NET 6-7/2026

25 6-7/2026 www.net-im-web.de Stadtwerke als Colocation-Betreiber die die europäischen Mindeststandards teils deutlich übertreffen. Der jüngste Referentenentwurf zur Beschleunigung der Umsetzung der EED weist mit der Anhebung des Anwendungsschwellenwerts und der maßvollen Anpassung der PUE-Vorgaben in die richtige Richtung. Aus Sicht des BREKO bleiben gleichwohl zentrale Schwächen bestehen, die gerade kleine, regionale und mittelständische Betreiber überproportional belasten. Erstens dürfen Effizienzvorgaben nicht an Bezugsgrößen anknüpfen, die im Colocation-Modell systematisch ins Leere laufen. Die Nennanschlussleistung der Kunden-IT ist dem Betreiber regelmäßig nicht bekannt und verändert sich laufend. Sachgerecht ist allein die Anknüpfung an den tatsächlichen Leistungsbedarf, der aus dem gemessenen Vorjahresverbrauch ermittelt werden kann. Zweitens sehen wir starre PUE-Grenzwerte (PUE ist der Gesamtenergieverbrauch des Rechenzentrums geteilt durch den Energieverbrauch der IT-Systeme, dabei gilt 1,2 bis 1,4 schon als sehr gut.) für Bestandsanlagen kritisch: Was für jüngst geplante Anlagen erreichbar ist (hier sollte ein PUE von unter 1,3 angestrebt werden), lässt sich bei älteren, oft massiv errichteten Gebäuden vielfach nicht oder nur mit unverhältnismäßigem Aufwand verwirklichen. Werden solche Standorte stillgelegt, droht der Rückzug der Kunden in den Eigenbetrieb – ohne jede Effizienz- und Nachhaltigkeitsbindung. Das wäre unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten ein echter Rückschritt. Für Bestandsanlagen fehlen zudem entsprechende europäische Vorgaben; schärfere nationale Pflichten wirken als Gold-Plating, das dem erklärten Ziel des Bürokratieabbaus zuwiderläuft und den Standort Deutschland im europäischen Wettbewerb schwächt. Die Maßnahmen für eine PUEOptimierung können dabei sehr vielfältig sein und müssen immer projektbezogen betrachtet werden. Strategische Bedeutung Für Stadtwerke eröffnet der Betrieb regionaler Colocation-Rechenzentren weit mehr als zusätzliche Erlösquellen aus Rack-Vermietung, Managed Services oder Cybersicherheitsangeboten. Er stärkt die kommunale Souveränität durch regionale Datenhaltung und eine sichere Verwaltungs-IT, er verringert die Abhängigkeit von internationalen Plattformen, und er erhöht die Attraktivität des Standorts für eine zunehmend digitalisierte regionale Wirtschaft. Damit fügt sich das Modell in die übergeordnete politische Linie ein: Die im März 2026 vom Bund verabschiedete Nationale Rechenzentrumsstrategie bekennt sich ausdrücklich zur Förderung regionaler und dezentraler Ansiedlungen. Dieses Bekenntnis muss sich nun in Regulierung und Genehmigungspraxis konkret niederschlagen. Schlüssel zur Nachhaltigkeit Bislang wird die Abwärme von Rechenzentren traditionell an die Umgebung abgegeben. Dabei entstehen erhebliche Energieverluste. Moderne Rechenzentren wandeln dagegen nahezu die gesamte elektrische Energie in Wärme um. Vereinfacht gilt: 1 kWh Strom entspricht nahezu 1 kWh Wärme. Diese Wärme ist eine wertvolle Ressource. Durch vorhandene Nah- und Fernwärmenetze können Stadtwerke die Abwärme von Rechenzentren direkt nutzen. Mögliche Abnehmer sind beispielsweise Wohngebiete, Schulen, Krankenhäuser, Verwaltungsgebäude, Gewerbegebiete und Schwimmbäder. Dadurch entsteht ein integriertes Energie- und Datenökosystem als regionale Notwendigkeit der ganzheitlichen Energiebetrachtung. Das Rechenzentrum entwickelt sich vom Stromverbraucher zum Wärmeproduzenten. Die Abwärme kann beispielsweise über Wärmepumpen, Niedertemperaturnetze oder Fernwärmesysteme wirtschaftlich genutzt werden. Die CO₂- Bilanz, die Wirtschaftlichkeit, die Energieeffizienz und die Versorgungssicherheit verbessern sich dadurch gleichermaßen. Fazit Die Rolle der Stadtwerke wandelt sich grundlegend. Neben Strom, Gas, Wasser und Wärme entwickelt sich die digitale Infrastruktur zu einem weiteren Pfeiler der kommunalen Daseinsvorsorge und eröffnet ihnen neue Erlösquellen. ColocationRechenzentren erlauben es Stadtwerken, ihre bestehende Infrastruktur sinnvoll zu erweitern und zugleich die Digitalisierung von Mittelstand und Kommunen voranzutreiben – regional verankert, souverän und in öffentlicher Verantwortung. Ob dieses Potenzial gehoben wird, hängt wesentlich vom politischen Rahmen ab. Der BREKO wirbt für eine Regulierung, die ambitionierten Klimaschutz mit wirtschaftlicher Vernunft verbindet, die regionale und mittelständische Anbieter nicht benachteiligt und die Rechenzentren konsequent als kritische Infrastruktur und als aktiven Bestandteil der Energiewende begreift. Gelingt dies, werden regionale Rechenzentren zu einem tragenden Element einer resilienten, nachhaltigen und souveränen digitalen Infrastruktur in Deutschland. www.netceed.com www.brekoverband.de Thomas Borg Regionale Colocation-Rechenzentren ermöglichen es Unternehmen, eigene Server oder hybride Cloud- Lösungen in professioneller Umgebung zu betreiben und die Hoheit über die eigenen Daten zu wahren

RkJQdWJsaXNoZXIy MjE2Mzk=