NET 6-7/2026

6-7/2026 23 www.net-im-web.de DATEN- UND RECHENZENTREN Thomas Borg, Oliver Ulke Die Digitalisierung von Wirtschaft, Verwaltung und Gesellschaft führt zu einem kontinuierlich steigenden Bedarf an leistungsfähiger, sicherer und vor allem regional verfügbarer Rechenleistung. Der öffentliche Diskurs konzentriert sich meist auf die großen Hyperscaler, die den globalen Markt prägen. Dabei wird oft übersehen, dass parallel dazu ein ebenso bedeutsamer Bedarf entsteht: jener nach dezentralen, regionalen Rechenzentren für den Mittelstand, für Kommunen, für kritische Infrastrukturen und öffentliche Einrichtungen. Gerade in diesem Segment kommt den Stadtwerken und kommunalen Energietöchtern eine Schlüsselrolle zu. Thomas Borg ist Senior Consultant Data Center bei Netceed. Oliver Ulke betreut beim BREKO die ostdeutschen Bundesländer in Fragen der Landes- und Kommunalpolitik und verantwortet die Projektgruppe Rechenzentren Stadtwerke als Colocation-Betreiber Digitale Infrastruktur, Energiewende und kommunale Wertschöpfung Die Energieversorger bringen Voraussetzungen mit, die den Betrieb moderner Rechenzentren erst tragfähig machen: Kompetenz in der Energieversorgung, vorhandene Netzanschlüsse, kommunale Verankerung, Infrastruktur-Know-how und langjährige Erfahrung im Betrieb kritischer Versorgungssysteme. Die Verbindung von digitaler Infrastruktur und Energieversorgung eröffnet ihnen Geschäftsmodelle, die weit über die klassische Strom-, Gas- und Wärmeversorgung hinausgehen. Aus Sicht von Netceed, als weltweit führender Anbieter von Supply-Chain-Lösungen für Netzwerkinfrastrukturen, und BREKO ist diese Entwicklung mehr als ein neues Marktsegment – sie ist ein Baustein der digitalen Souveränität Deutschlands und verdient einen verlässlichen, investitionsfreundlichen politischen Rahmen. Die digitale Transformation Der deutsche Mittelstand steht unter erheblichem Transformationsdruck. Die Digitalisierung von Produktionsprozessen, der Einsatz von KI-Anwendungen und Datenanalysen sowie die Vernetzung von Lieferketten verlangen eine leistungsfähige digitale Infrastruktur. Hinzu kommen steigende Anforderungen an die Cybersicherheit. Viele Unternehmen möchten ihre Daten jedoch nicht ausschließlich bei internationalen Cloud-Anbietern speichern, sei es aus Gründen des Datenschutzes, der Datensouveränität und der Compliance oder schlicht, weil kurze Latenzzeiten, hohe Verfügbarkeit und ein regionaler Ansprechpartner für ihr Geschäft entscheidend sind. Regionale ColocationRechenzentren bieten hier eine überzeugende Lösung: Sie ermöglichen es Unternehmen, eigene Server oder hybride Cloud-Lösungen in professioneller Umgebung effizient zu betreiben und die Hoheit über die eigenen Daten jederzeit zu wahren. Stadtwerke genießen ein traditionell hohes Ansehen in der Bevölkerung und bei der regionalen Wirtschaft. Regionale Rechenzentren sind damit ein digitales und ein struktur- und standortpolitisches Instrument (Foto: Bente Jønsson, Pixabay)

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