, während gleichzeitig Latenz und Leistungsaufnahme zunehmen, weist diese Kombination auf einen beginnenden Defekt hin. Der Betreiber erkennt die Entwicklung, bevor die Komponente ausfällt. Diese erleichtert In industriellen Netzen erleichtert die Wartungsplanung. Betreiber können eingreifen, bevor Produktionsprozesse, Energieversorgung oder Kommunikationsdienste beeinträchtigt werden. In einem Energieverteilnetz beispielsweise zeigen veränderte Laufzeiten zwischen Schutz- und Steuerungskomponenten technische Probleme frühzeitig an. In einer Produktionsanlage kann ein ungewöhnliches Datenverkehrsmuster innerhalb eines Steuerungsnetzes auf fehlerDie PMREXpo zeigt unter anderem, dass künstliche Intelligenz zu mehr Sicherheit und Resilienz in kritischen Kommunikationsstrukturen beiträgt, wenn Architektur, Datenintegrität und Rückfallebenen zusammenpassen (Foto: NET) PMRExpo im Spannungsfeld neuer Technologien KI wird Teil sicherheitskritischer Kommunikationsstrukturen
25 08/2026 www.net-im-web.de PMRExpo im Spannungsfeld neuer Technologien hafte Sensorik, Kommunikationsprobleme oder eine kompromittierte Komponente hinweisen. Mehr Sicherheit Auch die Cyber-Security profitiert von verhaltensbasierter Analyse. Viele moderne Angriffe lassen sich nicht mehr allein über bekannte Signaturen erkennen. Besonders kritisch sind kompromittierte Benutzerkonten oder Geräte, die zunächst innerhalb zulässiger Kommunikationsparameter arbeiten. Auffällig wird ihr Verhalten erst im Vergleich mit den bisher bekannten Zugriffsmustern. Baut ein industrieller Computer, der üblicherweise nur mit wenigen internen Systemen kommuniziert, auf einmal verschlüsselte Verbindungen zu externen Servern auf oder überträgt ungewöhnlich große Datenmengen, erkennt eine verhaltensbasierte Analyse die Abweichung. Neue Kommunikationsbeziehungen zwischen getrennten Netzsegmenten oder Zugriffe zu ungewöhnlichen Zeiten liefern weitere Hinweise auf einen Angriff. Stark im Verbund Solche Verfahren ersetzen keinesfalls etablierte Schutzmechanismen. Firewalls, Intrusion-Detection-Systeme, Netzwerksegmentierung oder verschlüsselte Datenübertragung bleiben Grundlage sicherer Netze. Zero-Trust-Architekturen ergänzen diese Mechanismen. Geräte und Benutzer erhalten nicht allein aufgrund ihrer Position im internen Netz Zugriff. Network Access Control, rollenbasierte Berechtigungen und kontinuierliche Identitätsprüfung begrenzen den Zugang auf die Ressourcen, die tatsächlich benötigt werden. In verteilten Infrastrukturen gewinnt diese Kombination an Bedeutung. Private 5G-Campusnetze, WLAN, Glasfaserstrecken, öffentliche Mobilfunknetze und Satellitenverbindungen arbeiten häufig innerhalb derselben Kommunikationsarchitektur. Ein kompromittierter Zugangspunkt darf dabei keinen direkten Weg in benachbarte Netzbereiche eröffnen. Auf der PMRExpo 2026 können sich die Besucher informieren, wie Segmentierung, Mikrosegmentierung und klar definierte Übergänge zwischen IT- und OT-Netzen die Ausbreitung eines Angriffs begrenzen. Resilienz beginnt dort, wo ein Netz auch nach einem technischen Ausfall oder einer Cyber-Attacke weiterarbeitet. Dafür braucht es redundante Kommunikationswege, getrennte Netzsegmente und definierte Rückfallebenen. Fällt die primäre Glasfaserverbindung eines Standorts aus, übernimmt etwa eine Mobilfunk- oder Satellitenstrecke die Übertragung. Wird ein Teilnetz kompromittiert, trennt die Architektur diesen Bereich ab, während zentrale Betriebsprozesse weiterlaufen. Schneller durch KI KI unterstützt diese Abläufe, indem sie Datenströme bewertet und Veränderungen in der Netzqualität erkennt. Zeigt eine Verbindung erhöhte Fehlerraten oder Latenzen, kann ein Netzwerkmanagement-System den Datenverkehr auf einen redundanten Pfad umleiten. Damit solche Eingriffe beherrschbar bleiben, sind allerdings klar definierte Regeln, dokumentierte Freigaben und eine lückenlose Protokollierung unerläßlich. Besonders kritisch ist die Vertrauenswürdigkeit der Eingangsdaten. KI verarbeitet alle Informationen, die Sensoren, Steuerungen und Kommunikationssysteme liefern. Sind diese Daten manipuliert, entstehen falsche Ergebnisse. Veränderte Zeitstempel, gefälschte Geräteidentitäten oder manipulierte Sensordaten verfälschen die Auswertungsergebnisse. Meldet ein Temperatursensor dauerhaft Normalwerte, obwohl sich eine Anlage bereits überhitzt, arbeitet das Analysemodell formal korrekt und liefert dennoch ein falsches Ergebnis. So schützen Digitale Signaturen, verschlüsselte Datenpfade und manipulationsgeschützte Zeitreferenzen nicht nur die Kommunikation. Sie sichern zugleich die Datenbasis, auf der automatisierte Entscheidungen beruhen. Auswertung vor Ort Auch die Verteilung der Rechenleistung verändert sich. Viele KI-Anwendungen laufen nicht mehr ausschließlich in zentralen Cloud-Strukturen. Industrielle Prozesse, Infrastrukturüberwachung und mobile Anwendungen verlangen kurze Reaktionszeiten. Edge Computing bringt Analysefunktionen direkt an die Datenquelle und reduziert die Abhängigkeit von entfernten Rechenzentren. Eine Kamera an einem abgelegenen Standort wertet Videodaten lokal aus und überträgt nur erkannte Ereignisse. Ein Industrie-Gateway analysiert Sensordaten vor Ort und reagiert sofort auf Abweichungen. Fällt die Verbindung zur Cloud aus, bleibt die Funktionalität erhalten. Gleichzeitig sinkt die benötigte Bandbreite, da sich das zu übertragende Datenvolumen verringert. Mit Cyber-Security, KI und resilienten Kommunikationsarchitekturen rücken jetzt auf der PMRExpo 2026 Themen zusammen, die technisch längst voneinander abhängen. Moderne Netze müssen Angriffe erkennen, Störungen eingrenzen, alternative Übertragungswege nutzen und auch bei ausgefallenen Teilbereichen kontrollierbar bleiben. Die PMREXpo zeigt unter anderem, dass künstliche Intelligenz dann nützlich ist, wenn sie unter diesen Bedingungen funktioniert. Ein intelligentes System muss auch mit unvollständigen Daten, schwankender Netzqualität, kompromittierten Komponenten und ausgefallenen Verbindungen belastbare Ergebnisse liefern. Erst wenn Architektur, Datenintegrität, Zugriffsschutz und Rückfallebenen zusammenpassen, trägt KI tatsächlich zu mehr Sicherheit und Resilienz in kritischen Kommunikationsstrukturen bei. www.pmrexpo.de
40 www.net-im-web.de 08/2026 NETZBETREIBER UND -DIENSTE Mehr als nur ein Kabel tde entwickelt Glasfasertechnik für kritische Infrastrukturen Bernhard Reimann ist Chefredakteur der NET Bernhard Reimann Ein Kabel wird gefertigt, geprüft, ein zweites Mal kontrolliert und erst danach verpackt. Fällt es bei der Messung durch, verlässt es die Produktion nicht. Für Gregor Meier, Vertriebsleiter der tde – trans data elektronik GmbH, ist dieser Ablauf das tägliche Geschäft. „Dieser strikte Prozess ist bei uns absoluter Standard“, erklärt er. Besucher können in der Fertigung Schritt für Schritt verfolgen, wie aus Fasern, Steckverbindern und Schutzkomponenten eine dokumentierte Verbindung entsteht. Hochwertige Kabel und sichere Steckverbindungen sind das Rückgrat jedes zuverlässig arbeitenden Rechen- und Datenzentrums. Dennoch wird gerade diesen unscheinbaren Komponenten häufig wenig Beachtung geschenkt. Die tde steuert hier bewusst gegen den Branchentrend: Das Unternehmen hat sich auf die Entwicklung und Herstellung von Glasfaser- und Kupfer-Datenkabeln „Made in Germany“ spezialisiert. In einer Branche, die große Stückzahlen häufig in Asien oder anderen Niedriglohnregionen fertigen lässt, ist das eine Seltenheit. Das Unternehmen dagegen hält am deutschen Standort fest. „Wenn wir `Made in Germany´ hinschreiben und aussprechen, dann meinen wir das hundertprozentig“, betont Meier. Nachfrage aus dem Ausland Vor allem Kunden aus sicherheitskritischen Bereichen legen zunehmend Wert auf europäische Herkunftsländer. Auf Fachveranstaltungen im Umfeld von Bundeswehr und Behörden erlebt Meier immer wieder, dass Auftraggeber deutsche Partner bevorzugen. Für sie zählen nicht nur technische Daten und Preise. Sie wollen kontrollierbare Lieferketten und verlässliche Ansprechpartner. „Wir brauchen deutsche Partner“, hört Meier in solchen Gesprächen regelmäßig. Auch ausländische Interessenten fragen gezielt nach Produkten aus deutscher Fertigung. Meier erinnert sich an Gespräche mit australischen Besuchern, die weder Kabel aus Asien noch aus den USA einsetzen wollen. Sie suchten ausdrücklich deutsche Qualität. Für Gregor Meier ist das nicht überraschend: „Wer Kabel für hochsensible Umgebungen wie einer Produktionsstätte oder einem Rechenzentrum sucht, möchte keine billigen Komponenten. In einem Rechenzentrum arbeiten Switches, Server und optische Transceiver im Wert von mindestens mehreren Millionen Euro. Da darf eine Verbindung nicht aufgrund fehlerhafter Kabel-Verbindungen ausfallen.“ Kundenspezifische Applikationen tde bietet zwar Standardkabel in verschiedenen Konfigurationen, Längen und Farben, doch das eigentliche Tagesgeschäft prägen kundenspezifische Applikationen. TelekomDie Qualität eines Kabels lässt sich von außen nur eingeschränkt beurteilen. Daher durchläuft jedes Kabel bei tde eine umfangreiche Fehlerkontrolle. Bereits die Vorprüfung erkennt fehlerhafte Produkte (Foto: tde)
41 www.net-im-web.de 08/2026 Mehr als nur ein Kabel munikationsunternehmen, Rechenzentrumsbetreiber sowie Unternehmen aus Industrie, Luftfahrt und Verteidigung bestellen selten einfach ein Kabel. Vielmehr kommen diese mit Zeichnungen, Einbausituationen und Funktionsanforderungen auf die tde zu. Wenn beispielsweise ein Glasfaserkabel in einem Fahrzeug auf minimalem Raum um eine Ecke geführt werden muss. Die Glasfaser darf dabei weder knicken noch ihren zulässigen Biegeradius unterschreiten, muss über eine robuste Zugentlastung verfügen und gegen äußere Einflüsse geschützt sein. Für tde beginnt an dieser Stelle die eigentliche Entwicklungsarbeit. „Wir realisieren nahezu jeden Wunsch“, führt Meier aus. Nicht jede Idee lässt sich technisch umsetzen, doch in den meisten Fällen wird gemeinsam mit dem Kunden eine passende Lösung erarbeitet. Ziel ist nicht die Herstellung eines Einzelstücks, sondern eine Lösung, die sich zuverlässig einsetzen und bei Bedarf erneut produzieren lässt. „Wir wollen immer die Basis für eine Serienproduktion schaffen“, ergänzt Gregor Meier. Fortlaufende Qualitätskontrollen Die Qualität eines Kabels lässt sich von außen nur eingeschränkt beurteilen. Daher durchläuft ausnahmslos jedes Kabel eine umfangreiche Fehlerkontrolle. Eine Vorprüfung erkennt fehlerhafte oder nicht ausreichend leistungsfähige Produkte, bevor sie die Endkontrolle erreichen. Gregor Meier vergleicht diesen Check mit einem Fahrzeug auf dem Leistungsprüfstand. Ein Hersteller kann 500 PS versprechen. Zeigt die Messung nur 350 PS, stimmt das Produkt nicht mit der Spezifikation überein. Bei einem Glasfaserkabel prüfen die Mitarbeiter dessen optische Eigenschaften und die Übertragungsleistung. Soll ein Kabel in einer 400- oder 800-Gigabit-Umgebung arbeiten, muss es die dafür festgelegten Messwerte einhalten. Mit höheren Übertragungsraten steigen die Anforderungen in Bezug auf die Qualität, da die zur Verfügung stehenden Dämpfungsbudgets sehr niedrig sind. Jedes freigegebene Kabel erhält eine eindeutige Kennzeichnung. Über die aufgedruckte Seriennummer lässt sich jederzeit nachvollziehen, wann und in welcher Charge das betreffende Kabel gefertigt wurde. Diese Rückverfolgbarkeit erleichtert die Dokumentation, auch im Falle eines Fehlers. Aufgrund der hohen Qualitätsstandards geht die Reklamationsquote bei tde gegen Null. Sorgfalt ist unumgänglich Ebenso wie bei der Herstellung ist auch beim Umgang mit Glasfaserleitungen Sorgfalt angebracht. Schon ein Staubkorn auf der Stirnfläche führt zu Fehlern bei der Datenübertragung. Daher genügt es bei der Installation nicht, die Staubschutzkappe abzuziehen und den Stecker sofort einzustecken. Vielmehr muss der Techniker zunächst die Stirnfläche kontrollieren sowie bei Bedarf reinigen. Erst wenn diese sauber ist, wird die Verbindung hergestellt. „Bei Kupferleitungen nimmt man das Kabel, steckt es ein und fertig ist der Lack“, sagt Meier. „Bei Glasfaser ist das anders.“ In der Praxis unterschätzen Installateure diesen Unterschied noch immer. Wer überwiegend mit Kupfer arbeitet, behandelt optische Leitungen gelegentlich wie gewöhnliche Ethernet-Kabel. Manche berühren die Kontaktflächen, verlegen die Kabel in zu engen Radien oder prüfen die vorgesehene Strecke nicht auf Linkdämpfung. Ein Fehler muss dabei nicht sofort auftreten. Verschmutzungen oder mechanische Belastungen können die Verbindung auch erst später beeinträchtigen. tde weist Kunden und Installationspartner deshalb in den richtigen Umgang mit den Systemen ein. Hierzu gehören unter anderem Reinigung, Prüfung, Biegeradien und die richtige Zuordnung der Leitungen. Schnelle Eingreiftruppe Die tde-Kabel sind für Hochverfügbarkeitsanwendungen gemacht und funktionieren immer. Und tritt tatsächlich einmal eine Störung auf, dann ist Eile geboten. Egal, was passiert, tde unterstützt ihre Kunden vor Ort und hat hierfür eine spezielle Abteilung ins Leben gerufen, die intern auch als „schnelle Eingreiftruppe“ bezeichnet wird. Dieser Service ist entstanden, da viele Unternehmen in solchen Fällen nicht immer eigene Fachkräfte oder kurzfristig verfügbare Installateure einsetzen können. Auf Kundenseite entbrennt bei Störungen schnell eine Diskussion über Zuständigkeiten. Der Netzwerkausrüster vermutet die Verkabelung, der Installateur den Transceiver und der Gerätehersteller die Konfiguration. Die tde-Techniker kennen das passive System und bringen darüber hinaus die erforderlichen Messgeräte mit. Dadurch können sie die Fehlerquelle in der Regel schnell und gezielt eingrenzen. Die Fertigung in Deutschland ist nur ein Teil des tde-Konzepts. Entwicklung, Produktion, Prüfung, modulare Erweiterung und technischer Service greifen ineinander. tde liefert kein anonymes Produkt, das nach dem Versand aus seinem Verantwortungsbereich verschwindet. „Unsere Kunden bekommen das, was draufsteht“, führt Gregor Meier aus. „Ein Kabel bleibt zwar ein passives Bauteil. Seine Qualität aber ist entscheidend, ob das gesamte System in Rechenzentren oder kritischen Infrastrukturen zuverlässig arbeitet.“ www.tde.de Gregor Meier Kunden aus sicherheitskritischen Bereichen legen Wert auf europäische Herkunftsländer. Für sie zählen technische Daten, Preise sowie kontrollierbare Lieferketten und verlässliche Ansprechpartner
49 www.net-im-web.de Neues IPTV-Server-Modul von POLYTRON Mit dem IPTV-Server-Modul MPM 50334 bietet POLYTRON eine neue „All-in-one“-IPTV-Lösung für den Einsatz in der POLYTRON MPX Kopfstelle. Das MPM 50334 ist ein hochintegriertes, kompaktes und flexibles IPTV-Modul, das Live-Videoinhalte und Zusatzdienste über IP-Netzwerke bereitstellt. Es unterstützt bis zu 100 Multicast Live-Kanäle in SD/HD-Auflösung oder 50 HLS LiveKanäle (HTTP Live Streaming) Unicast für bis zu 200 Endgeräte. Kompakt in nur einer 19 Zoll-Höheneinheit finden Signalempfang, Signalverarbeitung, Signalausgabe sowie das IPTV-Management Platz. Das MPM 50334 benötigt als IPTV-Management-Modul nur einen Slot. Dadurch bleiben fünf Steckplätze im MPX-Grundgerät frei für den flexiblen Einsatz von Sat-, Kabel-, IPTV- oder HDMI-Empfangsmodulen. Zwei Gigabit-Ethernet-Ports als schnelle und zuverlässige Netz- werkverbindung stehen zur Ein- und Ausgabe von IP-Streams zur Verfügung. Mit optionalen IPTV-Lizenzen kann der Funktionsumfang des MPM 50334 zusätzlich erweitert werden. Dazu gehören beispielsweise Opera PMS, Samsung Hospitality TV oder Verwaltungssysteme. Das Besondere dabei ist, dass es sich garantiert um einmalige Lizenzgebühren handelt, es sind keine Lizenz-Abonnements erforderlich. www.polytron.de pei tel macht den Funkgerätewechsel einfach Viele Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) tauschen derzeit ihre alten TETRA-Funkgeräte des Typs MTP850 FuG aus und ersetzen diese mit den neuen TETRA-Geräten Motorola MXP600. Für einen nahtlosen Übergang sind in Einsatzfahrzeugen auch die entsprechenden Ladehalterungen für die Funkgeräte zu ersetzen. Diese zeitaufwendige Installation wird mit dem LHM600 Upgrade-Kit jetzt überflüssig. Die neue Ladehalterung von pei tel ist ohne Werkzeug mit nur wenigen Handgriffen am vorhandenen Montage-Winkel anzubringen, ohne neue Löcher zu bohren und Kabel zu verlegen. Neben der erheblichen Zeit- und Kostenersparnis durch die einfache, werkzeuglose Installation, zeichnet sich die Ladehalterung durch ein besonders stabiles Gehäuse und vergoldete Hyperboloid Cage Kontakte für höchste Kontaktsicherheit und Langlebigkeit aus. Darüber hinaus sorgen raffinierte Führungs- und Rastmechanismen für einen einwandfreien Halt des Funkgerätes. Damit die Funktionalität zu keinem Zeitpunkt beeinträchtigt ist, wurde darauf geachtet, dass die Tastatur, die seitlichen Tasten und der Zubehöranschluss zugänglich bleiben, wenn sich das Funkgerät in der Ladehalterung befindet. www.peitel.com (Foto: pei tel) (Foto: Polytron) Racks für geschäftskritische KI-Rechenzentren Super Micro Computer hat neue Racks im Programm, die speziell für den Einsatz in geschäftskritischen KI-Rechenzentren mit hoher Dichte entwickelt wurden. Der ORv3-Standard ermöglicht es Supermicro, seinen Kunden eine Reihe von Racks anzubieten, die die Integration von Flüssigkeitskühlungslösungen für Systeme mit hoher Rechenleistung vereinfachen, was zu einer Senkung der Gesamtbetriebskosten (TCO) führt. Die DCBBS-Racks von Supermicro werden getestet und anschließend in stoß- und vibrationsgeprüften Transportkisten als Teil des DCBBS-Portfolios von Supermicro ausgeliefert. Diese für bestimmte Workloads optimierten Lösungen im Rack- und Cluster-Maßstab sind validiert und vom ersten Tag an einsatzbereit. Die für fortschrittliche Flüssigkeitskühlung optimierten Konstruktionen ermöglichen eine mühelose Integration mit In-Rack- und In-Row-CDUs, Sidecars, Wärmetauschern an der Rückwand (RDHx) sowie Flüssigkeitskühlverteiler. www.supermicro.com PRODUKTE Vierte Generation des R&Mfreenet-Systems R&M führt die vierte Generation seines Standard-Verkabelungssystems R&Mfreenet ein. Mit dem R&Mfreenet 4.0 bietet R&M einen umfassenden Baukasten für die physische Ebene lokaler Datennetze (LAN) an. Im Zentrum steht die erneuerte und harmonisierte Palette der RJ45-Anschlussmodule. R&M reduziert die Zahl der Varianten der EL4.0-Modulgeneration auf zwei je Kategorie. Kleinteile wie Adapter entfallen oder sind nun – wie Zugentlastung, Farbcode und Schutzklappe – in das Modul integriert. Der selbsterklärende Easy Lock-Montageprozess wurde auf einen Arbeitsgang komprimiert. R&M beschaltet die Kupferadern der Patchkabel mit der korrosionsdichten, zug- und vibrationsfesten Schneidklemmtechnik. Die Steckkontakte sind mit einer Goldschicht mit definierter Stärke beschichtet, um unter allen Bedingungen eine verlustfreie Signalübertragung zu gewährleisten. Das System unterstützt Power over Ethernet bis zur höchsten Leistungsstufe www.rdm.com (Foto: R&M) (Foto: Supermicro) 08/2026
net-im-web.deRkJQdWJsaXNoZXIy MjE2Mzk=