NET 6-7/2026

24 6-7/2026 www.net-im-web.de Stadtwerke als Colocation-Betreiber Ähnlich verhält es sich bei den Kommunen. Durch das Onlinezugangsgesetz, Smart-City-Vorhaben, digitale Bürgerdienste, Verkehrs- und Umweltmanagement, digitale Schulen und E-Government entstehen große Datenmengen, die sicher verarbeitet und gespeichert werden müssen. Städte und Gemeinden suchen dafür zunehmend regionale, DSGVO-konforme Lösungen mit hoher Datensicherheit und gesicherter Souveränität. Stadtwerke können hier als kommunale Infrastrukturpartner auftreten und digitale Dienste aus einer Hand bereitstellen – verlässlich, ortsnah und in öffentlicher Verantwortung. Prädestinierte Colocation-Betreiber Stadtwerke verfügen über Eigenschaften, die sie zu natürlichen Favoriten für den Betrieb regionaler Rechenzentren machen. Vieles, was andere Akteure erst mühsam aufbauen müssen, ist bei ihnen bereits vorhanden: Stromnetze und Umspannwerke, Glasfaser- und Fernwärmenetze, geeignete Grundstücke sowie eingespielte Betriebsführungs- und Bereitschaftsstrukturen. Aus dieser Ausgangslage ergeben sich erhebliche Synergien, die sowohl die Wirtschaftlichkeit als auch die Nachhaltigkeit eines Rechenzentrums verbessern. Hinzu kommt ein Faktor, der sich schwer beziffern, aber kaum überschätzen lässt: Vertrauen. Stadtwerke genießen ein traditionell hohes Ansehen in der Bevölkerung und bei der regionalen Wirtschaft. Die räumliche und institutionelle Nähe schafft Glaubwürdigkeit. Dies ist besonders bei sensiblen Beständen – wie kommunalen Daten, Gesundheits-, Produktions- oder Forschungsdaten – von zentraler Bedeutung. Schließlich bleibt die Wertschöpfung in der Region: Investitionen, Arbeitsplätze, Steuereinnahmen und technologisches Know-how verbleiben vor Ort, statt an internationale Plattformen abzufließen. Regionale Rechenzentren sind damit nicht nur ein digitales, sondern auch ein struktur- und standortpolitisches Instrument. Teil der Daseinsvorsorge Rechenzentren entwickeln sich zu einer neuen Form kommunaler Daseinsvorsorge und rücken damit in den Anwendungsbereich der KRITIS-Regulierung. Ähnlich wie Strom-, Wasser- und Abwasserversorgung oder Telekommunikation werden digitale Dienste zu einem unverzichtbaren Bestandteil des modernen Gemeinwesens. Wo Krankenhäuser, Verkehrssysteme, die Energieversorgung, die Verwaltung oder der Katastrophenschutz auf digitale Prozesse angewiesen sind, steigen die Anforderungen an die Verfügbarkeit und die Datensicherheit der zugrunde liegenden IT-Infrastruktur erheblich. Regionale Betreiber aus dem Stadtwerkeumfeld können diesen Anforderungen in besonderer Weise gerecht werden – bis hin zu redundanten Standorten. Zwischen Anspruch und Erfüllung Der politische Rahmen für Rechenzentren wird zunehmend von Klimaschutz- und Energieeffizienzvorgaben geprägt. Auf europäischer Ebene verfolgt der Green Deal das Ziel der Klimaneutralität bis 2050. Die überarbeitete Energieeffizienzrichtlinie (EED) verpflichtet größere Rechenzentren zu mehr Transparenz beim Energie- und Wasserverbrauch, zur Offenlegung von Effizienzkennzahlen und zum Nachweis der Abwärmenutzung. Die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) erhöht den Dokumentationsdruck zusätzlich und macht Colocation-Anbieter zu wichtigen Partnern ihrer berichtspflichtigen Kunden. Der BREKO unterstützt das Ziel energieeffizienter und nachhaltiger Rechenzentren. Entscheidend ist jedoch, wie die Vorgaben ausgestaltet werden. Mit dem nationalen Energieeffizienzgesetz (EnEfG) hat Deutschland Anforderungen eingeführt, Oliver Ulke Der jüngste Referentenentwurf zur Beschleunigung der Umsetzung der EED weist mit der Anhebung des Anwendungsschwellenwerts und der maßvollen Anpassung der PUE-Vorgaben in die richtige Richtung Rechenzentren entwickeln sich zu einer neuen Form kommunaler Daseinsvorsorge und rücken damit in den Anwendungsbereich der KRITIS-Regulierung. Digitale Dienste werden zum Bestandteil des Gemeinwesens (Foto: Keysi Estrada, Pexels)

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